Sorgt Billiggeld für mehr Ungleichheit?

Die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken dürfte dazu beigetragen haben, dass die Vermögen seit der Finanzkrise 2008 ungleicher verteilt sind. Das sagt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).
06.03.2016 13:01
Das meiste Geld den Reichen? Die BIZ untersuchte die Folgen der Geldschwemme.
Das meiste Geld den Reichen? Die BIZ untersuchte die Folgen der Geldschwemme.
Bild: Bloomberg

Zu diesem Ergebnis kommt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer am Sonntag veröffentlichten Studie. Zwar lasse sich keine direkte Verbindung zwischen Niedrigzinspolitik und Vermögensverteilung feststellen, schreibt die auch als "Zentralbank der Zentralbanken" bezeichnete BIZ. Allerdings gebe es Hinweise, wie eine lockere Geldpolitik die Vermögensungleichheit erhöht haben könnte.

Die BIZ kommt zu dem Schluss, dass die Geldpolitik nach der Finanzkrise die Vermögensungleichheit vor allem über steigende Aktienkurse erhöht haben dürfte. Als Folge der massiven Wertpapierkäufe vieler Notenbanken hätten sich Investoren von Vermögenswerten wie Staatsanleihen getrennt und stattdessen riskantere Anlagen wie Aktien gekauft. Zudem habe die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken zu einem Anlagenotstand geführt und die "Suche nach Rendite" angefacht.

Gedämpft werde dieser Verteilungseffekt durch die nach der Finanzkrise ebenfalls gestiegenen Immobilienpreise, schränkt die BIZ ein. Dies liege daran, dass auch weniger reiche Haushalte über Immobilienbesitz verfügten, während Aktien vornehmlich im Besitz reicherer Anleger seien.

Was wäre ohne Geldspritzen passiert?

Dagegen sind die direkten Verteilungswirkungen der Käufe festverzinslicher Wertpapiere durch die Notenbanken laut BIZ trotz ihres gewaltigen Volumens nicht besonders hoch. Dies liege daran, dass sowohl ärmere als auch reichere Anleger über festverzinsliche Anlagen verfügten. Eine wichtige Ausnahme sei jedoch Deutschland, weil deutsche Kleinsparer einen grossen Teil ihres Vermögens in festverzinslichen Anlagen wie Bankeinlagen liegen haben.

Die BIZ weist jedoch auf eine begrenzte Aussagekraft ihrer Resultate hin. So sei unter anderem nicht berücksichtigt worden, wie sich die Geldpolitik nach der Krise auf Beschäftigung und Wachstum ausgewirkt habe und welche Verteilungswirkungen sich daraus ergeben. Befürworter einer lockeren Geldpolitik setzen sich gegen den Einwand, die Vermögensungleichheit sei gestiegen, oft mit dem Hinweis zur Wehr, ohne eine geldpolitische Lockerung wären Wirtschaft und Arbeitsmärkte noch stärker eingebrochen, was die Vermögensungleichheit noch viel stärker erhöht hätte.

(AWP)