Swatch tickt anders als die Konkurrenz

Am Sonntag bringt Swatch zum 30-Jahr-Jubiläum ein neues Modell auf den Markt. Die innovative Technik sei dabei wichtiger als die Marge, sagt eine Expertin.
13.12.2013 00:55
Von Ivo Ruch
Die «Sistem51»: Neuste Kreation aus dem Hause Swatch.
Die «Sistem51»: Neuste Kreation aus dem Hause Swatch.
Bild: ZVG

Swatch beschenkt sich selbst. Aus Anlass seines 30-jährigen Jubiläums bringt der Westschweizer Uhrenkonzern am Sonntag sein neustes Modell "Sistem51" in der Schweiz auf den Markt – und vorerst nur in der Schweiz. Damit gelingt Swatch ein geschickter Marketing-Coup, wie ZKB-Analyst Patrik Schwendimann sagt: "Die Meldung vom Schweizer Verkaufsstart wird ziemlich sicher die Runde machen."

Der Start von "Sistem51" werde Swatchs Gesamtbild als innovatives Unternehmen sicherlich positiv beeinflussen, auch wenn die Aktie wohl kaum einen signifikanten Kurssprung machen werde, so Schwendimann. Der Swatch-Titel hat in diesem Jahr 23 Prozent zugelegt. Das ist deutlich mehr als der Swiss Market Index (SMI). Somit ist Swatch der beste Titel im Branchenindex der Schweizer Konsumgüter-Unternehmen.

Eine Erinnerung an die Anfangszeit

Die "Sistem51" läuft mit einem mechanischen vollautomatischen Uhrwerk und wird aus 51 Teilen zusammengebaut. Das sind gleich viele Komponenten, wie die allererste, allerdings quarzgesteuerte Swatch aus dem Jahr 1983.

80 Millionen Franken lässt sich Swatch dieses Geburtstagsgeschenk kosten. Diese Summe ist laut Schwendimann gut investiert. Denn neben dem erwähnten Marketing-Effekt sei die Entwicklung der neuen Uhr auch in technologischer Hinsicht von Bedeutung. "Die neue Automatik-Technologie dürfte mittel- bis langfristig auch in anderen Marken der Swatch-Gruppe Verwendung finden", so der ZKB-Experte. Das neue Automatikwerk wird zu 100 Prozent in der Schweiz hergestellt, allerdings ausschliesslich von Maschinen und Robotern.

Weil die "Sistem51" eine breite Konsumentenschicht anspreche, sei sie prädestiniert für weltweite Beliebtheit, sagt Scilla Huang Sun, die bei Swiss & Global Asset Management die Luxusgüter-Fonds betreut. Zu den Käufern könnten – trotz des technischen Aussehens - auch Frauen gehören. Denn es sei ein allgemeiner Trend feststellbar, dass sich im Luxusgüterbereich die geschlechterspezifischen Prioritäten immer mehr angleichen würden. "Frauen zeigen beispielsweise immer mehr Interesse an technischen Produkten wie mechanischen Uhren. Und Männer haben Freude an farbigen Kleidern", sagt Huang Sun zu cash.

«Swatch tickt anders»

Zudem trauen die beiden Experten "Sistem51" im immer wichtiger werdenden Markt China einiges zu. Im Oktober gingen die Schweizer Uhrenexporte nach China um 9 Prozent zurück. Swatch macht bereits einen bedeutenden Teil seines Umsatzes in China. Dort wächst die für den Konsumgütersektor wichtige Mittelschicht rasant an. Laut Prognosen sollen bis 2020 rund 57 Prozent der Bevölkerung zur Mittelklasse gehören.

Der internationale Verkaufsstart der "Sistem51" soll im ersten Quartal 2014 erfolgen und sie soll zwischen 140 und 150 Franken kosten. Bei einem Produktionswert von 20 Franken ergibt das eine interessante Marge. Eine möglichst hohe Marge sei aber selten der Antrieb für Produktinnovationen von Swatch, sagt Huang Sun. "Längerfristig sind innovative Uhren der Weg zur Profitabilität. Die Firma tickt in diesem Bereich anders als einige Konkurrenten", so Huang Sun.