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Soziales Netzwerk - Mausert sich Asmallworld doch noch zum Börsen-Liebling?

Übernahme, frische Investorengelder, Kurserholung: Asmallworld macht wieder einmal Schlagzeilen. Die Aktie bleibt aber hochriskant.
26.09.2018 08:29
Von Ivo Ruch
Patrick Liotard-Vogt, VR-Präsident und Hauptaktionär von Asmallworld.
Patrick Liotard-Vogt, VR-Präsident und Hauptaktionär von Asmallworld.
Bild: youtube

Ist diese Aktie ein Partyschreck oder die heisseste Anlegerstory der letzten Wochen? Asmallworld – soziales Netzwerk  für Reiche und Börsenneuling – sorgt auf jeden Fall wieder einmal für Aufsehen. Der Aktienkurs sprang im August in kurzer Zeit von 2,70 Franken auf 7,40. Mittlerweile steht er bei 6,90 Franken – 156 Prozent höher als vor anderthalb Monaten.

Zuletzt reagierte die Aktie auf die Meldung, Asmallworld übernehme die Luxusreise-Community First Class & More. Am Dienstagmorgen sprang der Kurs um mehr als 3 Prozent in die Höhe, gab die Gewinne aber teilweise wieder ab. Das ist nicht ungewöhnlich, denn heftige Achterbahnfahrten sind für Asmallworld-Aktionäre Normalität.

Das begann schon mit dem Börsengang mittels Listing (das heisst: ohne die Ausgabe neuer Aktien) Ende März: Nach der Erstnotierung bei 12,40 Franken ging es in den folgenden Wochen mit den Aktien rasch aufwärts bis auf den bisherigen Höchststand bei 22,45 Franken am 26. April, ohne dass Marktbeobachter dafür klare Gründe sahen. Einen Tag später folgte der Kurssturz um 28 Prozent, weil die deutsche Finanzaufsicht ein Verfahren wegen Kursmanipulation eröffnete.

Die Aktie von Asmallworld seit dem Listing am 20. März 2018 (Quelle: cash.ch)

Für Stirnrunzeln sorgte auch eine andere Aktion. Ende Juni publizierte die deutsche Privatbank Hauck & Aufhäuser eine sehr positive Unternehmensstudie zu Asmallworld inklusive optimistischem Kursziel von damals 70 Prozent Aufwärtspotenzial. Bloss: Genau diese Privatbank wurde kurz davor mit einer Kapitalerhöhung beauftragt (cash berichtete).

Die mittlerweile erfolgte Erholung fand ohne Unternehmensnews statt. Auffällig ist bloss, dass der Asmallworld-Kurs in den Tagen vor den Halbjahreszahlen am 30. August besonders steil nach oben zeigte (siehe grüner Pfeil auf der Grafik). Es sind solche Beispiele, die bei vielen Börsenprofis für Skepsis sorgen.

Neues Geld aus Deutschland

Asmallworld selbst sieht sich hingegen im Aufwind. Jüngst erhöhte der deutsche Vermögensverwalter Hansainvest seinen Anteil von 6 auf 10 Prozent. Das Management wertet die Aufstockung durch Hansainvest als Zeichen des Vertrauens. "Wir freuen uns, dass institutionelle Investoren ihre Anteile an unserem Unternehmen weiter ausbauen", teilte Unternehmenschef Jan Luescher mit.

Spricht man aber mit Schweizer Fondsmanagern, raten diese von Engagements in Asmallworld nach wie vor ab und lassen selbst die Finger davon: Das soziale Netzwerk sei eigentlich nicht reif für die Börse, weil kein Geschäftsmodell erkennbar sei, das für eine breite Investorenschaft Mehrwert generiere, so der Tenor.

Derzeit verdient die Firma ihr Geld mit den Beiträgen ihrer knapp 30'000 Mitglieder und mit exklusiven Reisen und Events, die sie organisiert. Allerdings reicht das nicht für schwarze Zahlen. Diese sollen 2021 erreicht werden. In einem Interview mit der "SonntagsZeitung" sagte Verwaltungsratspräsident und Hauptaktionär Patrick Liotard-Vogt, das Jacht-Charter-Business und Flugreisen mit Privatjets würden gut ins Portfolio passen.

Mangement kauft kräftig zu

Etwas muss man der Führung von Asmallworld allerdings lassen: Sie glauben an ihr Projekt, was sich in den regelmässigen privaten Aktienzukäufen äussert. Alleine im September hat ein nicht-exekutives Mitglied des Verwaltungsrates in acht Transaktionen Asmallworld-Aktien im Gesamtwert von knapp 2,5 Millionen Franken gekauft - und damit auch den Kurs etwas abgestützt. Bereits im August wurden auf diesem Weg fast fünf Millionen investiert, wie aus Daten der Börsenbetreiberin SIX hervorgeht.

Das "soziale Netzwerk für Reiche" ist an der Börse aber hauptsächlich etwas für Anleger, die Spielgeld übrig haben und gerne mal eine kurze, riskante Wette eingehen. Für alle anderen bleibt Asmallworld ein exotischer Börsenneuling, dessen Kapriolen man aus sicherer Distanz beobachten sollte.

 
Aktuell+/-%
ASMALLWORLD N3.190+2.24%

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