So sind die Aussichten für Schweizer Aktien nach Trump-Sieg

Die überraschende Wendung im Präsidentschaftsrennen erwischt die Anleger auch in der Schweiz auf dem falschen Fuss. Die Pharmaschwergewichte Roche und Novartis verhelfen dem SMI sogar zu einem Plus.
09.11.2016 11:41
Von Lorenz Burkhalter
Die Genussscheine von Roche verhelfen dem SMI zu einer Erholung.
Die Genussscheine von Roche verhelfen dem SMI zu einer Erholung.
Bild: Bloomberg

Noch am Dienstag galt die gemässigtere demokratische Widersacherin Hillary Clinton als klare Favoritin. Dass jetzt ein Sieg Trumps feststeht, erwischt die Marktakteure deshalb auch am Schweizer Aktienmarkt auf dem falschen Fuss. Dennoch kann sich der Swiss Market Index der rund um den Globus rollenden Abgabewelle bisweilen entziehen. Das Börsenbarometer gewinnt zur Stunde sogar 1,42 Prozent auf 7842,27 Punkte.

Grössere Kursverluste erlitten im frühen Handel vor allem die Aktien der drei grössten Schweizer Banken UBS, Credit Suisse und Julius Bär. Mittlerweile verliert nur noch die Aktie der UBS gut 2 Prozent. Im Laufe des Wahlkampfs machte sich Trump mehrmals für ein strengeres Bankengesetz stark. Ausserdem zielt sein Wahlkampfprogramm auf eine Stärkung der amerikanischen Binnenwirtschaft mittels protektionistischer Massnahmen ab.

Beobachter schliessen deshalb nicht aus, dass es ausländische Banken wie die UBS, Credit Suisse oder Julius Bär in den USA in Zukunft schwieriger haben werden. Anders als Trump wurde seiner Kontrahentin Clinton eine gewisse Nähe zur Wall Street und zu den Investmentbanken nachgesagt. Auch die noch immer hängigen Rechtsstreitigkeiten könnten den hiesigen Banken nun teurer zu stehen kommen.

Indexschwergewichte dürften den SMI stützen

Ebenfalls Kursrückschläge werden Aktien hiesiger Versicherungsunternehmen hinnehmen müssen. Auch ihnen droht Ungemach, sollte Trump sein protektionistisches Wahlkampfprogramm mit Hilfe des republikanischen Senats und Repräsentantenhauses umsetzen können. Darüber hinaus sind die Finanzwerte für gewöhnlich anfällig für jegliche Finanzmarktturbulenzen.

In den Genuss einer Kurserholung kommen hingegen die um zeitweise mehr als 6 Prozent festeren Valoren von Roche und Novartis. Einerseits führen die beiden Pharmakonzerne aus Basel ein weitestgehend von der Wirtschaftsentwicklung unabhängiges Eigenleben. Deshalb werden sie von den Anlegern gerne als Zufluchtsort in von Unsicherheiten geprägten Zeiten genutzt. Andererseits hatte sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ganz dem Kampf gegen ausufernde Medikamentenpreise und für eine staatliche Regulierung letzterer stark gemacht.

Investitionen in die Infrastruktur sorgen für Fantasie

Und obschon auch ihr Widersacher Donald Trump die hohen Medikamentenpreise während des Wahlkampfs zum Thema machte, gilt er diesbezüglich als der gemässigtere Kandidat. Gemeinsam mit der ebenfalls als Felsen in der Brandung geltenden und nur marginal schwächeren Aktie des Nahrungsmittelherstellers Nestlé sind Roche und Novartis beim SMI für knapp 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Beobachtern zufolge ist es diesen drei Indexschwergewichten zu verdanken, dass sich der Schweizer Aktienmarkt besser als andere europäische Börsenplätze hält.

In einem Punkt sind sich die Wahlkampfprogramme von Donald Trump und Hillary Clinton ähnlich: Beide sehen höhere Investitionen in die Infrastruktur vor. Davon sollten auch Unternehmen aus der Schweiz wie ABB oder LafargeHolcim profitieren können. Allerdings gehen die Börsenturbulenzen auch an diesen Aktien nicht völlig spurlos vorüber.