Steht der Goldpeis vor einem Rückfall?

Längerfristig rechnet die Credit Suisse mit einem steigenden Goldpreis. Nach dem starken Anstieg der letzten Monate mahnt sie nun aber zur Vorsicht. Was einige Beobachter überrascht.
15.08.2016 08:42
Von Lorenz Burkhalter
Hat in den letzten Monaten zu neuem Glanz gefunden: Das Gold.
Hat in den letzten Monaten zu neuem Glanz gefunden: Das Gold.
Bild: Pixabay

Spekulationen, wonach die Deutsche Bank die Europäische Zentralbank (EZB) um einen Notkredit ersucht habe, lassen den Preis für eine Unze Gold am Montag früh in die Nähe der Jahreshöchstsstände steigen.

Die Reaktion passt ins Bild in diesem Jahr: Mit dem Edelmetall liess sich 2016 in Dollar betrachtet knapp 28 Prozent verdienen, soviel wie mit keiner anderen Anlageklasse. Geht es nach den Strategen der Credit Suisse, ist das Gold damit auf kurze Sicht über das Ziel hinausgeschossen. Obschon sie bis ins erste Quartal 2017 hinein mit einem Anstieg um 12 Prozent auf 1500 Dollar je Unze rechnen, nehmen die Experten aus taktischen Gründen eine vorsichtige Haltung ein.

Schweizer Grossbank bleibt grundsätzlich optimistisch

Die Strategen begründen ihre Haltung damit, dass sie kurzfristig mit steigenden Zinsen rechnen. Dabei verweisen sie auf die Wechselwirkung zwischen den Zinsen und der Goldpreisentwicklung: Fallen die Zinsen, steigt der Preis für das Edelmetall - und umgekehrt. Denn schliesslich wirft das Gold ja keine Erträge ab. Gleichzeitig deuten bankeigene Bewertungsmodelle auf eine leichte Überbewertung des Golds gegenüber anderen Edelmetallen und Sachwerten hin.

Entwicklung der Gold-Unze im bisherigen Jahresverlauf, Quelle: www.cash.ch

Den Experten zufolge spricht die ultralockere Geldpolitik führender Zentralbanken längerfristig für einen höheren Goldpreis. Dasselbe gilt für die Angst vor einem instabilen Finanzsystem. Gerade die Zentralbanken selber wähnt man bei der Credit Suisse im aktuellen Marktumfeld als Käufer von physischem Gold.

Zeitpunkt der taktischen Empfehlung überrascht

Mit ihrer Prognose eines bis Ende März nächsten Jahres höheren Goldpreises steht die Schweizer Grossbank übrigens nicht alleine da. Auch die UBS und viele ausländische Institute sehen den Unzenpreis weiter steigen, seit die US-Notenbank eine zweite Leitzinserhöhung auf die lange Bank schiebt.

Einige Beobachter sind überrascht, was den Zeitpunkt der taktisch vorsichtigen Haltung der CS-Strategen anbetrifft. In diesem Zusammenhang wird auf die saisonal starke Goldnachfrage aus Indien verwiesen, welche sich meist mit einem steigenden Preis für das Edelmetall bemerkbar macht. In den Monaten September bis November wird auf dem Subkontinent nämlich geheiratet. Traditionell werden die Brautleute dabei mit üppigen Goldgeschenken bedacht.