So sehen die cash-Leser den Euro-Kurs

Nach dem Ende des Mindestkurses fragt sich die ganze Schweiz: Wie entwickelt sich der Franken zum Euro in Zukunft? Eine Umfrage von cash bestätigt die aktuelle Ratlosigkeit.
19.01.2015 14:40
Von Ivo Ruch
Nach dem SNB-Erdbeben: Wird der Franken noch stärker?
Nach dem SNB-Erdbeben: Wird der Franken noch stärker?
Bild: Bloomberg

Die Abkehr vom Franken-Mindestkurs durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) beschäftigt auch die Leserinnen und Leser von cash. Sämtliche Artikel zum SNB-Schock erreichten rekordverdächtige Leserzahlen, User-Kommentare trafen in grosser Menge auf der Redaktion ein.

Dasselbe gilt für die Umfrage, zu der cash seit vergangenem Freitag aufruft. "Wo steht der Franken zum Euro Mitte Jahr", lautet die Frage. In dieser kurzen Zeit sind bereits mehr als 4500 Stimmen zusammengekommen.

Einigkeit über die Zukunft des Frankens herrscht aber ganz und gar nicht. Eine knappe Mehrheit (53 Prozent) glaubt daran, dass sich der Euro-Franken-Kurs in den nächsten sechs Monaten über Parität einpendeln wird. 12 Prozent sehen den Kurs gar über 1,10. Nur wenig kleiner ist die Gruppe derjenigen, die einen langfristigen Euro-Kurs unter 1 Franken für wahrscheinlicher halten (47 Prozent). Hier eine Momentaufnahme:

Quelle: cash.ch, Stand 19.1.2015, 13:00

Kurz nach Bekanntgabe der Aufhebung der Untergrenze am Donnerstag wertete sich der Franken auf 86 Rappen zum Euro auf. Am Montag muss für einen Euro 1,0141 Franken bezahlt werden.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben hingegen bereits ziemlich klare Vorstellungen, wie sich die Landeswährungen entwickeln sollte, um die Wirtschaft nicht abzuwürgen. Am Wochenende äusserten sich mehrere Exponenten zum Entscheid der SNB – in der Tendenz ähnlich wie die cash-Leser. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Wechselkurs bei 1,10 einpendeln wird. Mit diesem Kurs könnten sich die Schweizer Unternehmen arrangieren, so die Bundesrätin.

Banken tappen im Dunkeln

Auf einen Kurs über 1,10 hofft auch Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Sollte der Wechselkurs längere Zeit darunter liegen oder gar bei der Parität verharren, müsste die Schweiz trotz weltwirtschaftlich günstigen Bedingungen "mit einem sehr schwachen Wirtschaftswachstum und steigender Arbeitslosigkeit rechnen", sagte er im Interview mit der Zeitung "Zentralschweiz am Sonntag". Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann rechnet bei einem Unterbieten von 1,10 gar mit einer Rezession.

Auch Banken müssen nun über die Bücher und sind derzeit bemüht, ihre Prognosen anzupassen. HSBC geht aktuell von 95 Rappen je Euro zum Jahresende aus. BNP Paribas prognostiziert 1,02 Franken bis Ende Dezember.

Nochmals anders sieht es aus, wenn man den Wert des Frankens nach Kaufkraftparität berechnet. Die Devisenstrategen der UBS kommen beim Euro derzeit auf einen Gleichgewichtskurs von 1,28 Franken, was gut 25 Prozent über dem aktuellen Wechselkurs liegt.