Stahlkonzern - Schmolz+Bickenbach: Zwei Banken, zwei Meinungen

Die UBS rät Anlegern bei Schmolz+Bickenbach seit wenigen Tagen zum Einstieg. Nun meldet sich die Rivalin Credit Suisse mit einer Verkaufsempfehlung für die Aktie des Edelstahlherstellers aus dem Kanton Luzern.
25.10.2017 08:25
Von Lorenz Burkhalter
Stahlproduktion von Schmolz+Bickenbach.
Stahlproduktion von Schmolz+Bickenbach.
Bild: youtube

Der Aktie von Schmolz+Bickenbach (S+B) gilt bei Anlegern als "Zocker-Aktie". Einerseits liegt ihr Preis bei unter einem Franken und andererseits unterliegt sie häufig starken Kursschwankungen.

Kommt dazu, dass der Edelstahlhersteller aus Luzern auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken muss. Mehr als einmal mussten die Aktionäre im Zuge von Bilanzsanierungen dem schlechten Geld gutes hinterherwerfen.

Beobachter waren deshalb etwas überrascht, als zu Wochenbeginn ausgerechnet die UBS Investmentbank die S+B-Aktie in einer Studie zur europäischen Stahlindustrie von "Neutral" auf "Buy" heraufstufte. In Erwartung steigender Stahlpreise erhöhte der Autor seine diesjährigen Schätzungen für den operativen Gewinn um 10 Prozent und veranschlagte neu ein 12-Monats-Kursziel von 1,19 (zuvor 0,96) Franken.

Turnaround auf gutem Weg, ausufernde Kosten ein Problem

Als Hauptgrund für die Kaufempfehlung nannte der Analyst damals die attraktiv hohe Rendite von 20 Prozent beim sogenannten freien Cash Flow. Zum Vergleich: In der Schweiz weisen selbst die günstigsten Aktien bestenfalls eine Cash-Flow-Rendite von 4 bis 5 Prozent auf.

Am Mittwoch früh folgt nun die kalte Dusche für die Aktionäre des Zentralschweizer Edelstahlproduzenten. Denn ein Analyst der Credit Suisse schätzt die Situation deutlich pessimistischer ein als sein Berufskollege bei der UBS Investmentbank. Er räumt zwar ein, dass sich der Turnaround auf einem guten Weg befindet. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, die Aktie von S+B von "Neutral" auf "Underperform" herunterzustufen.

Kursentwicklung der S+B-Aktie über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Wie bei der UBS Investmentbank geht man auch bei der Credit Suisse von steigenden Stahlpreisen aus. Die Vorbehalte gelten vielmehr den überproportional steigenden Kosten. In diesem Zusammenhang streicht der CS-Analyst seine nächstjährigen Prognosen für den operativen Gewinn (EBITDA) um nahezu 20 Prozent zusammen. Das bleibt nicht ohne Folgen für das 12-Monats-Kursziel, welches neu 0,87 (zuvor 1) Franken lautet.

Auch weiterhin starke Kursausschläge zu erwarten

Zwischen den Kurszielen der beiden Schweizer Grossbanken klafft eine Lücke von 32 Rappen und damit von über 30 Prozent. Ähnliches gilt für die jeweiligen Gewinnerwartungen. Denn während die Aktie von S+N auf Basis der Schätzungen der Credit Suisse für nächstes Jahr ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 20 aufweist, kommt die UBS Investmentbank bloss auf ein KGV von 17. Nur in einem Punkt sind sich die beiden Analysten einig: Mit einer Dividende dürfen die Aktionäre des Stahlherstellers in den nächsten Jahren nicht rechnen.

Gewinnkennzahlen auf einen Blick:

Kennzahl* UBS Credit Suisse
Gewinn je Aktie 2017 0,04 Franken 0,05 Franken
Kurs-Gewinn-Verhältnis 2017 19,8 17,3
Gewinn je Aktie 2018 0,05 Franken 0,04 Franken
Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 17,3 19,8

* Schätzungen (Quelle: UBS Investmentbank, Credit Suisse)

Was bleibt ist zudem die Erkenntnis, dass die S+B-Aktie vermutlich auch in Zukunft hart umkämpft und von starken Kursausschlägen geprägt sein wird. Alleine in den vergangenen zuwölf Monaten bewegte sie sich zwischen 0,62 und 0,99 Franken. Von den historischen Höchstständen vom Sommer 2007 trennen sie nicht weniger als 93 Prozent. Damals notierte die Aktie in der Spitze bei gut 13,60 Franken.