Star-Bankerin mischt die Finanzbranche auf

Die Star-Bankerin Blythe Masters wechselt trotz lukrativem Job-Angebot in die Fintech-Branche. Sie vergleicht die Blockchain-Technologie mit dem Internet vor 25 Jahren.
14.02.2016 06:25
Die Digitalisierung der Finanzbranche beschäftigt auch die Regulatoren.
Die Digitalisierung der Finanzbranche beschäftigt auch die Regulatoren.
Bild: ZVG

Ende vergangenen Jahres bekommt Blythe Masters ein Angebot, von dem viele ihrer Kollegen nur träumen können. Beim britischen Traditionshaus Barclays soll sie die Leitung des Investmentbankings übernehmen. Doch die 46-Jährige lehnt die Offerte von Barclays-Chef Jes Staley ab. Sie hat eine andere Mission.

Die Star-Bankerin will als Chefin des Startups Digital Asset die Finanzbranche aufwirbeln. Sie setzt dabei auf die sogenannte Blockchain-Technologie, mit der Handelsgeschäfte schneller und billiger abgewickelt werden könnten. "Das ist eine bedeutsame Entwicklung - vergleichbar mit dem Internet vor 25 Jahren", sagt Masters im Gespräch mit Reuters.

In der Finanzbranche geniesst die Britin einen Ruf wie Donnerhall. Sie hat einen Abschluss an der Eliteuniversität Cambridge und 27 Jahre für JP Morgan gearbeitet. In ihrer Zeit bei der US-Grossbank gehört Masters dem Team an, das Credit Devault Swaps (CDS) entwickelt - Papiere, mit denen sich Banken und Investoren gegen Kreditausfälle absichern können. CDS wirkten in der Finanzkrise wie Brandbeschleuniger, weil viele Banken nicht mehr wussten, wer für welche Verluste geradestehen muss. Auch Masters hat den Umgang mit CDS kritisiert. Aus ihrer Sicht liegt die Verantwortung dafür aber bei Banken und Investoren, und nicht an den Papieren an sich.

Blockchain mit grossem Potenzial

Einige Monate nach ihrem Abschied von JP Morgan 2014 trifft Masters Digital-Asset-Mitgründer Sunil Hirani. Er überzeugt sie davon, sich näher mit der Blockchain-Technik zu befassen. Sie funktioniert wie ein virtuelles Kassenbuch, über das sich unter anderem Aktien- und Anleihen-Geschäfte direkt zwischen Käufer und Verkäufer abwickeln lassen.

Aus Sicht von Masters ist das eine riesige Chancen, schliesslich dauert die Abwicklung vieler Handelsgeschäfte heute Tage oder Wochen. "Viele Bereiche der Nachhandels-Infrastruktur sind Jahrzehnte alt", sagt Masters. Sie müssten ohnehin erneuert werden, da es kaum noch Programmierer gebe, um sie am Laufen zu halten.

Start-ups gegen Tech-Riesen

Viele Branchengrössen trauen Masters zu, der neuen Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Die Liste der Digital-Asset-Investoren liesst sich wie das "Who is Who" der Finanztechnologiebranche: IBM, JP Morgan, Goldman Sachs, Citi, Santander sowie die Börsenbetreiber ASX und CME. Als einzige Firma aus der Bundesrepublik ist die Deutsche Börse dabei.

"Alle diese Konzerne arbeiten am Markt zusammen und haben das gemeinsame Interesse, die Finanzinfrastruktur zu verbessern", sagt Masters. Sie hat deshalb auch nicht vor, ihr Startup bei nächstbester Möglichkeit an einen Finanzkonzern zu verkaufen. Blockchain-Angebote für die Finanzbranche liessen sich am besten entwickeln, wenn möglichst viele Unternehmen beteiligt seien.

Auch andere Start-Ups wie Setl oder Symbiont setzen auf die Blockchain. Branchenkenner gehen zudem davon aus, dass eines Tages auch grosse Technologiekonzerne wie Google darauf setzen werden.

Bevor die Blockchain-Technologie flächendeckend eingeführt werden kann, müssten jedoch noch diverse Aufsichtsbehörden grünes Licht geben. Manche Banker sehen darin eine grosse Hürde. Masters betont dagegen, sie habe in Gesprächen mit Notenbanken, Regulierern und Aufsichtsbehörden bisher durchweg positive Reaktionen erhalten. "Regulierer interessieren sich sehr dafür, ob diese Technologie das Potenzial hat, für mehr Transparenz zu sorgen", sagt die Managerin. Zudem hätten Regulierer die Hoffnung, durch die neue Technologie Risiken zu reduzieren.

(Reuters)