Starkes Quartal - ABB kann die Vorschusslorbeeren bestätigen

ABB wartet mit einem starken Quartalsergebnis auf. Der Industriekonzern scheint die Talsohle durchschritten zu haben. Davon angetrieben, steigt die Aktie vorübergehend auf den höchsten Stand seit Herbst 2008.
26.10.2017 11:23
Von Lorenz Burkhalter
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kann auf ein solides drittes Quartal zurückblicken.
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kann auf ein solides drittes Quartal zurückblicken.
Bild: cash

In den letzten Tagen und Wochen setzte sich an der Börse die Ansicht durch, dass ABB die Talsohle im zurückliegenden dritten Quartal durchschritten hat. Die Aktie hat in letzter Zeit auch deutlich zugelegt. Das am Donnerstag vom Industriekonzern aus Zürich veröffentlichte Resultat scheint diese Annahme nun zu bestätigen.

Nicht nur beim Umsatz, auch beim operativen Gewinn (EBITA) sowie beim Reingewinn werden die jeweiligen Analystenschätzungen teilweise klar übertroffen. Mit Ausnahme des Auftragseingangs liegen die übrigen Kennzahlen am ganz oberen Ende der Erwartungsbandbreite. Das Unternehmen selber bezeichnet 2017 weiterhin als ein Übergangsjahr.

Davon lassen sich die Anleger allerdings nicht die Laune verderben. An der Schweizer Börse SIX stösst die ABB-Aktie auf Interesse. Zur Stunde gewinnt sie noch 2,8 Prozent auf 25,45 Franken. Kurz zuvor stieg die Aktie gar bis auf 25,57 Franken und damit auf den höchsten Stand seit Herbst 2008.

Nachdem die Aktie in den letzten Jahren in der Region von 25 Franken immer wieder unter Verkaufsdruck geriet, war im hiesigen Handel mittlerweile gar von einem "25-Franken-Fluch" die Rede. Die Chancen stehen gut, dass die Aktie diesen Fluch endlich bricht.

Ermutigende Wachstumsbeschleunigung beim Umsatz

In einem Kommentar der UBS Investmentbank findet der Autor Gefallen an der starken Geschäftsumsetzung. ABB habe deutlich stärker vom Auftragsbestand zehren und diesen in Umsätze ummünzen können, lässt er durchblicken. Seines Erachtens dürften für einmal auch günstige Währungseinflüsse geholfen haben.

Fakt ist: Mit 3 Prozent liegt das organische Umsatzwachstum im dritten Quartal deutlich über den von Experten erwarteten 1,8 Prozent. Auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes rechnet der UBS-Analyst mit einer Erhöhung der Gewinnschätzungen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dennoch hält er sowohl an seiner Verkaufsempfehlung als auch am 21 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel fest.

Verhalten optimistisch gibt sich sein Berufskollege von der Zürcher Kantonalbank. Auch er führt die positive Ergebnisüberraschung zumindest teilweise auf Währungs- und Akquisitionseffekte zurück. Mit Blick auf die Basisaufträge rechnet der Analyst im Schlussquartal mit einem organischen Wachstum, was der Margenentwicklung nochmals leicht zuträglich sein sollte. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Marktgewichten" ein.

Ein erster Analyst überprüft sein Kursziel mit positiven Vorzeichen

Der Autor einer Stellungnahme aus dem Hause Morgan Stanley gewinnt dem Zahlenkranz vorwiegend ermutigende Aspekte ab. Neben der organischen Umsatzbelebung findet er insbesondere an den gegenüber dem Vorquartel höheren Margen in den Bereichen Eletrification Products sowie Robotics & Motion sichtlich Gefallen. Nachdem er die ABB-Aktie erst vor wenigen Wochen mit einem Kursziel von 25 Franken auf "Equal-weight" heruntergestuft hat, hält der Analyst an diesem Anlageurteil fest.

Für den Experten der Bank Vontobel zeichnet sich ab, dass bei ABB nun alles besser wird. Er spricht damit die freundlicheren wirtschftlichen Rahmenbedingungen an. Diese sollten zu einer weiteren Aufhellung der Auftragslage und dank der tiefen Kostenbasis zu höheren Margen führen. Die Aktie wird bei der Zürcher Bank zwar weiterhin nur mit "Hold" eingestuft, das Kursziel von 24 Franken jedoch mit positiven Vorzeichen einer Überprüfung unterzogen.