Spotanalyse - Das sagen Ökonomen zum EZB-Entscheid

Die Europäische Zentralbank kündigt angesichts der verbesserten Konjunktur und einer höheren Inflation das Ende ihrer billionenschweren Anleihenkäufe an. Erste Reaktionen.
14.06.2018 14:38
Fahne der Europäischen Union weht im Wind.
Fahne der Europäischen Union weht im Wind.
Bild: cash

Die vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen sollen zum Jahresende auslaufen, wie die EZB nach ihrer Zinssitzung in Riga mitteilte. Experten sagten dazu in ersten Reaktionen:

CARSTEN BRZESKI, ING

"Das ist zumindest teilweise ein unerwarteter Schwenk in der Kommunikation. Die EZB hat zugleich einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung eines sanften Ausstiegs aus der lockeren Geldpolitik getan. Doch es ist noch keine Entscheidung per se, sondern eine Absichtserklärung."

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW

"Der EZB-Rat hat den Einstieg in das Ende der Anleihenkäufe zu einem günstigen Zeitpunkt angekündigt. Vertreter der neuen italienischen Regierung haben durch verschiedene Äusserungen zuletzt signalisiert, dass sie die Unterstützung der EZB für unverzichtbar mit Blick auf eine Lösung des italienischen Schuldenproblems halten. In dieser Lage hat die EZB der Euro-Zone nun endlich ein glaubwürdiges Signal gegeben, dass sie sich nicht durch eine italienische Drohkulisse ihre geldpolitischen Entscheidungen diktieren lässt. Sonst hätte sich der Eindruck verdichtet, dass inzwischen die Fiskalpolitik die Geldpolitik vor sich her treibt."

THOMAS ALTMANN, QC PARTNERS

"Die ultra-lockere Geldpolitik geht in die Verlängerung. Viele haben mit einem etwas früheren Ende der Anleihenkäufe gerechnet. Bis jetzt sind einige von einer ersten Zinserhöhung im Juni ausgegangen. Nach der heutigen Kommunikation dürfte sich dies weiter nach hinten verschieben. Die Kommunikation der EZB ist ungewöhnlich klar. Offensichtlich will sie mögliche Turbulenzen an den Kapitalmärkten bereits im Vorfeld eindämmen. Die EZB hatte offensichtlich grosse Angst, beim Timing der ersten Zinserhöhung falsch verstanden zu werden."

HOLGER SCHMIEDING, BERENBERG BANK

"Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt. Es müsste einen dramatischen Einbruch beim Wirtschaftwachstum geben, damit sie von dieser recht klaren Festlegung wieder abrücken und ihre Anleihenkäufe 2019 verlängern würde. Gleichzeitig hat sie mit der Festlegung, ihre Zinsen nicht vor September 2019 steigen zu lassen, eine weiche Botschaft ausgesendet. Auch hier hat sie sich überraschend deutlich festgelegt. Alles in allem ist das etwas, was die Märkte beruhigt und die Spannung etwas herausnimmt."

JÜRGEN MICHELS, BAYERNLB

"Die Aussagen zum Ende der Nettokäufe des QE-Programms und zum weiteren Verlauf der Zinsen waren viel expliziter als von uns erwartet. Im Rahmen der gestiegen Unsicherheit auch von der Handelsseite hatten wir erwartet, dass die EZB sich mehr Freiheitsgrade für die Ausgestaltung der künftigen Politik behalten würde."

OTMAR LANG, TARGOBANK

"Die Inflation spricht für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. In Deutschland liegt die Inflation aktuell bei 2,2 Prozent, im Euro-Raum bei 1,9 Prozent."

(Reuters)