So verdienen Anleger bei fallenden Börsen

Immer mehr Stimmen warnen vor einer kurzen, aber heftigen Kurskorrektur an den Aktienmärkten. Wie Anleger von einer Abwärtsbewegung der Schweizer Börse profitieren können.
23.04.2013 01:01
Von Pascal Meisser
Auch wenn die Kurse fallen, lässt sich mit dem Einsatz von Derivaten Geld verdienen.

Seit drei Wochen kommt die Schweizer Börse nicht mehr vom Fleck. Anfang April erreichte der Leitindex SMI bei 7864 Punkten das Jahreshoch, anschliessend folgten mehrere kleinere Korrekturen und Gegenbewegungen. Derzeit pendelt der Swiss Market Index zwischen 7600 und 7700 Punkten – knapp 3 Prozent unter dem Jahresmaximalwert.

Zuletzt haben aber schwächere Konjunkturdaten wieder für Verstimmung und Verunsicherung unter den Anlegern gesorgt. Die Aktienrally, die seit letztem Juni weltweit die Börsenindizes um 30 bis 50 Prozent in die Höhe getrieben haben, ist zumindest unterbrochen worden.

Auf fallende Kurse setzen

Börsianern, die in der nächsten Zeit von fallenden Kursen an der Schweizer Börse ausgehen, bietet sich die Gelegenheit, sich mit Derivaten zu positionieren. Besonders hoch im Kurs stehen derzeit bei den Zockern die so genannten Knock-Out-Warrants, die im Juni auslaufen.

Dabei handelt es sich um Derivate, die beim Überschreiten einer bestimmten Schwelle wertlos verfallen. Je näher dieser Wert am aktuellen SMI-Kurs ist, desto höher fällt der Hebel aus. Wer sich des erhöhten Risikos bewusst ist, kann mit KO-Puts auch bei kurzfristigen Tauchbewegungen hohe Gewinne erzielen. Zu den Favoriten gehören momentan die KO-Puts KSMII und KSMIG der Zürcher Kantonalbank sowie SOSBZ der Bank Vontobel.

Deutlich weniger aggressiv sind herkömmliche Put-Optionen mit Laufzeiten, die über Juni 2013 hinausgehen. Bei diesen Warrants fällt der Zeitwertverlust deutlich geringer aus, falls die prognostizierte Abwärtsbewegung zeitlich verzögert eintritt. Für Optionsscheine spricht auch die derzeit noch immer tiefe Volatilität, die anhand des VSMI-Index gemessen wird. Dieser steigt in der Regel ruckartig an, wenn die Kurse fallen. In diesem Fall profitiert der Put-Besitzer gleich doppelt: Sowohl ein tieferer Kurs wie auch die höhere Volatilität verteuern die Optionen. Günstige Bedigungen bietet beispielsweise die Put-Option SMUZZ der UBS.

Low-Risk-Zockern, die sogar das Volatilitätsrisiko eliminieren möchten, bieten sich zwei weitere Möglichkeiten, auf tiefere Kurse zu wetten: Mini-Future und Faktor-Zertifikate. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hebelprodukten oder Futures kennen Mini-Futures wie der MSMBB der Bank Vontobel keine Laufzeit und verlangen keine Nachschusspflicht. Faktor-Zertifikate sind für jene Spekulanten geeignet, die auf einen über die ganze Haltezeit konstanten Hebel setzen wollen. Faktorzertifikate werden in der Schweiz derzeit nur von der Commerzbank und der Royal Bank of Scotland angeboten.

Immer mehr Experten erwarten Korrektur

Eine kurze, aber heftige Korrektur erwarten inzwischen immer mehr Börsenexperten. Am Montag schloss sich auch die Zürcher Kantonalbank diesem Kanon an. In einer Notiz an Anleger schrieb die ZKB, sie erwarte in den nächsten ein bis zwei Wochen leicht tiefere Kurse bis maximal 7300 Punkte, wo sich die nächste bedeutende Unterstützung befinde.

Bereits vor fünf Wochen hatte die Bank Sarasin den Warnfinger erhoben. Die Privatbank rechnet laut eigener Studie mit einem Fall des SMI unter die 7000 Punkte bis Ende Jahr (cash berichtete). Andere Anlageexperten wie Thomas Stucky (Hyposwiss) oder Thomas della Casa (Neue Helvetische Bank) rechnen mittelfristig mit einer Korrektur zwischen 5 und 10 Prozent.

Verschiedene Börsenplätze haben bereits im April von ihren Jahreshöchstkursen deutlich korrigiert. Die südeuropäischen Handelsplätze wie Griechenland, Italien und Spanien haben zwischen neun und zwölf Prozent nachgegeben. Aber auch der deutsche Dax notiert derzeit über sieben Prozent unter dem Jahreshoch bei 8058 Punkten. Aber auch der Hongkonger Hang-Seng-Index büsste jüngst gegen 8 Prozent ein.

Vom Abgabedruck verschont geblieben sind neben dem SMI auch die amerikanischen Märkte sowie Japan und die Schweiz. Die US-Börsen und der Nikkei sind mit einem Minus von 1 bis 2 Prozent noch immer nahe den Höchstständen. Und die Vorzeichen stehen gut, dass zumindest die USA von einer grösseren Korrektur verschont bleibt. Wie die ZKB schreibt, liegen die aggregierten Quartalsgewinne nach 90 der 500 Unternehmen höher als erwartet. Zudem übertrafen bislang 70 Prozent der Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten – ein im historischen Vergleich hoher Prozentsatz.

Ausgewählte Derivate auf einen fallenden SMI

Art Name Valor Laufzeit Hebel Strike/KO Kurs
KO-Put KSMII 20494675 21.06.13 14,9 8100 1,12
KO-Put KSMIG 20494674 21.06.13 20,0 8000 0,78
Put SMUZZ 19695236 18.12.14 4,7 7600 1,67
Mini-Future MSMBB 20096795 open end 19,9 7945 0,84
Faktor-Zert. CBSSM6 20714828 open end 6,0  --- 7,50
Faktor-Zert. FSSMI5 18992803 open end 5,0 8761 4,94

Quelle: cash.ch, 22. April 2013