Sturmtief «Dorian» - Swiss Re und die Angst vor dem Monster-Sturm

Die UBS warnt bei Swiss Re vor möglichen Folgen im Zusammenhang mit «Dorian», nachdem das Sturmtief zu einem Hurrikan der Stärke fünf heraufgestuft wurde. Die Börse reagiert nervös, aber nicht panisch.
02.09.2019 11:43
Von Lorenz Burkhalter
Türschild von Swiss Re bei der Niederlassung in Toronto, Kanada (29.8.2011).
Türschild von Swiss Re bei der Niederlassung in Toronto, Kanada (29.8.2011).
Bild: Bloomberg

Schon am Freitagnachmittag stand die Aktie von Swiss Re unter starkem Verkaufsdruck. Bei Börsenschluss resultierte ein sattes Minus von 3 Prozent auf 95,16 Franken. Nach einem Vorstoss auf gut 97 Franken gibt die Aktie am Montag einen Teil der Kurserholung wieder preis. Zur Stunde gewinnt sie noch 1,2 Prozent auf 96,34 Franken.

Der Grund: Sturmtief "Dorian" nimmt Kurs auf den US-Bundesstaat Florida. Dort wurde der Notstand ausgerufen, stufte der dortige Wetterdienst das Sturmtief über das Wochenende doch zu einem Hurrikan der Stärke fünf von fünf herauf. Die Rede ist vom stärksten Wirbelsturm in der Region seit mehr als 80 Jahren. Dementsprechend gross ist die Angst vor grosser Zerstörung und hoher Kosten für Rückversicherer wie Swiss Re.

UBS erhöht ihre Schadenschätzungen

Noch am Freitag ging die UBS für "Dorian" von versicherten Schäden in Höhe von 15 Milliarden Dollar aus. Dabei verwies die Grossbank auf den Umstand, dass die Öl- und Gasindustrie an der Ostküste Floridas stark vertreten ist und die Region als gut versichert gilt. Mittlerweile wurde diese Schadensprognose auf 25 Milliarden Dollar erhöht.

Aus Sicht der UBS könnte Swiss Re von allen Rückversicherern am stärksten betroffen sein. Sie schliesst nicht aus, dass das Sturmtief das Katastrophenbudget des Zürcher Unternehmens für das dritte Quartal erodiert und die diesjährigen Gewinnschätzungen um bis zu 26 Prozent schmälert. Die Annahmen von Julius Bär für die versicherten Schäden und die Auswirkungen auf Swiss Re decken sich mit jenen der Rivalin.

Allerdings schliessen Beobachter nicht aus, dass die Kosten für Swiss Re und andere Rückversicherer gegebenenfalls sogar über den von der UBS und Julius Bär genannten Zahlen liegen könnten. Mit einer Dividendenkürzung oder der vorzeitigen Einstellung des Aktienrückkaufprogramms ist dennoch nicht zu rechnen. Denn wie die Bank Vontobel schreibt, handelt es sich bei Naturkatastrophen um ein von Modellen erfasstes Ereignis, für das es Rückstellungen gibt. Aus genau diesem Grund rechnet die Zürcher Bank nicht mit Auswirkungen auf die Ausschüttungspolitik von Swiss Re. Während die UBS die Swiss-Re-Aktie mit "Sell" und einem Kursziel von 88,50 Franken einstuft, empfiehlt sie die Bank Vontobel mit einem Kursziel von 117 Franken zum Kauf.

Swiss Re hinkt anderen Versicherungsaktien hinterher

Bei Morgen Stanley verweist man hingegen auf die hohen Prognoseunsicherheiten. Erste zuverlässige Einschätzungen seien erst möglich, wenn die Unwetterfront die US-Küste erreicht habe.

Wie die UBS weiter schreibt, hat das Sturmtief "Dorian" aber auch etwas Gutes für die Rückversicherungsindustrie. Milliardenhohe Kosten könnten die von der Grossbank auf rund 30 Milliarden Dollar geschätzten branchenweiten Überkapazitäten schmälern und sich so zukünftig in steigenden Prämienansätzen bemerkbar machen. Von diesen würde Swiss Re wiederum profitieren.

In den letzten Jahren erwiesen sich die Hoffnungen auf steigende Prämienansätze trotz einer Häufung kostspieliger Naturkatastrophen jedoch als voreilig.

Mit einem Kursplus von gut 5 Prozent in diesem Jahr bewegt sich die Swiss-Re-Aktie bei den Titeln aus dem Swiss Market Index (SMI) in etwa im Mittelfeld. Andere Versicherungsaktien wie jene von Zurich Insurance (+20 Prozent) oder Swiss Life (+24 Prozent) schnitten seit Jahresbeginn deutlich besser ab.