Solarzulieferer - Meyer Burger: Die Opposition wächst

Bei Meyer Burger schliessen sich weitere Aktionäre der Aktionärsgruppe um Sentis Capital/Teutonia an. Damit gewinnt das oppositionelle Lager beim Solarzulieferer an Gewicht.
07.08.2019 11:35
Von Lorenz Burkhalter
Schriftzug am Hauptsitz von Meyer Burger.
Schriftzug am Hauptsitz von Meyer Burger.
Bild: ZVG

Der Aktionärsgruppe um Sentis Capital/Teutonia haben sich beim Solarzulieferer Meyer Burger in den letzten Tagen weitere Aktionäre angeschlossen. Damit steigt die Anzahl Gruppenmitglieder von 8 auf 14. Gemeinsam stellen sie 11,125 Prozent der Stimmen, davon 10,938 Prozent in Form von Namenaktien. Die Differenz entfällt auf Derivate. Zum Zeitpunkt der Gruppenbildung waren es noch 10,425 Prozent.

Auf Anfrage bestätigt Anton Karl als Vertreter der Aktionärsgruppe um Sentis Capital, dass man mit weiteren Aktionären in Kontakt stehe. Er geht deshalb davon aus, dass die Gruppe demnächst auf 16 bis 18 Mitglieder anwächst.

Hinter Sentis Capital steht der russischstämmige Petr Kondrashev. Der Milliardär stieg im Winter 2016 bei Meyer Burger ein, als der Solarzulieferer zwecks Bilanzsanierung eine umfassende Kapitalerhöhung durchführen musste. Erst kürzlich baute Sentis Capital die Beteiligung auf 8,219 Prozent aus.

Worum geht es der Aktionärsgruppe?

Nur wenige Tage zuvor informierte Meyer Burger die Öffentlichkeit, dass der Nettoumsatz im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode um 47 Prozent auf 122 Millionen Franken eingebrochen sei und man einen operativen Verlust (EBITDA) in Höhe von 14 Millionen Franken eingefahren habe. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, das bisherige Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen und alle strategischen Möglichkeiten prüfen zu wollen.

Damit kommt der Verwaltungsrat einer schon etwas länger im Raum stehenden Forderung von Sentis Capital nach. Allerdings befürchten Vertreter der Beteiligungsgesellschaft, dass eine mögliche strategische Neuausrichtung zum Nachteil der Aktionäre ausfallen könnte. Das dürfte denn auch der eigentliche Auslöser gewesen sein, weshalb sich Sentis Capital kürzlich mit anderen Aktionären zu einer Gruppe zusammengeschlossen hat und mit Anton Karl und Mark Kerekes zwei eigene Vertreter zur Wahl in den Verwaltungsrat stellt.

Aktienkursentwicklung enttäuscht

Die Aktionärsgruppe ist überzeugt von der Technologieführerschaft von Meyer Burger, kritisiert aber die Aktionärswertvernichtung der letzten Jahre und fordert einen aktionärsfreundlicheren Kurs. Ihren Berechnungen zufolge steht der rund eine Milliarde Franken, die die Aktionäre seit der Publikumsöffnung von 2006 insgesamt eingeschossen haben, mittlerweile noch ein Börsenwert von gerade einmal 230 Millionen Franken gegenüber.

Beobachter schliessen nicht aus, dass andere Finanzinvestoren auf Meyer Burger aufmerksam werden und auf grössere Veränderungen beim Unternehmen spekulieren. Gleichzeitig wetteten Leerverkäufer per Ende Juli noch immer mit rund 14 Prozent der ausstehenden Titel auf rückläufige Kurse. Einige unter ihnen könnten ihre Wetten im Hinblick auf eine strategische Neuausrichung schliessen, was der Kursentwicklung Auftrieb verleihen würde.

Mit einem Minus von fast 36 Prozent steht die Aktie des Solarzulieferers an der Schweizer Börse SIX weit oben auf der Liste der diesjährigen Verlierer. Nur die Aktien von Polyphor, Asmallworld oder Schmolz + Bickenbach schnitten noch schlechter ab.

 

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