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Stösst die VAT-Aktie an ihre Grenzen?

Seit dem Börsengang im April geht es mit der Aktie der VAT Group stetig aufwärts. Was den Titel so erfolgreich macht und warum die Wachstumsstory bald ein Ende finden könnte.
29.08.2016 15:15
Von Pascal Züger
VAT ist der weltweit führende Hersteller von Vakuumventilen.
VAT ist der weltweit führende Hersteller von Vakuumventilen.
Bild: ZVG

Von so einem Börsendebüt wagt wohl kaum eine Firma zu träumen: Ein Kursanstieg von 43 Prozent innerhalb von nur viereinhalb Monaten seit dem Börsengang. Und das in einem Zeitraum, in dem der gesamte Swiss Performance Index (SPI) nur 3 Prozent zulegen kann.

Gelungen ist dies Vakuum Apparate Technik oder kurz VAT mit Haupsitz in Haag im Rheintal. Keine anderes IPO in den letzten zwei Jahren kann mit dieser Performance auch nur annähernd mithalten (siehe Tabelle unten). Hier die beeindruckende Kursentwicklung des VAT-Titels grafisch dargestellt:

Kursentwicklung der VAT-Aktie seit dem Börsengang vom  14. April 2016. Quelle: cash.ch

Die ersten Halbjahreszahlen seit dem Börsengang im April, die am 25. August vorgelegt wurden, haben vollends überzeugt: Der Umsatz stieg zur Vorjahresperiode um ganze 16 Prozent und der Reingewinn belief sich auf 24,2 Millionen Franken, nach lediglich 1,1 Millionen im Vorjahr.

Anleger dürften vor allem am positiven Ausblick für den weiteren Jahresverlauf ihre helle Freude gehabt haben: VAT geht von einem Umsatzwachstum von 12 bis 15 Prozent aus und erhöht wegen des erwarteten hohen freien Cashflows das Dividendenziel auf 80 Millionen Franken - nach ursprünglich 65 Millionen Franken. Dividende und Wachstum - eine Traumkombination für jeden Anleger.

VAT stellt Vakuumventile her, die vor allem in der Halbleiterindustrie und bei der Produktion von Bildschirmen verwendet werden. Mit einem Marktanteil von 40 Prozent ist man weltweit unangefochtener Branchenleader - der grösste Konkurrent bekommt gerade mal noch 5 Prozent des Kuchens. Megatrends wie Big Data, Internet der Dinge, Industrialisierung 4.0 oder Technologien wie OLED führten zu einem zunehmenden Bedarf an modernen Fertigungstechnologien und damit Vakuumkomponenten.

Die Firma, die 1965 als Familienunternehmen gegründet wurde, ist in einem zukunftsträchtigen Markt tätig, hat eine sehr starke Wettbewerbsposition und weist eine hohe Marge auf. Aufgrund der Komplexität der Materie und des grossen Know-how ist auch die Gefahr von Marktneueintritten gering.

Zyklische Schwankungen im Wachstum

Das alles klingt sehr verlockend für Investoren. Doch Kaufempfehlungen für die VAT-Aktie sucht man trotz - oder gerade wegen - dieser sehr guten Aussichten vergebens: Credit Suisse, St. Galler Kantonalbank (SGKB), Bank Vontobel und UBS haben den Titel allesamt auf "Halten" gesetzt.

Keiner der Experten traut dem Titel mehr ein allzu starkes Kurswachstum zu. Das hat seinen Grund: Die Aktie ist mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 bereits sehr teuer bewertet. Ausserdem wird der eine oder andere Anleger auch ob der hohen Ziele von VAT misstrauisch - bei so hohen Vorhersagen ist durchaus Enttäuschungspotenzial vorhanden.

Sollten die Wachstumserwartungen plötzlich nach unten korrigiert werden, würde dies auch die Aktie zu spüren bekommen. Und in einem Kommentar äussert sich Tobias Kistler, Analyst der SGKB, tatsächlich sehr skeptisch zum weiteren Wachstum: "Momentan befindet sich die Endnachfrage an VAT-Produkten in einem zyklischen Hoch, was unserer Meinung nach kurzfristig anhalten wird." In der mittleren Frist geht er aber von einem tieferen Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent aus. 

Stossen Grossaktionäre Aktien ab?

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Besitzerstruktur. 2014 wurde VAT von den beiden Private-Equity-Firmen Capvis und Partners Group übernommen, die zusammen einen Aktienanteil von 45,8 Prozent besitzen. Am 14. Oktober läuft nun für die beiden Grossaktionäre die Verkaufssperrfrist ihres VAT-Aktienpakets ab. Bei einem Verkauf könnten sie in Anbetracht des Kursverlaufs einen saftigen Gewinn einfahren.

Aus Angst davor, dass einer dieser beiden Grossinvestoren tatsächlich abspringen könnte, dürfte der Aktienkurs unmittelbar vor diesem Datum unter Druck kommen. "Praktikus" von der Finanz und Wirtschaft geht aber davon aus, dass zumindest einer dieser Firmen VAT treu bleiben wird, wie er in seiner Kolumne vom 27. August berichtet. 

Der mögliche Kursknick unmittelbar vor Ablauf der Sperrfrist kann aber umgekehrt auch eine Chance für Neueinsteiger sein: Es würde den Titel etwas günstiger machen und könnte - sollte die Abstossung der Aktienpakete ausbleiben - wieder zu einer schnellen Kurserholung kommen.

Börsengänge an der Schweizer Börse seit 2015

Titel Börsengang Performance seit Börsengang (in %) Performance 4 Wochen (in %)
Investis 30.06.2016 4,7 -0.4
VAT Group 14.04.2016 43,0 13,7
Wisekey 31.03.2016 7,5 -9,1
Cassiopea 01.07.2015 -16,0 -5,7
Plazza 26.06.2015 13,5 2,2
Sunrise 06.02.2015 -9,0 10,6

Quelle: cash.ch, Stand 29.08.2016

(Mit Material von AWP)