So lange dauert's noch mit den Negativzinsen

«Strafzinsen» für normale Sparer? Oder nur für Ausländer? Ab welchen Vermögen? Die Negativzinsen der Nationalbank schüren Spekulationen. Für die cash-Leser ist mehrheitlich aber klar, wie lange die Massnahme noch bleibt.
03.02.2015 14:44
Von Marc Forster
Auch drei Wochen nach dem SNB-Währungs- und Zinsentscheid ist noch keine Ruhe eingekehrt.
Auch drei Wochen nach dem SNB-Währungs- und Zinsentscheid ist noch keine Ruhe eingekehrt.
Bild: Bloomberg

Geht es nach den Leserinnen und Lesern von cash, ist die Durststrecke lang. Auf die Frage, wie lange die SNB an den Negativzinsen festhalte, sagten 54 Prozent "bis 2017". Erst dann soll das grosse Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) auslaufen. Diese umstrittene Entscheidung der Euro-Währungshüter gilt als einer der Gründe, weswegen die SNB am 15. Januar den Euro-Mindestkurs aufgab und die Negativzinsen von 0,25 Prozent auf 0,75 Prozent ausweitete. Diese sollen dazu führen, dass die Märkte weniger in den Franken flüchten - sprich, dass sich der Franken im Sinne des Aussenhandels abwertet.

Weil die Wirkung der Negativzinsen zur Frankenabwertung umstritten ist - einiges deutet darauf hin, dass die Einführung von Negativzinsen bei 0,25 Prozent im Dezember der SNB nicht viel genützt hat - ist ein Fünftel der cash-Umfrageteilnehmer der Meinung, dass es mit der Massnahme bald vorbei ist. Diese 20 Prozent glauben, dass die SNB die Zinssituation schon im nächsten Sommer normalisiert. 13 Prozent erwarten, dass die SNB die Massnahme bis nur bis Ende dieses Jahres aufrechterhält.

Eine Prognose, wie lange es Negativzinsen geben wird, hat Währungsexperte Constantin Bolz von der UBS nicht. "Wir gehen aber davon aus, dass sie mindestens 12 Monate in Kraft sind." Damit behielten 13 Prozent der cash-Leser recht, die ein Ende der Negativzinsen 2016 erwarten. Die Negativzinsen sind vor allem für die Banken unangenehm, und daher ist es möglich, dass die SNB die Massnahme so kurz wie immer nötig aufrechterhält. Die Finanzinstitute empfinden die Situation als instabil und einige haben schon begonnen, die Negativzinsen auf grosse und vermögende Kunden abzuwälzen.

Schrittweise Normalisierung

Die Währungshüter um Thomas Jordan werden die Negativzinsen aller Voraussicht nach schrittweise abbauen. Drei Faktoren bestimmen laut Experte Bolz von der UBS die SNB-Politik: "Eine Verbesserung in der Eurozone – etwa dank des tiefen Ölpreises, der Anleihenkäufe der EZB und eines günstigen Euro-Dollarkurses – könnte die SNB mittelfristig dazu veranlassen, zunächst auf -0,5 Prozent zurückzugehen. Das Hauptaugenmerk gilt aber sicher dem Wechselkurs. So könnte es zu einer Reduzierung der Negativzinsen nur kommen, wenn der Euro eines Tages wieder höher tendiert."

Abhängig sei der Entscheid auch vom Zeitpunkt, an dem die EZB die Zinsen wieder anheben wird. Damit dürfte wiederum die 54 Prozent der cash-Leserinnen und Leser recht behalten, die das Ende der Negativzinsen erst 2017 sehen. Denn die EZB wird aller Voraussicht nach ihre Zinsen erst sehr spät wieder auf höhere Niveaus bringt.