Spezialchemiekonzern  - Grossfusion zwischen Clariant und Huntsman geplatzt - Aktie fällt

Die geplante Fusion zwischen Clariant und dem US-Mitbewerber Huntsman kommt nicht zustande. Für Clariant könnte es nun ungemütlich werden - wie auch für den CEO.
27.10.2017 09:45
Von Daniel Hügli
Hariolf Kottmann, CEO von Clariant, gerät nach seinen geplatzten Fusionsplänen wohl unter Druck.
Hariolf Kottmann, CEO von Clariant, gerät nach seinen geplatzten Fusionsplänen wohl unter Druck.
Bild: ZVG

Der Spezialchemiekonzern Clariant bläst die 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Konkurrenten Huntsman ab. Clariant und Huntsman gaben am Freitagmorgen bekannt, dass sie ihren geplanten Zusammenschluss "unter Gleichen in gegenseitigem Einvernehmen beendet haben".  Eine erfolgreiche Durchführung der Fusion sei ungewiss angesichts der erhöhten Unsicherheit, die Zustimmung einer Zweidrittelsmehrheit der Clariant Aktionäre zu bekommen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Zuvor hatte die Investorengruppe White Tale, welche den Zusammenschluss verhindern wollte, bekanntgegeben, dass sie ihren Anteil weiter ausgebaut hatte. Wie aus einer Pflichtmeldung an die Börsenbetreiberin SIX vom Freitag hervorgeht, hat White Tale ihren Anteil an Clariant auf 20 Prozent ausgebaut.

Clariant-Großaktionär White Tale hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass der Schweizer Konzern bei einem Zusammenschluss mit Huntsman zu niedrig bewertet werde. Zudem stellte er die industrielle Logik der Fusion in Frage. Der aktivistische Investor hatte stattdessen gefordert, dass die Sparte Plastics & Coatings verkauft werde. Die Bank Vontobel glaubt nun, dass White Tale zwei Verwaltungsratssitze bei Clariant anstrebt, "um das Unternehmen zur vollen Ausschöpfung seines Potenzials bewegen zu können."

Die Aktie von Clariant verliert im frühen Handel an der SIX 4 Prozent, nachdem im vorbörslichen Handel am noch ein Minus von 6 Prozent resultiert hatte. "Wir glauben, dass die gescheiterte Fusion teilweise eingepreist ist. Die Kursschwäche sollte als Kaufgelegenheit angesehen werden", schreibt die Bank Vontobel.

Druck auf Unternehmen und CEO

Nach der geplatzten Fusion dürfte der langjährige Clariant-CEO Hariolf Kottmann, der die Fusionspläne vorangetrieben hatte, von Investorenseite gehörig unter Druck geraten. Trotz des Scheitern des Plans will Clariant aber mit dem bestehenden Management und Verwaltungsrat weitermachen. Kottmann, der als Architekt der Fusion gilt, will beim Konzern bleiben. 

Ebenso könnte Clariant nun zum Übernahmekandidaten Nummer eins in der Branche der Spezialchemie werden. Experten zufolge ist auch eine Aufspaltung des Unternehmens möglich. Sollte Clariant zerschlagen werden, dürfte sich Insidern zufolge etwa die deutsche Evonik Teile davon anschauen.

Clariant sei auf eine Zukunft als eigenständiges Unternehmen gut vorbereitet, sagte Kottmann in einer Telefonkonferenz am Freitag. Trotzdem sollen auch Alternativen geprüft werden. "Clariant hatte und hat noch immer mehrere Optionen, um den Wert für die Aktionäre und die Stakeholder zu erhöhen", sagte er. "Eine Fusion unter gleichen... ist eine Option, eine große transformative Transaktion ist eine andere Option, alleine weiterzumachen ist eine dritte Option."

(mit Material von Reuters)