So reagiert die SNB auf die Frankenstärke

Die Credit Suisse hat einen Verdacht, wo die Schmerzgrenze der Nationalbank beim Franken liegen könnte. Sie sagt auch, in welcher Form die SNB in Zukunft intervenieren wird.
02.07.2015 09:28
Von Lorenz Burkhalter
Die SNB und ihre Entscheidungsträger bleiben beim Franken gefordert.
Die SNB und ihre Entscheidungsträger bleiben beim Franken gefordert.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beschreitet im Kampf gegen die Frankenschwäche neue Wege: Nachdem sie am Montag nach einer Eskalation im Streit um das hochverschuldete Griechenland zu Interventionen gezwungen war, wandte sich ihr Präsident Thomas Jordan an die Öffentlichkeit. Noch nie zuvor hatte sich dieser derart konkret zu Devisenkäufen über den offenen Markt geäussert.

Die Währungsstrategin der Credit Suisse vermutet dahinter eine neue Strategie. Für sie steht fest: Die SNB wird in Zukunft neben Taten auch Worte sprechen lassen.

Wo liegt die Schmerzgrenze der SNB?

Nach der überraschenden Aufgabe des Mindestkurses gegenüber dem Euro von Mitte Januar kamen Spekulationen rund um eine nicht gegen aussen kommunizierte Zielbandbreite für den Euro von 1,05 bis 1,10 Franken auf. Allerdings fiel die europäische Einheitswährung mehrfach unter das untere Ende dieser Bandbreite, ohne dass es Anhaltspunkte für Interventionen seitens der SNB gegeben hätte.

Die für die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken tätige Expertin hat allerdings einen Verdacht, was die Schmerzgrenze der Währungshüter anbetrifft. Sie vermutet, dass diese sich eines handelsgewichteten Modells, zu 80 Prozent aus dem EUR/CHF und zu 20 Prozent aus dem USD/CHF zusammengesetzt, bedient. Falle der Wert dieses Modells unter 97,50 Punkte, dann sei mit Interventionen am offenen Markt zu rechnen.

Devisenkäufe bevorzugtes Instrument, aber...

Die Währungsstrategin räumt zwar ein, dass die SNB mit der verbalen Intervention von Anfang Woche neue Wege beschritten hat. Allerdings bleibe der Kauf von Devisen über den offenen Markt weiterhin das bevorzugte Instrument gegen die Frankenstärke, so schreibt sie. Unklar bleibe, wie weit die SNB bereit sei, ihre Bilanz anschwellen zu lassen.

Bei der Credit Suisse hält man es deshalb für wahrscheinlich, dass die Negativzinsen weiter erhöht werden. Denn Statistiken hätten gezeigt, dass die technischen Zinsen über das gesamte Schweizer Geldsystem hinweg noch immer nicht ganz bei Null tendieren. Der SNB sei es sogar möglich, Bargeldbezüge mit einer Abgabe zu belegen, ohne dafür die Zustimmung des Bundes oder des Parlaments zu benötigen.

Ein ähnliches Szenario hatte jüngst auch UBS-Chefökonom Daniel Kalt in einem Interview mit cash aufgezeigt. Kalt vermutet zudem eine implizite SNB-Untergrenze zwischen 1,025 und 1,03 Franken.

Auch eine Anpassung der Freibeträge bei den Negativzinsen hält die Credit Suisse für eine wenn auch eher unwahrscheinliche Massnahme. Zumindest was die Signalwirkung für die Märkte anbetreffe, sei eine solche Anpassung jedoch attraktiv.

Was den Franken anbetrifft, so bleibt die Währungsstrategin der Credit Suisse moderat negativ. Sie sieht über die kommenden Monate Raum für einen kontinuierlich nachgebenden Franken. Für den EUR/CHF liegen die offiziellen Prognosen auf 3 und 12 Monate bei 1,05 Franken, jene für den USD/CHF hingegen bei 1 Franken und 1,07 Franken.