Staatsanleihen - Italien-Bonds locken Käufer

Italienische Staatsanleihen, die in diesem Jahr das Performance-Schlusslicht im Euroraum sind, haben einen Verbündeten gefunden, nachdem sich Investoren mit der ersten populistischen Regierung des Landes arrangieren.
06.07.2018 20:00
Nicht so schlimm, wie befürchtet? Italiens Premierminister Giuseppe Conte (stehend) mit seinen beiden Vize-Ministern Luigi Di Maio (links, 5Stelle) und Matteo Salvini (Lega).
Nicht so schlimm, wie befürchtet? Italiens Premierminister Giuseppe Conte (stehend) mit seinen beiden Vize-Ministern Luigi Di Maio (links, 5Stelle) und Matteo Salvini (Lega).
Bild: Bloomberg

Ein Hedgefonds, der rund 1,4 Milliarden Euro verwaltet, wettet, dass italienische Festverzinsliche sich besser entwickeln werden als ihre deutschen Pendants, da die Sorgen über den Fortbestand der Gemeinschaftswährung übertrieben sind.

"Die italienische Regierung wurde bei einigen Themen als aggressiv wahrgenommen, aber es wurde deutlich, dass sie sich sehr auf das Thema Einwanderung konzentriert und sich als pragmatischer erwiesen hat, als Investoren erwartet haben", sagte Filippo Lanza in London, der zwei Anleihefonds für die italienische Hedge Invest Sgr. verwaltet. "Der Markt hat auf eine Implosion der Europäischen Union gesetzt, die wir für höchst unwahrscheinlich halten."

Lanza ist am 29. Mai, dem Tag, an dem die 10-jährigen italienischen Renditen auf ein Vier-Jahres-Hoch geklettert sind, erstmals eine Long-Position bei Euroraum-Peripherie-Bonds für den HI-Numen-Credit-Fonds eingegangen. In den vergangenen zwei Wochen hat er Long-Positionen in italienischen und griechischen Anleihen wieder eröffnet, wobei er darauf setzt, dass die Renditeaufschläge für das Halten dieser Wertpapiere gegenüber deutschen Bundesanleihen sinken werden.

Der HI-Numen-Credit-Fonds legte im Juni um 0,7 Prozent und in diesem Jahr um 5,3 Prozent zu. Im Gegensatz dazu haben die italienischen Staatsanleihen den Anlegern in diesem Jahr einen Verlust von 2,6 Prozent beschert, wie die Indizes der Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Populistische Regierung

Italienische Anleihen sind abgesackt, da die Bildung der ersten populistischen Regierung des Landes die Sorgen über den Euro-Kurs Italiens und seine Schuldentragfähigkeit neu entfachte, was auf die Peripherie-Anleihen drückte. Der Renditespread zwischen 10-jährigen italienischen Anleihen und deutschen Bundesanleihen lag am Dienstag bei etwa 235 Basispunkten, nachdem er Ende Mai auf 290 Basispunkte gestiegen war, die grösste Differenz innerhalb von fünf Jahren. Die Messgrösse bewegte sich in diesem Jahr vor Mitte Mai unter 150 Basispunkten.

JPMorgan-Stratege Marco Protopapa schrieb in einer Analyse, dass der Finanzrealismus sich langsam durchsetzen werde und die Ausgabenversprechen im populistischen Koalitionsvertrag mit einem "bellenden Hund, der wohl nicht beisst" vergleichbar seien.

Anleger riskieren auch, Chancen bei Hochzinspapieren zu verpassen, sagt Peter Chatwell, Leiter Zinsstrategie bei Mizuho International, in einer Analyse, die einige dazu bewegen könnte, ihre Untergewichtung-Positionierung in italienischen Anleihen zu reduzieren.

Der mittlere bis lange Bereich der italienischen Zinsstrukturkurve bietet laut Lanza höhere Chancen, während deutsche Bundesanleihen zu teuer erscheinen. "Wir haben eine sehr negative Ansicht bei deutschen Bundesanleihen, bei denen wir strukturell eine Short-Position haben. Wir sehen es derzeit als eines der gefährlichsten Investments überhaupt an."

Lanza bevorzugt auch griechische Staatsanleihen, die im Mai von den Turbulenzen in Italien in Mitleidenschaft gezogen wurden, und er eröffnete ebenfalls in der zweiten Junihälfte eine Long-Position. Die Renditedifferenz zwischen 10-jährigen griechischen Renditen und der Verzinsung deutscher Bundesanleihen lag am Dienstag bei knapp 360 Basispunkten, etwas mehr als eine Woche nachdem Griechenland das Rettungsprogramm beendet hat. Der Spread schloss am 29. Mai bei 448 Basispunkten, dem höchsten Wert seit Dezember.

(Bloomberg)