So geht es mit dem Schweizer Franken weiter

Der Franken zeigt Anzeichen von Schwäche. Die Hoffnung der Exporteure auf eine weitere Abwertung kommt laut Devisenexperten aber zu früh, wie eine Umfrage von cash zeigt.
12.08.2015 00:05
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Im Fokus vieler Anleger: Das Währungspaar Euro-Franken.

Der Franken präsentiert sich dieser Tage so schwach wie nie seit der Auflösung der Kursuntergrenze zum Euro. Nachdem am Montag der Euro-Franken-Kurs die Grenze bei 1,08 durchbrach, geschah am Dienstag der Durchbruch bei 1,09.

Nicht nur gegenüber dem Euro, auch gegenüber anderen Leitwährungen zeigt der Franken derzeit Schwäche. In den letzten vier Wochen hat die hiesige Währung gegenüber Dollar und Pfund rund vier Prozent an Wert eingebüsst.

Euro-Franken-Kurs im Verlauf des letzten Monats, Quelle: cash.ch

Hört man sich am Devisenmarkt um, sind vor allem Schweizer Faktoren für diesen Kursknick verantwortlich. Für Jürg Nessier, Leiter Devisenkauf bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), stehen dabei die sich häufenden Negativmeldungen von Schweizer Firmen im Mittelpunkt – notabene ausgelöst durch den starken Franken. In den vergangenen Tagen und Wochen kam es wiederholt zu Produktionsverlagerungen oder Stellenabbau, vereinzelt sogar zu Konkursmeldungen. Die Streichung von 150 Jobs beim Vermögensverwalter GAM ist nur ein Beispiel. "Solche Sachen bleiben hängen und schwächen den Schweizer Franken", sagt Nessier zu cash.

Auf die Schweizerische Nationalbank (SNB) als einflussreiche Akteurin am Devisenmarkt verweist kaum ein Experte. Auch aktuelle Daten zu den Sichtguthaben der SNB deuten kaum auf Interventionen hin. Hingegen gilt vor allem für den Euro-Franken-Kurs: Der gemeinsame Währungsraum erholt sich in kleinen Schritten von der Schuldenkrise.

In der Folge lässt die Suche nach einem sicheren Hafen zusehends nach. Devisen-Analyst Thomas Flury von der UBS: "Der Fortschritt in den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern reduziert die Gefahr, dass es zu einer plötzlichen Aufwertung des Frankens kommt". Dass diesbezüglich die Stimmung schnell ins Gegenteil umschlagen kann, wurde in der jüngsten Vergangenheit aber ebenfalls deutlich.

1,13 als mutigste Prognose

Wie geht es unter diesen Umständen weiter bergab mit dem Schweizer Franken? Für ZKB-Experte Nessier ist die Decke bald erreicht. Nach dem Durchbruch von 1,09 ist für ihn zwar kurzfristig ein Kurs von 1,10 möglich. "Auf Dauer kann ich mir einen Euro-Franken-Kurs von 1,10 nicht vorstellen", so Nessier. Deshalb sieht er mittelfristig eine Seitwärtsbewegung des Euro-Franken-Kurses.

Die UBS hat diese Woche ihre Drei-Monats-Prognose auf 1,08 gesetzt, viel mehr traut sie dem Währungspaar auch in Zukunft nicht zu, wie Thomas Flury auf Anfrage schreibt. Mehr Aufwärtspotenzial sieht er im Dollar-Franken-Kurs.

Währungs-Strategin Ursina Kubli von der Bank J. Safra Sarasin ist leicht zuversichtlicher und prognostiziert einen Euro-Franken-Kurs von 1,10 zum Jahresende. An Attraktivität verlieren dürfte der Franken ihrer Meinung nach auch aufgrund der bevorstehenden Zinswende in den USA. Weil sich die Schweiz in einem Negativzinsumfeld befindet, erhöht sich die Zinsdifferenz in Bälde. "Das könnte zu einer zusätzlichen Währungs-Abschwächung führen", sagt Kubli zu cash.

Bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB) hält man gar kurzfristige Vorstösse in die Regionen von 1,12 bis 1,13 für möglich. Ein Überschiessen in einer Bewegung sei man sich vom Franken gewohnt, sagt LUKB-Devisenhändler Patrick Liniger.

Optimistischer für einen noch schwächeren Franken ist die liechtensteinische VP Bank. "Im kommenden Jahr sollte die Zielmarke von 1.15 ins Visier genommen werden", sagt Investment-Strategist Bernhard Allgäuer. Es gebe aus ökonomischer Sicht kaum Argumente für eine erneute Aufwertungswelle des Franken.

Erlösung für die Wirtschaft?

Ein schwächerer Franken wäre hochwillkommen und würde zu einer Entspannung insbesondere bei den exportorientierten Schweizer Unternehmen führen. Der von Unternehmern und Politikern ersehnte Stand des Euros wurde in der Vergangenheit meist bei 1,10 Franken angesetzt.

Doch auch dieser Wert ist immer noch einiges tiefer als der sogenannt "faire" Wert des Franken. In Bezug auf die Kaufkraftparität liegt dieser - je nach Quelle – zwischen 1,22 und 1,25. Als "gesundes Gleichgewicht mit langfristig tragbarer Marge" für die Schweizer Wirtschaft bezeichnet Thomas Flury einen Euro-Franken-Kurs von 1.30. Trotz des jüngsten Schwächeanfalls: Der Franken wird noch einige Zeit im Fokus bleiben.