Strafzins für Sparer: Sprechen sich Banken ab?

Keine Schweizer Bank will als erste ihre Kunden mit direkten Negativzinsen auf Spar- und Privatkonten vergraulen. Deshalb kursieren Spekulationen, dass Banken mit einer gemeinsamen Aktion vorgehen könnten.
30.01.2015 01:00
Von Ivo Ruch
Die Kosten fürs simple Sparen nehmen laufend zu.
Die Kosten fürs simple Sparen nehmen laufend zu.
Bild: Bloomberg

Zinsen über 1 Prozent sind für Sparer schon lange nur noch ein Wunschtraum. Seit der Einführung von negativen Einlagezinsen durch die SNB wälzen Banken noch zusätzliche Kosten in unterschiedlicher Form auf Kunden ab (cash berichtete). Inhaber von Spar- und Privatkonten fragen sich nun bange, ob und wann Banken in der Schweiz einen direkten Strafzins für die Einlagen der Sparer verlangen.

Sicher ist: Geht eine Bank alleine vor und verlangt auf breiter Front Negativzinsen, drohen ihr Imageverlust und der Abfluss von Kundengeldern. Die unabhängige Vermögensberaterin Anita Rüegsegger von Rüegsegger Vermögensarchitektur vermutet vor diesem Hintergrund: "Die Banken sprechen sich untereinander ab. Es wird kaum eine Bank alleine vorpreschen", wie sie gegenüber cash sagt.

Unsicher ist hingegen der Zeitpunkt einer solchen konzertierten Aktion. Florian Schubiger von Vermögenspartner rechnet mittel- bis langfristig damit, dass Banken Strafzinsen an Private weiterreichen. "Es ist offensichtlich, dass Spargelder für Banken aktuell nicht interessant sind". Entscheidend wird sein, wie lange die Nationalbank ihre Negativzinsen aufrecht erhält und wie sich das Zinsumfeld allgemein entwickelt. Zu Ersterem gehen die Meinungen weit auseinander (stimmen Sie ab in der cash-Umfrage).

Nicht alle gleich betroffen

Dabei sind in der Schweiz nicht alle Banken vom SNB-Entscheid gleichermassen betroffen. Nicht alle müssen Negativzinsen entrichten: Die SNB will nur jenen Anteil mit 0,75 Prozent "strafverzinsen", der einen gewissen Freibetrag übersteigt. Dieser beträgt das Zwanzigfache der Mindestreserve, welche die SNB verlangt. Bei Grossbanken ist die Freibetrag umso grösser.

So trifft es von den grossen Instituten die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und die Postfinance. Sie büssen dafür, dass ihnen in den letzten Jahren überproportional viele Kundengelder zuflossen. Ebenfalls betroffen sind Auslandbanken, also Töchter von ausländischen Banken, weil diese einen tieferen Freibetrag haben als die Schweizer Institute. Die ZKB reicht Strafzinsen bereits an ihre Grosskunden weiter. Genauso wie die UBS und die Credit Suisse, die selbst keine Negativzinsen zu entrichten haben.

Bankiervereinigung winkt ab

Wohl aus diesem Grund rechnet die Schweizerische Bankiervereinigung, die quasi-offizielle Stimme des Schweizer Finanzplatzes, nicht mit einer Aktion der Banken gegen Sparer: "Ich gehe nicht davon aus, dass Kleinkunden in absehbarer Zeit mit Negativzinsen rechnen müssen", schreibt Sprecher Thomas Sutter auf Anfrage von cash.

Derselben Meinung ist auch André Bantli von Blackrock Schweiz. Der Leiter des Privatkundengeschäfts sieht momentan keine Anzeichen, dass der Negativzins für Privatanleger in den nächsten Monaten Tatsache wird. Aber auch er konstatiert eine zunehmende indirekte Belastung von Sparkonto-Inhabern. "Bargeld wird somit unattraktiver denn je", so Bantli.

Drei Optionen für Kontoinhaber

Was können Kontoinhaber tun, falls ihr Zins einst doch ins Negative fällt? Sarah Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt betroffenen Sparern, sich dagegen zu wehren und den Entscheid nicht einfach zu akzeptieren. "Denn das Sparkonto galt bislang immer als sicherster Ort für die Aufbewahrung von Geld", so Stalder zu cash. Nützt das nichts, ist ein Kontowechsel angebracht – sofern es dann noch attraktive Alternativen gibt.

Als dritte Option würde sich die Verlagerung des Bargeldes in einen Tresor oder ein Bankfach anbieten. Allerdings nur unter der Bedingung, dass der finanzielle und administrative Aufwand den Negativzins nicht übersteigt. Sparer müssten sich schlussendlich fragen, wie viel ihnen Sicherheit wert ist, sagt Vermögensberaterin Rüegsegger.

Als Vorlage für Schweizer Banken könnte Deutschland dienen. Seit September verlangt die Europäische Zentralbank einen negativen Einlagezins von 0,2 Prozent. Doch bisher hat noch keine deutsche Bank diese Kosten direkt an ihre Privatkunden weitergegeben. Allerdings unterscheidet sich die Schweiz in einem wichtigen Punkt von Deutschland: Der Negativzins der SNB beträgt fast das Vierfache.