Spezialchemie - Clariant stellt sich gegen Forderungen des Grossaktionärs

Nach der gescheiterten Fusion mit dem US-Unternehmen Huntsman erteilt Clariant der Forderung seines grössten Aktionärs nach einer Devestition erneut eine Absage.
29.10.2017 15:10
Sitz von Clariant in Pratteln BL.
Sitz von Clariant in Pratteln BL.
Bild: cash

Der vom aktivistischen Investor White Tale geforderte schnelle Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte sei kein gangbarer Weg, sagte Clariant-Präsident Rudolf Wehrli im Gespräch mit der "NZZ am Sonntag".

Der Bereich trage 40% des Umsatzes und die Fixkosten des ganzen Konzerns mit. "Wir können nicht ins Blaue hinaus Geschäfte verkaufen und danach Zukäufe prüfen. Die Reihenfolge muss umgekehrt sein. Das sehen übrigens auch unsere Investoren so".

Im Fall eines Verkaufs stünde die nächste Restrukturierung an. "Und das wäre ein Gang durchs Tal der Tränen, wir haben schon derart viel Kosten gekürzt, da gibt es kaum mehr Spielraum", gab Wehrli zu bedenken.

Zugleich räumte der Verwaltungsratspräsident ein, dass ein grösserer Zukauf nur durch den Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte finanziert werden könnte. "Die Vorbereitungen dafür haben wir getroffen, der Bereich wird gesondert geführt. Mit dem Erlös könnten wir die Finanzierung einer Akquisition in der Grössenordnung von bis zu fünf Milliarden Franken stemmen".

Obwohl die Strukturen für eine Übernahme geschaffen sind, hat Clariant noch keine konkreten Kaufziele. "Wir haben auch schon Verhandlungen geführt. Aber es braucht immer zwei. Manchmal stellte die andere Seite Bedingungen, die wir nicht erfüllen wollten, oder umgekehrt", sagte Wehrli.

Offene Zukunft für Wehrli

Der Frage, ob er sich im Frühling zur Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident stellen werde, wich Wehrli aus. Alle Verwaltungsräte müssten sich bis zur Frühjahrssitzung entscheiden, ob sie sich wieder wählen lassen wollten, sagte er lediglich. Die gescheiterte Fusion sei aber grundsätzlich kein Grund um nach personellen Konsequenzen zu rufen. Dass Hariolf Kottmann als Konzernchef zurücktrete, sei nie Thema im Verwaltungsrat gewesen.

Aus einem Papier, das Huntsman am Freitag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, geht hervor, dass Clariant an Huntsman 60 Mio USD Strafe zahlen muss, sollten die Basler in den nächsten 18 Monaten namhafte Teile der Kunststoff- und Beschichtungssparte verkaufen. Ein Clariant-Sprecher hielt gegenüber der "Sonntagszeitung" ("SoZ, Ausgabe vom 29.10.) dazu fest, die Aussicht auf eine Zahlung in dieser Höhe sehr hypothetisch sei, da Clariant die Division in nächster Zeit gar nicht verkaufen wolle.

Im SEC-Papier ist zudem von einer weiteren Strafzahlung in Höhe von 150 Mio USD an Huntsman die Rede, sollte Clariant als Ganzes verkauft werden. Auch hier hält der Clariant-Sprecher in der Zeitung entgegen, dass die Gefahr einer Strafzahlung in dieser Höhe entfalle, da es bei Clariant kein Verkaufsprojekt mit einem Konkurrenten gebe.

In der "Sonntagszeitung" geht derweil ein Grossaktionär davon aus, dass die Strafzahlungen nicht so angesetzt hoch seien, dass sie einen Verkauf von Teilen von Clariant verhindern könnten. Von Seiten einiger Grossaktionäre wird in einem ersten Schritt der Verkauf der grössten, aber auch margenschwächsten Division Kunststoffe und Beschichtungen gefordert.

Clariant würde mit einem Verkauf der Division Kunststoffe und Beschichtungen zwar kleiner, Angst vor einer Übernahme müsse dennoch niemand haben, heisst es zudem von Seiten der Grossaktionäre Standard Industries und Corvex ("White Tale") im "SoZ"-Artikel. Die beiden haben eine Beteiligung von über 20% an Clariant aufgebaut und sich gegen die geplante Fusion mit Huntsman ausgesprochen. Als neue Ankeraktionäre seien sie daran interessiert, Clariant weiterzuentwickeln, heisst es.

(AWP)