Steigende Zinsen, steigende Aktien?

Ziehen die Zinsen an, richten sich die Aktienmärkte neu aus und ein Blick ins Portfolio wird unumgänglich. Teil I der cash-Serie zum Anleger-Verhalten bei der Zinswende.
17.02.2014 07:28
Von Ivo Ruch
Wer nicht genau hinschaut, kann von der Zinswende nicht profitieren.

Solange ein Tiefzinsumfeld besteht, sind Aktien eine der wenigen Anlageklassen, mit denen eine ansprechende Rendite erzielt werden kann. Ein solches Anlageumfeld besteht seit einiger Zeit, und Aktienanleger konnten insbesondere letztes Jahr satte Renditen heimfahren. Ziehen die Zinsen am kurzen Ende aber an, sind ein kritischer Blick und eine Neuordnung des eigenen Aktienportfolio unausweichlich.

Von der Jahrtausendwende, als die US-Leitzinsen noch bei 6,5 Prozent lagen, bis 2009 bewegten sich die Aktienmärkte analog zur Zinsentwicklung. Seit 2009 bis heute liegen die Zinsen in den USA praktisch bei Null. Doch die Börsen steigen seit fünf Jahren. Sie haben sich von der Zinsentwicklung quasi entkoppelt.

Falls die kurzfristigen Zinsen künftig moderat ansteigen werden, dann reagieren wohl auch die Börsen einigermassen positiv. Kommt es zu sprunghaften Steigerungen, dann wirds kritisch. Das Zurückführen der Zinsen in die Normalzone ist die grösste Aufgabe für die neue Fed-Chefin Janet Yellen. Der Ausgang höchst ungewiss.

Hier die Meinungen und Thesen von Experten, welches die möglichen Gewinner- und Verliereraktien sind, falls die kurzfristigen Zinsen anziehen:

"Dividenden-Aktien": Unberechenbare Börsen machen in der Regel dividendenstarke Titel beliebt. Das ändert sich bei einer Zinswende. "Ganz allgemein werden Dividendentitel im Umfeld steigender Zinsen weniger attraktiv. Am Schweizer Markt würde das zum Beispiel die Titel von Nestlé, Swisscom, Roche oder Novartis treffen", sagt Thomas Jäger, Finanzanalyst bei der St. Galler Kantonalbank.

"Geringes Beta": Laut Stephan Meschenmoser, Anlagestratege bei Blackrock, würden in erster Linie jene Aktien unter Druck geraten, die wenig Korrelation mit dem Gesamtmarkt - dem sogenannten Betafaktor - aufweisen. Das wären beispielsweise Aktien aus dem defensiven Pharmasektor, aber auch Titel von Versorger-Firmen. In den letzten 52 Wochen hatte der Index der Schweizer Pharmafirmen noch rund 27 Prozent zulegen können.

"Immobilien-Titel": Durch anziehende Zinsen werden sich die Immobilien- und die Hypothekarkredite verteuern, was wiederum auf die Rentabilität von Immobilienfirmen drücken dürfte. "Immobilienaktien dürften zu den Verlierern gehören, weil ihre Dividendenrenditen an relativer Attraktivität verlieren und die Nettoinventarwerte der Liegenschaften unter Druck geräten", nennt Thomas Jäger einen weiteren Effekt.

"Rosige Zeiten für Finanzunternehmen": Für die Finanzwirtschaft bedeuten höhere Zinsen hingegen bessere Bedingungen. "Banken und Versicherungen im Leben-Bereich dürften mit einem verbesserten Zinsengeschäft und somit anziehenden Erträgen rechnen", so Jäger. Für viele Finanzhäuser und Versicherer ist das Zinsdifferenzgeschäft das wichtigste Standbein. Dementsprechend würden viele Finanzaktien zu den Profiteuren einer Zinswende gehören.

"Zykliker im Vorteil": Eine Zinserhöhung geht in der Regel mit einer verbesserten Konsumentenstimmung einher. "Das hat einen positiven Effekt auf Zykliker im Allgemeinen und zyklische Konsumtitel im Speziellen", sagt Jäger. Als Beispiele nennt er die Titel von Swatch, Richemont oder auch Kuoni – allesamt Valoren, die äusserst verhalten ins neue Jahr gestartet sind.