Stehen US-Anleihegläubiger vor schweren Zeiten?

Das Zusammenspiel aus beschleunigter Inflation und wieder steigenden Defiziten kann die Zinsen nach oben treiben und US-Anleihegläubiger in die Bredouille bringen.
30.10.2016 09:35
Flagge der USA weht im Wind. Die US-Inflationsrate könnte in sechs Monaten bei über drei Prozent liegen.
Flagge der USA weht im Wind. Die US-Inflationsrate könnte in sechs Monaten bei über drei Prozent liegen.
Bild: cash

"Wir sind die nächsten drei bis vier Jahre im Auge des Orkans", sagte Jeffrey Gundlach , Chief Executive Officer von DoubleLine Capital, diese Woche auf der Impact 2016 Konferenz, die von Charles Schwab in San Diego ausgerichtet wurde. "Wenn 2018, 2019 und 2020 kommen, aufgepasst!"

Gundlach hatte Anlegern im September empfohlen, defensiv zu bleiben und ihr Engagement bei Wertpapieren mit längeren Laufzeiten zu verringern. Der Manager, dessen Firma in Los Angeles angesiedelt ist, favorisiert Anleihen aus Schwellenländern gegenüber Hochzinspapieren. Dahinter steht die Sorge, dass sich die Ölpreise seitwärts bewegen und somit die Fähigkeit der Energiefirmen, die Papiere zu bedienen, gefährdet ist. Er hat auch gewarnt, dass das Abwärtspotenzial bei Aktien größer sei als das Aufwärtspotenzial.

Der 61,8 Mrd. Dollar schwere DoubleLine Total Return Bond Fund von Gundlach weist im bisherigen Jahresverlauf einen Ertrag von 3,9 Prozent auf. Damit entwickelte sich der Fonds besser als 73 Prozent der von Bloomberg beobachteten Vergleichsfonds. Im Gegensatz zu vielen anderen aktiven Fondsmanagern zieht Gundlach noch immer Anlagekapital an - firmenweit wurden in diesem Jahr Zuflüsse im Umfang von 11,8 Mrd. Dollar ausgewiesen.

Unter Verweis auf Daten des Economic Cycle Research Institute sagte Gundlach auf der Konferenz, dass die Inflationsrate in sechs Monaten bei über drei Prozent liegen könnte. Der DoubleLine-Chef - der Ende 2014 noch gesagt hatte, "TIPS sind für Verlierer" - hält die US-Staatsanleihen mit Inflationsschutz nun für ein gutes Investment. "Ich mag TIPS", sagte er am Dienstag. "TIPS sind für Gewinner."

Die Anleiherenditen haben seinen Worten nach ihre Talsohle durchschritten und die Kurse erreichten im Juli den Gipfel. Die Vorsitzende der US-Notenbank, Janet Yellen, wolle eine "Wirtschaft mit Hochdruck", in der die Inflation über zwei Prozent liege und die Arbeitslosenquote unter fünf Prozent falle, erklärte er.

Gundlach vertritt noch immer die Einschätzung, dass Donald Trump das Rennen um das Weiße Haus machen wird - auch wenn die Wett-Quoten von RealClearPolitics.com der Wahl von Trump als US-Präsident nur eine Chance von 14 Prozent einräumen. "Trump würde - und er wird, wenn er gewinnt - das Defizit vergrößern", sagte Gundlach.

(Bloomberg)