Stellenabbau bei Zurich betrifft 8000 Jobs

Die Zurich weist für das vergangene Jahr wie erwartet deutlich tiefere Gewinnzahlen aus, will aber pro Aktie weiterhin eine Dividende von 17 Franken ausschütten. Ein Sparprogramm kann bis zu 8000 Stellen betreffen.
11.02.2016 07:35
Zurich setzt den Rotstift an.
Zurich setzt den Rotstift an.
Bild: cash

Bereits im vergangenen Jahr hatte Zurich angekündigt, bis 2018 bis zu einer Milliarde einsparen zu wollen. In der Mitteilung vom Donnerstag spricht Zurich nun von 8000 Positionen. Ob es zu Kündigungen kommen wird, konnte ein Sprecher auf Anfrage gegenüber der Nachrichtenagentur sda nicht sagen. Bereits früher hatte Zurich in einzelnen Ländern Stellenzahlen genannt, die dem Rotstift zum Opfer fallen sollen.

Der neue CEO Mario Greco, der den im Dezember zurückgetretenen Martin Senn ersetzen soll, wird sein Amt bereits am 7. März antreten. Dies ist früher als geplant. Zwischenzeitlich führt Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan den Konzern. 

Gewinneinbruch

Der operative Gewinn der Zurich (Business Operating Profit, BOP) ging 2015 um 37 Prozent auf 2,92 Milliarden Dollar zurück, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilt. Unter dem Strich verdiente die Versicherungsgruppe 1,84 Milliarden Dollar, was einem Rückgang um 53 Prozent entspricht. Der Gewinnrückgang kommt nicht überraschend. So hatte das Unternehmen etwa im Januar eine entsprechende Warnung für das vierte Quartal publiziert.

Die gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende begründet Verwaltungsratspräsident und Interims-CEO Tom de Swaan mit "soliden Mittelzuflüssen und der starken Kapitalbasis". Gleichzeitig habe der Verwaltungsrat aber auch entschieden, den Aktionären derzeit kein zusätzliches Kapital zurückzuzahlen - um "in der gegenwärtigen Situation die Kapitalstärkund die finanzielle Flexibilität zu erhalten".

Combined Ratio über 100

Der Gesamtumsatz der Gruppe nahm derweil um 9 Prozent auf 68,0 Milliarden Dollar ab. Im Nichtleben-Geschäft (General Insurance) sanken die Prämieneinnahmen um 6 Prozent auf 34,0 Milliarden, im Leben-Geschäft (Global Life) verringerte sich das Geschäftsvolumen um 9 Prozent auf 29,0 Milliarden Dollar. In beiden Sparten machte sich allerdings ein Währungseffekt bemerkbar. Ohne diesen wären die Prämieneinnahmen und die Volumina gewachsen.

In der Sparte General Insurance verschlechterte sich ausserdem die wichtige Kennzahl Combined Ratio auf 103,6 Prozent von 96,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. In Global Life kam die bedeutende Kennzahl für das Neugeschäft (APE) 8 Prozent unter dem Vorjahr zu liegen.

Das Eigenkapital der Gruppe nahm per Ende Jahr auf 31,2 Milliarden Dollar nach 34,7 Milliarden Ende 2014 ab. Die Eigenkapitalrendite belief sich - basierend auf dem BOP - auf 6,4 Prozent (VJ 11,2 Prozent). Hier strebt die Zurich im Rahmen des Programms 2014-2016 einen Wert zwischen 12 Prozent und 14 Prozent an.

Gewinn-Prognose verfehlt

Mit den Kennzahlen hat die Zurich die Analystenschätzungen beim Betriebsgewinn leicht übertroffen, beim Reingewinn und Eigenkapital verfehlt und bei der Combinded Ratio erfüllt. Der AWP-Konsens für den BOP lag bei 2,84 Milliarden Dollar, für den Reingewinn bei 2,04 Milliarden Dollar und für die Combined Ratio bei 103,6 Prozent. Das Eigenkapital wurde bei 31,7 Milliarden Dollar erwartet.

Laut Verwaltungsratspräsident und Interims-CEO Tom de Swaan ist das "enttäuschende Ergebnis" auf die bereits früher erwähnten Herausforderungen im Schadenversicherungsgeschäft sowie Restrukturierungskosten zurückzuführen. "Wir haben rigorose Massnahmen ergriffen, um die Rentabilität zu verbessern", betont er weiter. Dazu gehöre, dass unrentable Portfolios neu gezeichnet oder nicht mehr erneuert würden, die Effizienz erhöht und die Organisation verschlankt werde. Global Life und Farmers entwickeln sich laut dem VRP gut.

Ausserdem gab die Zurich bekannt, dass der neue CEO Mario Greco sei Amt früher als bislang erwartet antritt. Er werde ab 7. März für das Unternehmen tätig sein und nicht erst ab Mai.

Ziel nicht erreichbar

Mit Blick nach vorne gibt sich die Zurich-Führung zurückhaltend. "Angesichts der Herausforderungen im Schadenversicherungsgeschäft ist es unwahrscheinlich, dass wir dieses Jahr die von uns angestrebte Eigenkapitalrendite basierend auf dem Betriebsgewinn von 12-14 Prozent erreichen können", wird de Swaan zitiert. Bei den anderen Finanzzielen für den Zeitraum 2014 bis 2016 sei man dagegen auf Kurs. So erwarte die Zurich für die Strategieperiode Mittelzuflüsse von mehr als 10 Milliarden Dollar, was weit über der eigenen Vorgabe liege.

Oberste Priorität für das laufende Jahr sei es, das Schadenversicherungsgeschäft zurück auf Kurs zu bringen und weitere Massnahmen umzusetzen, um die Gruppe für 2017 und darüber hinaus auszurichten. Dazu zählt gemäss dem VRP unter anderem die Verbesserung der Effizienz und die Schärfung des Fokus im Privatkundenbereich.

(AWP)