Steigt der Dollar um weitere 20 Prozent?

Eine mächtige amerikanische Grossbank rechnet beim Dollar mit einer Beschleunigung des jüngsten Anstiegs. Zum Franken sieht sie den Greenback bis in 12 Monaten noch einmal um 20 Prozent höher.
06.10.2014 08:36
Von Lorenz Burkhalter
Seit seinem Siegeszug zum Euro in aller Munde: Der Dollar.
Seit seinem Siegeszug zum Euro in aller Munde: Der Dollar.

Soviel wie in den letzten Tagen wurde schon lange nicht mehr über den Dollar geschrieben. Der jüngste Siegeszug gegenüber dem Euro und anderen Schlüsselwährungen bescherte dem Greenback eine gewaltige Medienpräsenz.

Alleine seit Anfang Mai hat der Dollar zum Euro knapp 11 Prozent zugelegt. Dank des von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vor drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs entwickelte er sich zum Franken nahezu im Gleichschritt. Nach diesem Anstieg werden verständlicherweise nicht nur positive sondern vereinzelt auch kritische Meinungen vertreten.

Zweifelsohne ins Lager der Optimisten gehören die Währungsstrategen von Morgan Stanley. Wie sie in einer aktuellen Studie schreiben, rechnen sie sogar mit einer Beschleunigung des jüngsten Siegeszuges des Greenbacks. Neu sehen die Experten den Euro bis in 12 Monaten auf 1,14 (1,20) Dollar fallen. Auf denselben Betrachtungszeitraum bezogen, werde sich der Greenback auf 1,14 Franken festigen, was noch einmal einem Plus von rund 20 Prozent entsprechen würde.

Zins- und Geldpolitik sprechen klar für den Dollar

Den Strategen zufolge hat sich die Wirtschaftsentwicklung der verschiedenen Weltregionen längst voneinander abgekoppelt. Während Europa, Japan und die Schwellenländer mit einer Wachstumsverlangsamung zu kämpfen habe, bleibe die Entwicklung in den USA weiterhin stark. Diese Abkoppelung habe grundlegende Verschiebungen im Währungsgefüge zur Folge, so die Experten.

Lange Rede kurzer Sinn: Damit die verschiedenen Weltregionen ihr Gleichgewicht finden, müsse der Dollar noch einmal kräftig steigen.

Die Experten erwarten nicht zuletzt auch aufgrund der von der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgten Zins- und Geldpolitik einen zum Euro festeren Greenback. Trotz rückläufiger Einheitswährung bleibe der Preisdruck bisher bestehen. Die EZB mache deshalb kein Geheimnis daraus, dass sie mit ihrer Zins- und Geldpolitik auf einen schwächeren Euro ziele.

Bricht der Dollar-Index seinen 30-jährigen Abwärtstrend?

Auch charttechnisch betrachtet spricht einiges für einen noch einmal deutlich festeren Dollar. So wähnen die Charttechnikexperten von Julius Bär den Dollar-Index kurz vor dem Ausbruch aus seinem seit Mitte der Achtzigerjahre entstandenen Abwärtstrend. Mit einem solchen Ausbruch werde die Basis für eine längerfristige Erholung geschaffen, so schreiben sie.

Die Ausgangslage des Greenbacks zum Franken ähnle jener des Dollar-Index, sei insgesamt sogar noch etwas stärker als bei letzterem.

Bleibt aus Sicht des Schweizer Anlegers abzuwarten, ob dem Dollar dieser Ausbruch über die kommenden Tage oder Wochen auch wirklich gelingt. Die Vorzeichen stehen zumindest gut.