Sunrise-Aktie verliert an Schwung

Die Veränderungen im Aktionariat des Mobilfunkanbieters Sunrise bescheren dessen Aktien ein Kursfeuerwerk. Da der Ausstieg des bisherigen Grossaktionärs Fragen aufwirft, setzen Gewinnmitnahmen ein.
18.03.2016 09:50
Von Lorenz Burkhalter
Der Mobilfunkanbieter Sunrise hat einen neuen Ankeraktionär: Ist eine Fusion mit Salt somit vom Tisch?
Der Mobilfunkanbieter Sunrise hat einen neuen Ankeraktionär: Ist eine Fusion mit Salt somit vom Tisch?
Bild: cash

Der Schweizer Mobilfunkmarkt gilt als der lukrativste der Welt. Und das nicht ohne Grund: Obschon viele Anbieter über die letzten Jahre Pauschal- und Paketabonnemente eingeführt haben, bezahlen die Konsumenten noch immer so viel wie nirgendwo sonst.

Die drei Marktführer, Swisscom, Sunrise Communications und Salt verwalten den Schweizer Mobilfunkmarkt wie ein Triumvirat. Leben und leben lassen, so lautet die Direktive.

Mit einem Marktanteil von knapp 27 Prozent ist Sunrise Communications die Nummer zwei in diesem lukrativen Markt. Seit vergangener Nacht ist nun bekannt, dass das Unternehmen mit Freenet einen neuen Ankeraktionär bekommt. Laut eigenen Angaben übernehmen die Deutschen rund 10,72 Millionen Sunrise-Aktien zum Stückpreis von 72,95 Franken vom bisherigen Besitzer, der britischen CVC Capital Partners.

Davon beflügelt gewinnt die Aktie an der Schweizer Börse SIX derzeit noch 4 Prozent auf 67,65 Franken. In der ersten Handelsstunde wurden noch Kurse von bis zu 71,40 Franken bezahlt.

Ausstieg des bisherigen Hauptaktionärs zeichnete sich ab

In Analystenkreisen werden die Veränderungen im Aktionariat von Sunrise Communications grundsätzlich begrüsst. Es könne für das Unternehmen nur von Vorteil sein, wenn ein derart namhaftes Aktienpaket von einem Finanzinvestor in die Hände eines "industriellen Käufers" wie Freenet wechsle.

Der Ausstieg des langjährigen Gross- und einstigen Alleinaktionärs CVC Capital Partners habe sich rückblickend schon zum Zeitpunkt der Publikumsöffnung im Februar letzten Jahres angekündigt, so heisst es weiter. Damals platzierte die britische Private Equity Firma einen deutlich grösseren Anteil ihres Aktienpakets als ursprünglich angekündigt.

Ist die Hochzeit mit Salt endgültig vom Tisch?

Für die Experten steht deshalb fest: Ein vollständiger Ausstieg von CVC Capital Partners war eigentlich nur eine Frage der Zeit und des Preises. Denn mehrere Ergebnisenttäuschungen und eine Gewinnwarnung liessen den Aktienkurs schon wenige Monate nach dem Börsengang unter den ursprünglichen Emissionspreis von 68 Franken fallen. Im Zuge des Börsenrücksetzers tauchte die Sunrise-Aktie Mitte Oktober sogar kurzerhand unter 50 Franken. Erst in den vergangenen Wochen näherte sie sich langsam wieder dem Emissionspreis.

Als treibende Kraft dahinter erwiesen sich Spekulationen, wonach sich die Nummer zwei im Schweizer Mobilfunkmarkt mit Salt, der Nummer drei, zusammenschliessen könnte. Ein solches Vorhaben wurde im Jahre 2010 schon einmal von der Eidgenössischen Wettbewerbskommission vereitelt. Auslöser dieser erneuten Spekulationen war die kürzliche Verpflichtung von Olaf Swantee als neuen Konzernchef und die Ernennung von Peter Kurer als zukünftigen Verwaltungsratspräsidenten. Beide gelten in Fachkreisen als Spezialisten für Firmenübernahmen und –zusammenschlüsse.

Es bleiben Fragen offen

Gemäss dem für die Bank Vontobel tätigen Analysten ist ein möglicher Zusammenschluss mit Salt mit dem Einstieg von Freenet bei Sunrise Communications aber noch immer nicht ganz vom Tisch. Schliesslich gebe es auf den ersten Blick keine offensichtlichen Synergien mit dem neuen deutschen Grossaktionär, so schreibt er. Grundsätzlich begrüsst der Experte die Veränderungen im Aktionariat. Seines Erachtens fällt mit dem Paketverkauf ein entscheidender Unsicherheitsfaktor weg. Die Sunrise-Aktie wird bei der Bank Vontobel weiterhin mit einem Kursziel von 85 Franken zum Kauf empfohlen. Darin enthalten sind 10 Franken für Synergien aus einem möglichen Zusammenschluss mit Salt.

Der Ausstieg von CVC Capital Partners wirft aber auch Fragen auf. Was führt der neue Ankeraktionär Freenet im Schilde und weshalb trennt sich CVC Capital Partners von einem Unternehmen, dessen Aktie an der Schweizer Börse als Rendite-Perle gilt? Auf Basis der diesjährigen Konsensschätzungen errechnet sich nämlich eine attraktiv hohe Free-Cash-Flow-Rendite von 9 Prozent (Vergleich Swisscom: 5,4 Prozent). Und hält der Mobilfunkanbieter sein Wort, beträgt die zu erwartende Dividendenrendite 5,2 Prozent (Vergleich Swisscom: 4,2 Prozent).