Strukturierte Produkte - Ein Zertifikat signalisiert Comeback der aktiven Aktien-Investoren

Die aktive Aktienauswahl gewinnt wieder an Popularität - zumindest wenn man sich einige US-Investoren im Bereich der strukturierten Papiere ansieht.
12.02.2017 09:55
Kehren aktiv investierende Aktienmanager auf die Erfolgsspur zurück?
Kehren aktiv investierende Aktienmanager auf die Erfolgsspur zurück?
Bild: pixabay.com

Mitte Januar verkaufte etwa Bank of Montreal (BMO) ein Zertifikat im Rekordvolumen von 310,2 Mio. Dollar, dem Aktien zugrundeliegen, die von den Analysten von Raymond James Financial ausgewählt wurden. Es war die grösste Transaktion dieser Art aller Zeiten und das grösste strukturierte Papier in 15 Monaten, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Die kanadische Bank hatte weitere 250 Mio. Dollar der Papiere im Dezember abgesetzt. Das legt den Schluss nahe, dass einige Investoren in diesem Bereich über Indizes als Investment-Ideen hinausblicken und inzwischen engere Auswahlkriterien bevorzugen. 

Analysten von Citigroup und Goldman Sachs  sind der Meinung, dass 2017 das Jahr werden könnte, in dem aktiv investierende Aktienmanager auf die Erfolgsspur zurückkehren – nachdem es ihnen zuletzt nur selten gelungen war, die Entwicklung von börsennotierten Fonds (ETF) und Indexfonds zu schlagen. Das Umfeld von Profis, die Aktien "von Hand" auswählen, verbessert sich, weil sich die Korrelation zwischen Aktien verringert und die Dispersion – der Unterschied zwischen Erträgen in Sektoren – zunimmt.

“Investoren können den S&P 500 Index zwar selbst kaufen. Doch jetzt wollen sie etwas anderes“, sagt Tom Balcom, Gründer von 1650 Wealth Management im US-Bundesstaat Florida. „Sie erwärmen sich für Aktien-Picker.“

Gleichgewichteter Korb von 17 Aktien

Die einjährigen BMO-Papiere bilden einen gleichgewichteten Korb von 17 Aktien ab, die von der Analysten-Abteilung bei Raymond James ausgesucht wurden, wie aus dem Prospekt hervorgeht. „Es sind nicht nur die Giganten in der Branche, über die die Kunden etwas hören wollen”, sagt Eric Yates, Direktor für strukturierte Aktien-Produkte bei der Gesellschaft. „Wir verfolgen einen breiteren Ansatz in die kleineren Unternehmen hinein.“

Der Aktien-Korb reicht von der 3,3 Mrd. Dollar schweren Oasis Petroleum und der 4,02 Mrd. Dollar schweren CyrusOne bis hin zu Microsoft mit einem Marktwert von rund 503 Mrd. Dollar, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Ein Korb der 2016 vom Unternehmen ausgewählten Aktien brachte es nach Angaben von Raymond James auf einen Ertrag von 15,8 Prozent im vergangenen Jahr. Damit schlug er den S&P 500 Index um rund drei Prozent unter Berücksichtigung reinvestierter Dividenden.

Drei Prozent der Erträge der Papiere gehen für Gebühren ab. Das heisst, Investoren bekommen 97 Prozent des Korb-Zugewinns, wie aus dem Prospekt hervorgeht. Oder in anderen Worten: die Papiere müssen einen Ertrag von 3 Prozent erzielen, bevor die Käufer etwas von der Entwicklung haben. Die strukturierten Papiere, die an Kunden von Raymond James verkauft werden, sind laut Yates für kleinere Investoren gedacht, für die der Kauf der einzelnen Aktien mit viel Mühe verbunden wäre.

“Bei den grössten Markt-gebundenen strukturierten Transaktionen in den vergangenen Jahren handelte es sich um Jahres-Strategien, die für spezielle Vertriebs-Plattformen geschneidert wurden“, sagt Keith Styrcula, Präsident des Branchenverbands Structured Products Association.

(Bloomberg)