«Studium der Aktienkurse macht wahnsinnig»

Unterhaltsam, widersprüchlich, lehrreich: Börsenweisheiten gibt es schon so lange wie die Börse selbst. Eine Zusammenstellung von cash.
12.09.2014 16:30
Von Daniel Hügli
André Kostolany ist der Grossmeister der Börsenweisheiten. Seine Sprüche haben Generationen von Anlegern geprägt.

«Für den Erfolg an der Börse
braucht es die vier G: Geld,
Gedanken, Geduld und Glück.»

Dieser Spruch stammt von André Kostolany, dem Grossmeister der Börsensprüche. Obwohl seit 1999 tot, werden die Statements des Ungarn-stämmigen Journalisten und Vermögensverwalters noch heute häufig zitiert. Kostolany stellte sich auf den Standpunkt, dass Anleger ihre Investments 1. verstehen und 2. Geduld haben sollten. Sinngemäss geht seine oben zitierte Weisheit weiter: «Wer langfristig immer die ersten drei G befolgt, der hat früher oder später auch das notwendige Glück.» Kostolany hielt die Massenpsychologie für die wichtigste Grundvoraussetzung dafür, um das Handeln der Börsianer zu verstehen:

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«Die Kursentwicklung hängt allein davon ab,
ob mehr Idioten als Papiere
da sind oder mehr Papiere als Idioten.»

Wieder Kostolany. Ob er mit seinen Anlagen - er handelte mit Aktien, Rohstoffen, Anleihen und Optionen aller Art - reich wurde, weiss niemand so recht. Er habe mit seinen Spekulationen zu 49 Prozent verloren, aber zu 51 Prozent gewonnen. Und von dieser Differenz habe er ganz gut gelebt, sagte er einmal.

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«Hin und Her macht die Taschen leer.»

Diese durchaus ernst zu nehmende Börsenweisheit spielt nicht bloss auf die Tatsache an, dass sich bei häufigen Aktienkäufen und -verkäufen die Gebühren summieren. Auch strategieloses Handeln und nervöses Umschichten kann die Taschen des Investors leeren.

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«The trend is your friend.»

Eine der wichtigsten, aber auch gefährlichsten Börsenregeln. Der Trend eines Aktienkurses oder eines Index kann ein Freund des Anlegers sein, wenn es deutliche Signale steigender Kurse gibt - zum Beispiel die lockere Geldpolitik der Zentralbanken in den letzten Jahren. Der Trend wird zum Feind, wenn Anleger Aktien kaufen, weil sie jeder kauft. Die Folge des Herdentriebs sind Bildung von Preisblasen, die zumeist ein unschönes Ende nehmen.

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«Never touch a fallin knife.»

Greife nie in ein fallendes Messer - das Gegenteil der vorherigen Börsenregel. Oft kaufen Investoren Wertpapiere, deren Preise seit Tagen oder Wochen fallen - im Glauben, man erwische den richtigen Zeitpunkt einer Trendumkehr. Nicht selten sinkt das Wertpapier aber noch weiter, und der Anleger büsst sein eingegangenes Risiko mit einer Wartezeit von Monaten bis Jahren, bis der Einstiegspreis wieder erreicht ist - wenn überhaupt.

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«Buy on bad news, sell on good news.»

Wieder eine andere Sichtweise und das Gegenteil der Trend-Regel und der Messer-Weisheit: Kaufe Wertpapiere bei schlechten News, verkaufe sie bei guten Nachrichten. Ein riskantes Unterfangen, denn Phasen fallender Kurse können länger andauern, als einem lieb sein kann. Nur für erfahrene und risikofreudige Anleger.

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«Kaufen, wenn die Kanonen donnern.»

Eine etwas zynische Börsenregel des deutschen Bankiers Carl Mayer Rothschild (1820-1886). Demnach sollte man Aktien vor allem in Zeiten von Krisen und Kriegen kaufen. Rothschilds Regel bewahrheitete sich im Irak-Krieg, der am 20. März 2003 ausbrach. Zunächst fiel der Dow-Jones-Index nach Beginn der Kampfhandlungen noch ein paar Tage, begann dann aber zu steigen und legte eine Rally hin, die bis zur Finanzkrise im Jahr 2007 andauerte.

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«Wette nie gegen die Notenbank.»

Die Börsenweisheit beruht auf der Tatsache, dass Notenbanken am längeren Hebel sitzen als die restlichen Marktakteure. Vor allem die US-Notenbank hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder aggressiv die Leitzinsen gesenkt - und damit meist steigende Börsen bewirkt. Daher sollten Anleger in solchen Phasen nicht auf fallende Aktienkurse wetten.

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«Investiere nur in eine Aktie, deren
Geschäft du auch verstehst.»

Eine der wichtigsten Börsenregeln der US-Investorenlegende Warren Buffett, der in seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway etwa Aktien von Lebenmittelherstellern, Zugunternehmen, Autoversicherern oder Lokalzeitungen führt. Buffett pflegt den klassischen Value-Ansatz: Unterbewertete Aktien kaufen und möglichst lange halten. Ein Investor muss dabei auch Rückschläge verkraften können. Daher Buffetts weitere Regel:

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«Kaufe nie eine Aktie, wenn
du nicht damit leben kannst, dass
sich der Kurs halbiert.»

Eine umstrittene Regel, die besagt, dass man im Monat Mai Aktien verkaufen und im September an die Börse zurückkehren soll, heisst:

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«Sell in May and go away.»

Hintergrund dieser Weisheit ist die früher oft beobachtete Sommerflaute an den Börsen und den damit einhergehenden fallenden Kursen. Heute stimmt das nicht mehr unbedingt, wie ein Blick auf die Sommer-Kursentwicklung der letzten 20 Jahre zeigt.

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«Buy the rumor, sell the fact.»

Kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten. Gerüchte, vor allem solche zu möglichen Firmenübernahmen, wirken in der Regel kurstreibend. Gerne springen dann Investoren auf den fahrenden Zug auf. Ein mitunter gefährliches Verhalten: Stellen sich die Gerüchte als falsch heraus, fallen die  zuvor gestiegenen Kurse jäh. Und der Investor hat den Verlust, falls er den richtigen Zeitpunkt zum Verkaufen nicht erwischt hat.

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«Niemand war je in der Lage,
die Börse vorherzusagen. Es
ist eine totale Zeitverschwendung.»

Diese Aussage des US-Investors und Buchautors Peter Lynch beruht auf seiner Feststellung, dass es noch nie ein Börsen-Timing-Experte in die Hitparade der reichsten Leute der Welt geschafft hat.

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«Drei Dinge treiben den Menschen zum
Wahnsinn. Die Liebe, die Eifersucht
und das Studium der Börsenkurse.»

Das Zitat von John Maynard Keynes lässt vermuten, dass nicht einmal einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts die Irrungen und Wirrungen der Börsen nachvollziehen
konnte.

Diese Sammlung von Börsenweisheiten finden Sie auch im Jubiläums-Magazin «cash VALUE Trading» 2014. Das Magazin können Sie gratis bestellen, als PDF herunterladen oder als ePaper lesen.