Starker Franken - Verschärft die SNB ihre Rhetorik?

Der erstarkte Franken stellt die Schweizerische Nationalbank vor die Wahl: Intervenieren oder eine weitere Aufwertung in Kauf nehmen. Die Deutsche Bank sieht aber noch eine weitere Möglichkeit.
12.06.2019 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bild: cash

Vor wenigen Tagen fiel der Euro in die Nähe von 1,11 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit Ende Juli 2017. Seither hat die europäische Einheitswährung zwar wieder etwas Boden gutgemacht. Beobachter bezeichnen die Lage an den Devisenmärkten jedoch auch weiterhin als angespannt. Der Konfrontationskurs der italienischen Regierung in Rom mit den Entscheidungsträgern in Brüssel und die fast stündlich ändernde Nachrichtenlage im Handelsstreit zwischen den USA und China lenken die Kapitalströme in den Franken. Dieser gilt als "sicherer Hafen" in wirtschaftlich und geopolitisch schwierigen Zeiten.

Franken so stark wie letztmals im September 2017

Immer mittendrin im Geschehen: Die Schweizerische Nationalbank (SNB). Am morgigen Donnerstag lädt sie zur vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung nach Bern.

Darf man den Währungsstrategen der Deutschen Bank Glauben schenken, dann könnte die SNB die Gelegenheit nutzen, ihre Rhetorik zu verschärfen. Mitte September 2017 bezeichnete sie den Franken erstmals nicht mehr als "deutlich überbewertet" sondern nur noch als "hoch bewertet", nachdem sich der Euro kurz zuvor auf 1,15 Franken erholt hatte.

Entwicklung des Euro-Franken-Kurses seit Aufgabe des SNB-Mindestkurses vom Januar 2015 (Quelle: www.cash.ch)

Nach dem Erstarken des Frankens würde eine Rückkehr zur alten, schärferen Rhetorik keinesfalls überraschen. Es wäre ein Signal an die Märkte: Bis hierhin und nicht weiter.

Devisenkäufe oder eine Leitzinsreduktion vorerst kein Thema

Allerdings sehen die Währungsstrategen der Deutschen Bank die SNB nur unter einem geringen Handlungsdruck. Sie begründen dies mit den seit 2015 deutlich rückläufigen relativen Lohnstückkosten. Sprich: Die Schweizer Wirtschaft hat in den letzten Jahren an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen.

Mit neuen Interventionen am offenen Markt rechnen die Strategen deshalb vorerst nicht. Sie warnen vielmehr davon, dass die SNB - sollte sie Fremdwährungskäufe tätigen um den Franken zu schwächen - wieder auf der Liste des US-Handelsministeriums potenzieller Währungsmanipulatoren landen könnte. Das wiederum würde die Verhandlungsposition der Schweiz für ein Freihandelsabkommen mit den USA schwächen, so befürchten die Strategen.

Auch eine weitere Leitzinsreduktion durch die SNB ohne vorangehenden Zinsschritt seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) hält man bei der Deutschen Bank für unwahrscheinlich. Zum einen ächzen die Geschäftsbanken bereits jetzt unter den negativen Einlagezinsen und zum anderen würden noch tiefere Zinsen die Überhitzung im Immobilienbereich weiter befeuern.

So bleibt anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB vom morgigen Donnerstag, mit Ausnahme des Wortlauts für den Franken, womöglich alles beim Alten.