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Stehen die Zeichen für Richemont und Swatch nun besser?

Die Aktie von Richemont steigt wieder, auch diejenige von Swatch zeigt Erholungstendenzen. Anzeichen mehren sich, dass sich die Lage für die beiden Konzerne verbessert. Die Frage ist, wie stabil die Erholung ist.
07.11.2016 19:00
Von Marc Forster
Der wahre Luxus: Eine Uhr von Vacheron Constantin aus dem Hause Richemont.
Der wahre Luxus: Eine Uhr von Vacheron Constantin aus dem Hause Richemont.
Bild: cash

Ein einzelner Satz von Verwaltungsratspräsident Johann Rupert hat die Richemont-Aktie am Freitag in die Höhe gejagt: Jener, dass die Oktoberumsätze ermutigend seien. Richemont hatte Ende der letzten Woche die Zahlen für das erste Geschäftshalbjahr vorgestellt, das beim Westschweizer Luxusgüterhersteller bis Ende September dauert. Das Aufatmen der Învestoren war spürbar angesichts eines Kursanstiegs der Aktie von zwischenzeitlich zehn Prozent. Am Montag stieg die Aktie weitere 2,3 Prozent.

Die Ausfuhrstatistiken für Schweizer Uhren sind bisher Monat für Monat schlechter geworden. Der schwache Markt in China belastet die Schweizer Hersteller schwer. In Hongkong, Macau und Festlandchina kaufen die Kunden weniger Uhren, einerseits wegen der Korruptionsbekämpfung des Regimes, andererseits wegen der konjunkturell unsicheren Aussichten für das Reich der Mitte.

Doch schon seit einigen Wochen gibt es Anzeichen, dass der Uhrenhandel in China wieder anzieht. Angaben der französischen Nobelwarenkonzerne LVHM und Kering liessen den Schluss zu, dass das Geld bei chinesischen Luxuskunden wieder lockerer sitzt. Die positiven Neuigkeiten, die Richemont letzte Woche verbreitete, stützen dies nun. Die Worte der Richemont-Führung wirkten wie Balsam auf der Seele der Investoren.

Richemonts Umsatzmix

Allerdings: Die Richemont-Aktie erklomm schon Mitte Oktober das Kurs-Level, das sie heute verzeichnet. Innerhalb von sechs Monaten ist die Aktie um 7,5 Prozent angestiegen. Der Aufwärtstrend zeichnet sich seit Juni ab und liegt vor allem am Umsatzmix der Genfer Gruppe: Bei Richemont steuern Uhren - unter anderem die Marken IWC, Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin - knapp die Hälfte zu den Verkäufen bei.

Der Rest besteht aus dem Schmuck- und Luxuswarengeschäft, wo der Konzern ebenfalls sehr prestigeträchtige Marken wie Van Cleef & Arpels, Cartier und Montblanc aufweist. Dieses Geschäft ist etwas weniger von den Asien-Unsicherheiten betroffen und wirkt daher ausgleichend zum Uhrenverkauf.

Die Aktien von Richemont (rot) und Swatch (grün) zeigen seit dem Spätsommer Erholungstendenzen. Während Richemont höher stehen als vor sechs Monaten, liegt der Wert der Swatch-Aktie noch unter dem Stand von Anfang Mai (Grafik: cash.ch)

Die Oktober-Aussagen von Richemont sind durchaus bedeutsam, wie Analyst Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sagt: "Der Oktober ist ein sehr wichtiger Monat für den Grosshandel. Sowohl Richemont als auch Swatch vertrieben den Grossteil ihrer Uhren über Retailer – dieser Teil des Geschäfts ist wegen der Lagerproblematik volatiler als jenes über eigene Boutiquen."

Der Verkauf über eigene Boutiquen der Konzernmarken ist traditionell stabiler als jener über Retailer, die bei schlechter Marktlage die Lager nicht auffüllen und damit bei den Herstellern Umsatzeinbussen verursachen.

Rating erhöht

ZKB-Experte Schwendimann wertet die jüngsten Zahlen positiv: "Der kleiner werdende Umsatzrückgang im September und der Anstieg im Oktober bei Richemont stimmen optimistisch," sagt er. Dies sei ein Hinweis darauf, dass auch im Grosshandel der Tiefpunkt durchschritten sein könnte. "Damit ist auch die Ausgangslage für November und Dezember besser."

Dies sei zwar noch keine Rückkehr zu glanzvollen Zeiten, aber Anzeichen einer Trendwende - und zwar nicht nur bei Richemont, sondern auch bei der Swatch Group. Schwendimann hat nun sowohl Richemont als auch Swatch von "Untergewichten" gleich auf "Übergewichten" gesetzt. Im ZKB-Jargon hiesst dies, dass die Aktien von "verkaufen" auf "kaufen" umgestuft wurden. Aktuell vereinen Richemont acht Kauf-Empfehlungen, acht Hold- und drei Sell-Empfehlungen auf sich.

Bei Swatch besteht neben der neuen Kaufempfehlung durch die ZKB nur eine weitere, und zwar durch die Royal Bank of Canada. Zehn Analysten empfehlen Hold, sieben den Verkauf der Aktie. Dies zeigt: Swatch wird gegenüber dem Verkaufseinbruch in Asien als klar verwundbarer gesehen als Richemont. Zum einen steuern Uhren rund 90 Prozent des Umsatzes zum Konzernergebnis bei, zum anderen ist Swatch stärker von China abhängig als Richemont.

Hoffnung auch für Swatch

Es ist daher nicht überraschend, dass beispielsweise Contrarians Swatch mögen: Fondsmanager Michael Clements von Syz Asset Management sagte vor kurzem zu cash, er setze auf den Bieler Konzern. Die Aktie hat in den vergangenen drei Jahren fast die Hälfte ihres Werts verloren. Anleger wie Clements schwimmen gegen den Strom: Ihr Kalkül ist, dass die Aktie übermässig abgestraft wurde und aufgrund fundamental guter Daten des Unternehmens wieder steigen.

Ist dieser Moment bei Swatch gekommen? Innerhalb der vergangenen sechs Monate hat die Aktie weiter 7,5 Prozent verloren. Allerdings erholt sich die Aktie seit August. Im Oktober sagte Konzernchef Nick Hayek, das China-Geschäft erhole sich seit Juli langsam. Die Kaufempfehlung durch die ZKB dürfte helfen, wieder Vertrauen in die Aktie zu bringen. Die ersten Daten, dass sich das China-Geschäft verbessert, stützen Swatch besonders. So geniesst die Swatch-Premiummarke Omega in Asien ein ähnlich hohes Prestige wie Rolex.

Anleger müssen sich bei der Swatch Group die Frage stellen, wie fundamental solide sie den Konzern einschätzen. Fondsmanager Clements vertraut auf seine Analysen und sagt, das Unternehmen habe allen Grund, auf einen Aufschwung zu hoffen. Optimist, was die Aussichten der Swatch Group betrifft, ist auch Konzernchef Hayek: Als CEO gehört es zum einen dazu, dass er an die Zukunft des Unternehmens glaubt. Auf der anderen Seite hat sich der eigenwillige Konzernlenker aber bisher auch geweigert, grosse Kostensenkungen anzuordnen und verzichtet stattdessen auf Marge.

Diesen Optimismus kann man als Anleger teilen oder nicht. Angesichts der verbesserten Marktlage in China lässt sich immerhin sagen, dass die Aussichten für die Schweizer Luxusgüterkonzerne im Moment besser sind als dies im bisherigen Jahr der Fall gewesen ist.