Ruch meint

Startups - Fintech: Von der Destruktion zur Kooperation

Negativmeldungen von renommierten Startups und vermehrt Übernahmen durch etablierte Player: Die Welt der Fintechs befindet sich im Umbruch. Banken können sich trotzdem nicht zurücklehnen.
31.10.2017 22:53
Von Ivo Ruch
cash-Redaktor Ivo Ruch: Warum schaffen es nur wenige Fintech-Startups, auf eigenen Füssen zu stehen?
cash-Redaktor Ivo Ruch: Warum schaffen es nur wenige Fintech-Startups, auf eigenen Füssen zu stehen?
Bild: cash

Die Zuger Monetas, Entwicklerin einer App für Bankdienstleistungen, steckt in Geldnot und muss Angestellte entlassen. Zudem häufen sich die Fälle von innovativen Jungunternehmen, die von etablierten Finanzdienstleistern übernommen oder unter deren Kontrolle gebracht werden. Jüngstes Beispiel ist die Beteiligung von Swiss Life am Software-Spezialisten Bexio. Weitere Beispiele von Fintech-Buden, die sich in die Obhut von Platzhirschen begeben, liessen sich viele anfügen.

Das tönt erst mal nach normalem Startup-Alltag: Die Erfolgschancen sind tief und die Beteiligung von Investoren gehört von Anfang an zur Strategie. Dennoch passen die jüngsten Entwicklungen nicht so recht zu den ehemals ambitionierten Zielen der Fintech-Enthusiasten. Disruptive Fantasien dominierten früher die Szene: Bessere, einfachere, innovativere und günstigere Produkte würden Banken und Versicherungen in nicht allzu ferner Zukunft obsolet machen.

Also hinfallen oder sich in die starken Arme eines ehemaligen Konkurrenten flüchten. Da fragt man sich: Warum schaffen es nur wenige Fintech-Startups, die Finanzwelt zu erschüttern und auf eigenen Füssen zu stehen?

Die traditionellen Banken und Versicherungen haben drei Vorteile: Geld, wertvolle Kundendaten und den Segen der Regulierung. Gerade die strengen Anforderungen der Behörden sind eine Herausforderung für die Startups. Eine Bankenbewilligung der Finma erfordert ein Mindestkapital von zehn Millionen Franken.

Zudem: Bislang fehlen die Quantensprünge digitaler Innovation in der Finanzbranche. Und das obwohl alleine in der Schweiz mittlerweile mehr als 200 Fintech-Startups tätig sind und im zweiten Quartal 2017 weltweit rund 8,4 Milliarden Dollar in solche Firmen investiert wurden. Da ist es den Jungunternehmen nicht zu verübeln, eine Strategie mit möglichem Millionengewinn zu verfolgen: Sie werden vermehrt zu innovativen Zulieferern bereits etablierter Bankdienstleistungen.

Kooperation anstelle von Destruktion lautet also die neue Devise in der Fintech-Branche. Banken und Versicherungen spielt das ebenfalls in die Karten. Sie können sich das Label der Innovation umhängen und behalten dabei die Kontrolle über mögliche Konkurrenten.

Ob das für eine sorgenfreie Zukunft reicht? Kaum. Die wahre Gefahr für Grossbanken lauert nämlich anderswo: Bei Google, Amazon oder Alibaba. Das ist Konkurrenz von ganz anderem Kaliber.