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Sunrise-Aktie endlich vor dem Durchbruch?

Gleich zwei mit dem Börsengang betraute Banken finden Gefallen am Mobilfunkunternehmen Sunrise. Die Kaufempfehlungen dürften Nachahmer finden und die Aktie endlich aus ihrem Dornröschen-Schlaf wecken.
18.03.2015 11:19
Von Lorenz Burkhalter
Die UBS macht den Anfang und empfiehlt die Sunrise-Aktie neu zum Kauf.

Seit dem beeindrückenden Kursfeuerwerk am ersten Handelstag liess sich mit der Aktie des Schweizer Mobilfunkkonzerns Sunrise nur mässig Geld verdienen: Mit einem Plus von knapp 4 Prozent blieb die Kursentwicklung weit hinter dem um 8,5 Prozent festeren Swiss Performance Index zurück.

Das könnte sich nun aber schlagartig ändern. Nach Ablauf der sogenannten "Blackout-Period" nehmen gleich zwei der mit dem Börsengang betrauten Banken die Erstabdeckung des Titels auf. Während die UBS Investmentbank die Aktie mit einem Kursziel von 90 Franken zum Kauf empfiehlt, tut dies die Deutsche Bank sogar mit einem Kursziel von 94 Franken.

Dividendenpolitik trifft den Nerv der Zeit

Als zweitgrösster Mobilfunkanbieter der Schweiz sei Sunrise in einem attraktiven Schlüsselmarkt tätig, so schreibt der für die UBS Investmentbank tätige Analyst. Die Regulierungen seien so milde wie in kaum einem anderen Land und die Bevölkerung wohlhabend und auf Qualität bedacht. Ins selbe Horn blässt die Analystin der Deutschen Bank. Auch sie weiss von rational agierenden Regulatoren und Konkurrenten zu berichten.

Für ihren Berufskollegen steht fest: Sunrise wird den Umsatz über die kommenden drei Jahre um jährlich 2 Prozent und den operativen Gewinn (EBITDA) sogar um 3 Prozent steigern. Beim für die Dividendenpolitik wichtigen freien Cash Flow sagt der Analyst dem Mobilfunkanbieter sogar signifikante Verbesserungen vorher. Er rechnet mit einer geringeren Kapitalbindung beim Umlaufvermögen und rückläufigen Finanzierungskosten und damit Raum für höhere Ausschüttungen an die Aktionäre.

Über die nächsten fünf Jahre sieht der Analyst insgesamt 1,4 Milliarden Franken an die Aktionäre zurückfliessen, was rund 40 Prozent der derzeitigen Börsenkapitalisierung des Unternehmens entspricht.

Angst vor härterem Wettbewerb übertrieben?

Der Schweizer Mobilfunkmarkt gilt als einer der lukrativsten überhaupt. Die hiesigen Anbieter lassen zwar gerne mal ihre Muskeln spielen, wie zuletzt Swisscom bei den Roaming-Tarifen für die umliegenden europäischen Nachbarländer. Dennoch gelten die hiesigen Mobilfunktarife als die höchsten weltweit. Selbst der Markteintritt von upc cablecom hat daran bis heute nichts geändert.

Allerdings könnte der Einstieg von Xavier Niel bei Orange Schweiz diese Idylle nun brechen. Denn mit seinem Telekommunikationskonzern Illiad rollte der milliardenschwere Unternehmer schon den französischen Mobilfunkmarkt innerhalb von gerademal zwei Jahren mit einer aggressiven Preispolitik von hinten auf. Es darf vermutet werden, dass Niel in der Schweiz ähnlich vorgehen wird.

Bei der UBS Investmentbank wird die Möglichkeit vor einem härteren Wettbewerb allerdings heruntergespielt. Aufgrund der hohen Verschuldung von Orange Schweiz und der überalterten Abonnentenbasis werde der drittgrösste Rivale keinen aggressiven Preiskampf führen, so ist sich der Analyst sicher.

Hauchen Kaufempfehlungen der Aktie neues Leben ein?

Er hält sogar für möglich, dass Sunrise und Orange Schweiz erneut versuchen, sich zusammenzuschliessen. Ein solches Vorhaben war in der Vergangenheit allerdings seitens der hiesigen Wettbewerbshüter in letzter Minute vereitelt worden. Sollte es dennoch zu einem Zusammenschluss kommen, sieht die Grossbank bei der Aktie von Sunrise sogar ein Aufwärtspotenzial auf bis zu 116 Franken.

Nach Ablauf der Sperrfrist für Analysten im Zusammenhang mit dem Börsengang von Anfang Februar sind schon in den nächsten Tagen weitere Erstabdeckungen zu erwarten. Dank der hohen Dividendenrendite wird sich der eine oder andere Analyst bestimmt zu einer Kaufempfehlung hinreissen lassen, was der Aktie zumindest vorübergehend neues Leben einhauchen könnte.

Für Anleger wird vor allem interessant zu sehen sein, das die nicht direkt mit dem Börsengang betrauten Banken über die Sunrise-Aktie zu sagen haben. Reaktionen aus diesem Lager dürften allerdings noch einige Tage auf sich warten lassen.