Stehen europäische Börsen vor einem Flautenjahr?

Mit Aktien aus Europa lässt sich auch im nächsten Jahr kein Geld verdienen, sagen die Strategen der Deutschen Bank. Damit stemmen sich die Experten gegen die Prognosen anderer Kollegen.
09.12.2016 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Es wird in diesen Tagen viel über das Börsenjahr 2017 geschrieben.
Es wird in diesen Tagen viel über das Börsenjahr 2017 geschrieben.
Bild: freeimages.com

Mit europäischen Aktien liess sich in den vergangenen elf Monaten aus Anlegersicht kein Geld verdienen. Trotz den jüngsten Kursavancen liegt der viel beachtete Stoxx Europe 600 Index noch immer um etwas mehr als 4 Prozent unter dem Stand von Anfang Jahr. Nicht weniger ernüchternd fällt die Zwischenbilanz bei den Aktien aus der Schweiz aus. Auch beim Swiss Performance Index errechnet sich ein Minus von rund 4,5 Prozent.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt - zumindest bei den Banken und ihren Anlagestrategen. Viele rechnen für 2017 mit einem guten Jahr für europäische Aktien. In Erwartung einer Belebung bei den Unternehmensgewinnen wird dem Stoxx Europe 600 Index ein Aufwärtspotenzial von bis zu 15 Prozent nachgesagt.

Diesen Prognosen widerspricht man bei der Deutschen Bank jedoch vehement. In einem Strategiepapier sagen die für die Grossbank aus dem nördlichen Nachbarland tätigen Autoren dem Börsenbarometer bis Ende 2017 sogar einen leichten Rückgang auf 345 Punkte voraus. Mit anderen Worten: Die nächsten 12 Monate dürften sich für Anleger bestenfalls als ein Nullsummenspiel erweisen.

Schwieriges Wirtschaftsumfeld in der ersten Jahreshälfte erwartet

Die Strategen trauen den im Stoxx Europe 600 Index vertretenen Unternehmen im kommenden Jahr zwar ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 6 Prozent zu. Allerdings liegt diese Prognose weit unter den bei gut 13 Prozent liegenden Erwartungen anderer Berufskollegen. Gleichzeitig gehen die Experten bei europäischen Aktien von einer rückläufigen Bewertung aus, was sie mit politischen Unsicherheiten vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie mit nachlassenden geldpolitischen Impulsen begründen. In dieses Bild passt auch, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstagnachmittag für eine Reduktion der monatlichen Wertpapierkäufe von 80 auf 60 Milliarden Euro aussprach.

Entwicklung des Stoxx Europe 600 Index 2016 im Vergleich mit dem Swiss Market Index. Quelle: www.cash.ch

Auch was das Weltwirtschaftswachstum anbetrifft, bleiben die Prognosen der Deutschen Bank hinter jenen anderer Banken zurück. Weil die fiskalpolitischen Belebungsmassnahmen unter dem zukünftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump frühestens in der zweiten Jahreshälfte auf die konjunkturelle Entwicklung durchschlagen, schwören die Strategen ihre Kundschaft auf ein schwieriges erstes Halbjahr ein.

Dieser Umstand spiegelt sich auch bei den Branchenpräferenzen der Grossbank wider. Die als weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängig geltenden Aktien aus dem Pharma- und dem Telekommunikationssektor werden weiterhin in den Aktienportfolios übergewichtet. Der ebenfalls defensive Nahrungsmittelsektor wird von "Underweight" auf "Benchmark" angehoben, genauso wie die Bankaktien. Im Gegenzug gehen die Experten beim Automobilsektor von "Benchmark" auf "Underweight" zurück. Untergewichtet werden auch Aktien aus dem Investitionsgüter- und dem Energiesektor sowie jene aus dem Bergbau.

Zumindest aus Schweizer Sicht sind diese Branchenpräferenzen aber positiv zu beurteilen, sind die Pharmawerte von Roche und Novartis und die Aktien des Nahrungsmittelherstellers Nestlé beim Swiss Performance Index doch für mehr als die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.