Strategin von J.P. Morgan Asset Management«Die Rekordhochs basieren auf Fundamentaldaten»

Trotz hohen Bewertungen sieht Marktstrategin Nandini Ramakrishnan noch Potenzial bei Aktien. Im cash-Interview sagt sie auch, weshalb die Notenbanken mit dem Ende der Geldschwemme nicht für Unruhe sorgen werden.
12.10.2017 00:02
Von Pascal Züger, London
Nandini Ramakrishnan, Global Market Strategist, J.P. Morgan Asset Management.
Bild: cash

In diesem Jahr fallen die Rekordhöchststände an den Aktienmärkten gleich reihenweise: So geschehen etwa beim Swiss Performance Index, Dax, Dow Jones, S&P 500 und MSCI World, um nur einige zu nennen. Das freut zwar diejenigen, die investiert sind. Doch mehren sich auch die Stimmen, die Aktien für überteuert halten und vor einer stärkeren Korrektur warnen.

An einen Börseneinbruch glaubt Nandini Ramakrishnan, Global Market Strategist bei J.P. Morgan Asset Management derzeit nicht: "Die vielen Rekordhochs sind ziemlich beeindruckend, basieren aber auf Fundamentaldaten", sagt sie im Video-Interview mit cash. Das Gewinnwachstum der Unternehmen sowohl in Europa, als auch in den USA, sei so stark wie in den letzten zwei Jahren nicht. "Deswegen sehen wir diese Rallye am Aktienmarkt".

Und das Wachstum könnte noch weitergehen: Zumindest deuten zahlreiche Einkaufsmanagerindizes (PMI) - sie gelten als zuverlässige Frühindikatoren für einzelne Volkswirtschaften - darauf hin. Auch die Schweiz notierte im September mit einem PMI von 61,7 auf dem höchsten Stand seit Februar 2011. Seit vier Monaten kenne der PMI nur die Richtung nach oben, obwohl er bereits im Frühling auf Ständen notierte, die bisher nur in Boom-Zeiten erreicht worden sind, schrieb die Credit Suisse Anfang Oktober.

Finanzwerte und Zykliker interessant

Was haben diese positiven Daten für Auswirkungen? "Das muss schon fast zu einem höheren Gewinnwachstum der Unternehmen führen und wir glauben, dass dies die Aktienmärkte durch das restliche 2017 und auch hinein ins Jahr 2018 antreiben wird", so Ramakrishnan.

Doch auch die in London ansässige Marktstrategin hält die Aktienmärkte inzwischen für etwas teuer, weshalb sie ein selektives Vorgehen bei der Aktienwahl gegenüber der Investition in einen ganzen Index vorzieht. Sie nennt zwar keine Einzeltitel, sieht aber derzeit vor allem Potenzial bei Finanzwerten aus den USA sowie bei europäischen Titeln, die speziell von einem starken Wachstum in der Eurozone profitieren.

Mit dem letzten Punkt dürfte sie Zykliker gemeint haben. In Europa gelten etwa die Technologiebranche, die Industrie und die Autohersteller als typische zyklische Sektoren.

Vermiesen Notenbanken die Börsenparty?

Für ein Ende der Börsenhausse könnten die Notenbanken sorgen: Nachdem die amerikanische Federal Reserve in diesem Monat sogar mit dem schrittweisen Liquiditätsentzug begonnen hat, bahnt sich auch ein Ende der Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Die EZB könnte 2018 ihr Anleihenkaufprogramm auslaufen lassen.

Wird das die Märkte beeinflussen? "Gewiss wird es dadurch weniger Liquidität, weniger Kredite und weniger Geld im Umlauf haben", sagt Ramakrishnan. "Aber das Ganze ist nicht so drastisch." Die Zentralbankenbilanzen hätten sich die letzten acht Jahre so stark aufgebläht, dass diese Massnahme der EZB nur eine kleine Reduktion darstelle, um auf ein Level zu kommen, welches für die Wirtschaft der Eurozone gut sei.

Im cash-Video-Interview sagt Nandini Ramakrishnan auch, was in den nächsten Monaten die Börse abgesehen von den Notenbanken treiben wird und wieso sie derzeit nicht auf Obligationen setzt.

Das Gespräch wurde während einer Pressereise in London aufgezeichnet, zu der J.P. Morgan Asset Management eingeladen hatte.