Starke Schlüsselmedikamente - Roche übertrifft selbst die kühnsten Prognosen

Die Umsatzentwicklung bei Roche übertrifft die Analystenerwartungen deutlich. Wer sich Aussagen zum Medikament Perjeta erhofft hatte, wird jedoch enttäuscht. Dennoch ist der Genussschein gefragt.
27.04.2017 11:34
Von Lorenz Burkhalter
Roche-Chef Severin Schwan kann mit der Umsatzentwicklung im ersten Quartal sehr zufrieden sein.
Roche-Chef Severin Schwan kann mit der Umsatzentwicklung im ersten Quartal sehr zufrieden sein.
Bild: cash

Von wegen gross und träge: Der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern Roche wächst im ersten Quartal stärker als Analysten erwartet hatten. Das traditionsreiche Unternehmen übertrifft dabei selbst die kühnsten Umsatzschätzungen.

Rückblickend verkauften sich die drei wichtigsten Medikamente Avastin, Rituxan und Herceptin allesamt deutlich besser als befürchtet wurde. Doch auch im margenschwächeren Diagnostikgeschäft weiss Roche zu überzeugen.

An den bisherigen Jahresprognosen wird seitens des Unternehmens zwar nicht gerüttelt. Diese gelten nach gerade einmal drei Monaten aber bereits als eher konservativ.

Wer sich anlässlich der Quartalsumsatzpräsentation zusätzliche Informationen zum Krebsmedikament Perjeta erhofft hatte, wird am Donnerstag allerdings enttäuscht. Zumindest in der Medienmitteilung lässt sich das Unternehmen diesbezüglich nicht so recht in die Karten blicken. Anfang März hatte Roche ermutigende, wenn auch noch nicht sehr detaillierte Studienergebnisse zu diesem Präparat vorgelegt und damit ein Kursfeuerwerk gezündet.

Den starken Quartalsumsatzzahlen wird an der Schweizer Börse SIX ein grosseres Gewicht beigemessen, weshalb der Genussschein von Anschlusskäufen erfasst wird. Er gewinnt folglich weitere 1,1 Prozent auf 20,70 Franken.

Der für die UBS Investmentbank tätige Pharmaanalyst bezeichnet die Umsatzentwicklung als erfreulich. Dank einem starken Pharmageschäft seien die bankeigenen Schätzungen um rund 2 Prozent übertroffen worden, so schreibt er. Seines Erachtens überzeugten vor allem die in die Jahre gekommenen Medikamente wie Avastin, Rituxan oder Herceptin.

Angst vor Preisdruck bei Avastin erweist sich als übertrieben

Bei den sich in der Markteinführung befindlichen Präparaten verkaufte sich nur gerade Perjeta besser als erwartet. Der Absatz mit Alecensa und Esbriet blieb hingegen etwas zurück. Das schmälere die vorliegende Umsatzüberraschung etwas, so der UBS-Analyst. Dennoch wird der Genussschein bei der UBS Investmentbank weiterhin mit einem 260 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Kauf empfohlen.

Vorsichtig optimistisch äussert sich auch der Analyst der Deutschen Bank. Wie er schreibt, erscheint beim Krebsmedikament Avastin die Angst vor Marktanteilsverlusten und Preisdruck im Schlüsselmarkt rückblickend übertrieben. Gefallen findet er zudem am starken Absatz mit den beiden jüngeren Präparaten Perjeta und Tecdentriq, dessen Markteintritt er als erfolgreich bezeichnet. Auch bei der Deutschen Bank wird der Genussschein von Roche deshalb zum Kauf empfohlen. Das Kursziel lautet sogar 273 Franken.

Von einem guten Start für die zukünftigen Wachstumstreiber Perjeta und Tecentriq ist auch in einem Kommentar aus dem Hause Morgan Stanley die Rede. Etwas verhaltener fällt hingegen das Urteil bei den ebenfalls in diese Produktkategorie fallenden Medikamenten Esbriet und Gazyva aus. Dennoch stuft der Autor den Genussschein mit "Overweight" und einem Kursziel von 290 Franken ein.

Beibehaltene Jahresprognosen sorgen für Diskussionen

Sein für Goldman Sachs tätiger Berufskollege zeigt nach dem soliden ersten Quartal bereits Vorfreude auf die Halbjahresergebnispräsentation, wird Roche doch erst dann Rentabilitätskennzahlen nachreichen. In Erwartung deutlicher Gewinnfortschritte stuft der Analyst den Genussschein weiterhin mit "Conviction Buy" und einem 335 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel ein. Positive Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung verspricht man sich im hiesigen Handel insbesondere vom starken Absatz mit dem margenstarken Augenheilmittel Lucentis.

Hitzige Diskussionen gibt es rund um die beibehaltenen Jahresprognosen von Roche. Der Pharma- und Diagnostikkonzern rechnet zu konstanten Wechselkursen weiterhin mit einem im tiefen bis mittlerein einstelligen Prozentbereich liegenden Umsatzwachstum und einem Gewinnzuwachs im ähnlichen Umfang. Zumindest für den Analysten von Baader-Helvea sind diese Prognosen leicht enttäuschend, hatte er sich nach den positiven Studienergebnissen zu Perjeta doch eine Erhöhung erhofft. Einige Experten teilen diese Enttäuschung, andere hingegen nicht.