Stellt sich Trump geplanten Grossfusionen in den Weg?

Wird Donald Trump als US-Präsident grosse Fusionen verhindern oder eher befördern? Experten sind darüber uneins, kurzfristig dürfte die Unsicherheit aber zulasten neuer Ankündigungen gehen.
10.11.2016 19:35
Ist die Übernahme der US-amerikanischen Monsanto durch die deutsche Bayer gefährdet?
Ist die Übernahme der US-amerikanischen Monsanto durch die deutsche Bayer gefährdet?
Bild: ZVG

"Ich denke, bei vielen Deals wird jetzt für eine bestimmte Zeit der Pausenknopf gedrückt, bis wir mehr Klarheit bekommen, ob Präsident Trump eher moderat oder störend sein wird, wie manche erwarten", sagt ein hochrangiger Banker von der Wall Street, der namentlich nicht genannt werden will, der Nachrichtenagentur Reuters. Bis dahin werde es für viele Wirtschaftslenker und Banker schwierig.

Für Verunsicherung sorgen vor allem Trumps harte Worte im Wahlkampf und seine oft widersprüchlichen Ansätze. Bei einer geplanten Mega-Übernahme war der umstrittene Republikaner aber klar. Er will den 85 Milliarden Dollar schweren Kauf des Medienkonzerns Time Warner durch den Telekom-Riesen AT&T verhindern. Zu Time Warner gehören unter anderem der Pay-TV-Sender HBO, der Nachrichtenkanal CNN und das Filmstudio Warner Bros. Laut Trump würde nach dem Deal zu viel Macht bei einer Firma gebündelt sein. AT&T-Finanzvorstand John Stephens sagte nach dem überraschenden Wahlerfolg des Immobilien-Milliardärs, sein Unternehmen sei optimistisch, grünes Licht von den zuständigen Behörden zu bekommen. An der Börse nimmt die Skepsis allerdings zu.

Trump mit Medien generell im Clinch

A propos Medienbranche: Der 70-jährige Trump, der im Januar Barack Obama im Weissen Haus ablösen wird, will nach eigener Aussage auch die Übernahme von NBC Universal durch den Kabelkonzern Comcast wieder aufbrechen, die eigentlich schon 2013 abgeschlossen wurde. Kartellrechtliche Massnahmen hat er auch Amazon angedroht, dessen Chef die traditionsreiche Zeitung "Washington Post" gehört. Mit den genannten Medien liegt Trump im Clinch. Es werde befürchtet, dass er die Behörden für einen privat motivierten Rachefeldzug nutzen könne, klagt ein Kartellexperte, der ebenfalls anonym bleiben will. Zudem wird befürchtet, dass Trump bei seinem industriepolitischen Kurs auch immer die Interessen seines eigenen Firmengeflechts im Hinterkopf haben könnte.

Der Präsident entscheidet in den USA zwar nicht selbst, ob eine Transaktion gegen das Kartellrecht verstösst. Deswegen aber werden der Besetzung des Justizministeriums und der Wettbewerbsbehörde FTC grosse Bedeutung zukommen.

Auch Technologiebranche kanns treffen

Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet bei Finanzhäusern, die auf die Beratung von Fusionen und Übernahmen spezialisiert sind mit einem möglichen Ergebniseinbruch von 20 bis 30 Prozent. Andere Experten an der Wall Street verweisen darauf, dass Trumps künftige Politik zum Handel, zu Steuern und der Energiebranche unklar sind - und zulasten von Zusammenschlüssen gehen könnten.

Treffen könnte es auch die liberale Technologiebranche. "Die Techs waren überwiegend auf der Seite von Hillary Clinton. Wir gehen davon aus, dass Trump das in Erinnerung behält", sagt Analyst Jonathan Chaplin vom Finanzhaus New Street. Die grossen Anbieter der Branche sitzen fast alle in Kalifornien, das fest in der Hand der Demokraten von Trump-Rivalin Clinton ist.

Protektionismus als Risiko für Ausland-Deals

Im Fokus dürften auch grenzüberschreitende Deals stehen, nachdem Trump im Wahlkampf einen protektionistischen Kurs zum Schutz von US-Firmen angekündigt hat. Das könnten nun Chinesen, aber auch Europäer zu spüren bekommen. "Wenn man vor sechs Monaten einen grenzüberschreitenden Deal plante, hat man Handelsbarrieren, Protektionismus und Zölle nicht wirklich in Erwägung gezogen", sagt Investmentbanker Johs Worsoe. Jetzt müsse man darüber nachdenken und die Risiken mit ins Kalkül ziehen. Geplant ist unter anderem die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Pharma- und Chemiekonzern Bayer.

Es gibt aber auch Stimmen, die darauf vertrauen, dass Trump als Geschäftsmann und Republikaner einen wirtschaftsfreundlichen Kurs einschlagen wird. "Wir glauben, dass Trump ziemlich gut wird für den Markt mit Fusionen und Übernahmen", sagt Fondsmanager Roy Behren von Westchester Capital Management. Er stehe für die Wirtschaft und freie Märkte - zumindest innerhalb der USA.

(Reuters)