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Sunrise-Aktie hat Startschwierigkeiten

Nach einem fulminanten Börsendebüt bleiben bei der Aktie des Mobilfunkkonzerns Sunrise Anschlusskäufe aus. cash nennt die möglichen Gründe und sagt, ob die Aktie jetzt ein Kauf ist.
04.03.2015 08:43
Von Lorenz Burkhalter
Seit dem Einstieg von Xavier Niel bei Orange Schweiz ist der Himmel über Sunrise alles andere als wolkenlos.

Man darf durchaus von einem Traumstart sprechen: Gleich am ersten Handelstag kletterte die Aktie des Schweizer Mobilfunkkonzerns Sunrise auf 76 Franken. Das entspricht einem Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem erstbezahlten Kurs und liegt knapp 12 Prozent über dem Ausgabepreis von 68 Franken. An diesem Tag wechselten rund 8,4 Millionen Aktien die Hand.

Seit diesem fulminanten Einstand liess sich aus Anlegersicht allerdings kein Geld mit dem Börsenneuling verdienen. Während sich der breit gefasste Swiss Performance Index um 5,3 Prozent erholen konnte, fiel die Aktie von Sunrise sogar um 0,8 Prozent auf zuletzt 75,40 Franken.

Angst vor einem härteren Wettbewerb

Dass die Gründe für diese Entwicklung nicht unbedingt beim Unternehmen selber zu suchen sind, lässt der Rivale Swisscom erahnen. Die Aktie des unangefochtenen Schweizer Marktführers fristete nämlich ebenfalls ein Mauerblümchen-Dasein und gewann magere 1,1 Prozent auf 546,50 Franken.

Der Schweizer Mobilfunkmarkt gilt als einer der lukrativsten überhaupt. Die hiesigen Anbieter lassen zwar gerne mal ihre Muskeln spielen, wie zuletzt Swisscom bei den Roaming-Tarifen für die umliegenden europäischen Nachbarländer. Dennoch gelten die hiesigen Mobilfunktarife als die höchsten weltweit. Selbst der Markteintritt von upc cablecom hat daran bis heute nichts geändert.

Allerdings könnte der Einstieg von Xavier Niel bei Orange Schweiz diese Idylle nun zerstören. Denn mit seinem Telekommunikationskonzern Illiad rollte der milliardenschwere Unternehmer schon den französischen Mobilfunkmarkt innerhalb von gerademal zwei Jahren mit einer aggressiven Preispolitik von hinten auf. Es darf vermutet werden, dass Niel in der Schweiz ähnlich vorgehen wird. Die Angst vor einem härteren Wettbewerb ist daher nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Dividendenpolitik trifft den Nerv der Zeit

Anlässlich des Börsengangs von Sunrise hat der ehemalige Mehrheitsaktionär CVC Capital Partners seine Beteiligung auf 25,27 Prozent reduziert. Damit hat der Finanzinvestor deutlich mehr Aktien im Publikum platziert als ursprünglich geplant. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Mit dem Staatsfonds von Singapur und der US-Fondsgesellschaft Fidelity hat der Schweizer Mobilfunkkonzern inzwischen aber zwei bekannte Neuzugänge im Aktionariat erhalten.

In Erwartung geringerer Fremdkapitalkosten will Sunrise in Zukunft eine "attraktive und nachhaltige Ausschüttungspolitik für die Aktionäre" verfolgen. Konkret verpflichtet sich das Unternehmen für 2015 zu einer absoluten Dividende von 135 Millionen Franken. Ab 2016 will Sunrise mindestens 65 Prozent des eigenkapitalfreien Cashflows ausschütten.

Auf dem aktuellen Kursniveau errechnet sich eine attraktiv hohe Dividendenrendite von gut 4 Prozent, vergleichbar mit jener des Branchenprimus Swisscom.

Hauchen Kaufempfehlungen der Aktie neues Leben ein?

Schon bald läuft die Sperrfrist für Analysten im Zusammenhang mit dem Börsengang aus. Ab dann sind Erstabdeckungen für die Sunrise-Aktie zu erwarten. Dank der hohen Dividendenrendite wird sich der eine oder andere Analyst bestimmt zu einer Kaufempfehlung hinreissen lassen, was der Aktie zumindest vorübergehend neues Leben einhauchen könnte. Interessant wird vor allem zu sehen sein, wie die mit dem Börsengang betrauten Banken wie UBS, Deutsche Bank, Morgan Stanley oder Berenberg Bank den Börsendebütanten einschätzen.

Nach dem Einstieg des französischen Milliardärs Xavier Niel beim Rivalen Orange Schweiz ist hinter die Aktien von Swisscom und Sunrise auf längere Sicht allerdings ein Fragezeichen zu setzen. Denn ein härterer Wettbewerb hätte Folgen für die Gewinnentwicklung und damit auch für die zukünftige Dividendenpolitik.