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Swatch und Richemont  - Himmel über den Schweizer Luxusgüter-Aktien hellt sich auf

Der schwache China-Verkauf hatte den Luxusgüter-Aktien Swatch und Richemont zugesetzt. Die Kurse steigen nun wieder, und Anleger mit etwas Geduld können auf eine weitere Erholung setzen.
14.03.2017 06:40
Von Marc Forster
Swatch-Geschäft in Kowloon auf dem Festlandteil der Sonderverwaltungszone Hongkong.
Swatch-Geschäft in Kowloon auf dem Festlandteil der Sonderverwaltungszone Hongkong.
Bild: cash

Bei einem Gang durch die südchinesische Metropole Hongkong, Sonderverwaltungsgebiet der Volksrepublik, fällt unter anderem eines auf: Ein Geschäft für Schweizer Uhren nach dem andern. Ein Schaufenster reiht sich an das nächste, in denen Chronographen ausliegen, welche die meisten Marken in der Romandie produzieren lassen.

Die früher britische Kolonie ist der wichtigste Uhrenhandelsplatz der Welt. Nur: Gekauft werden die mechanischen Meisterwerke längst nicht mehr so häufig wie auch schon. Dies merken massgeblich die beiden SMI-Konzerne Swatch und Richemont. Swatch wird Ende dieses Monats die neuesten Uhren der verschiedenen Marken - darunter Harry Winston, Omega, Blancpain, Tissot und Swatch - an der Uhrenmesse Baselworld ausstellen (Richemont stellt an der Baselworld nicht aus, sondern präsentierte sich mit den Marken, zu denen IWC, Cartier, Panerai, Jaeger-LeCoultre und Van Cleef & Arpels gehören, an der Genfer Messe in Januar).

Das China-Problem ändern diese Messen grundsätzlich nicht. 2011 wuchsen die Schweizer Uhrenexporte nach Hongkong um 28,4 Prozent, 2012 noch um 6,8 Prozent. 2013 brachen Sie dann um 5,6 Prozent ein, 2015 um 22,9 Prozent. Erst kämpfte die chinesische Regierung gegen teure Bestechungsgeschenke an, dann ging der Konjunktur vor eineinhalb Jahren der Schwung aus.

Erfolge der Smartwatch verunsicherte die Schweizer Uhrenhersteller, die fast nur traditionelle Zeitmesser anbieten. Vergangenes Jahr verunsicherte die Terrorwelle die Reisebranche und liess die Verkäufe an die Touristen, vor allem aus China, einbrechen. Auch 2016 war kein gutes Jahr, wobei die Branche wieder optimistischer wird.

Swatch noch weit weg von Rekordhoch

Aktionäre scheinen diese Einschätzung zu teilen, denn bei beiden Luxusgüterkonzernen sind die Aktienkurse in den vergangenen Monaten gestiegen. Bei Swatch ist die Inhaberaktie aktuell 344 Franken wert. Das ist zwar weit weniger als die 2013 erreichten, rekordhohen 606 Franken. Aber immerhin 37 Prozent mehr als beim 7-Jahres-Tief von 246 Franken im vergangenen August. Die Richemont-Aktie hatte ein Mehrjahrestief mit dem Brexit-Knick Ende Juni bei 55,85 Franken und steht heute im Vergleich dazu mit 76,25 Franken mit einem um 42 Prozent erhöhten Kurs da.

Der Kurs der Swatch-Aktie in den vergangenen 12 Monaten (Grafik: cash.ch)

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Uhrenmärkte Hongkong und Festland-China zu alten Glanzzeiten zurückfinden, ist aus heutiger Sicht gering. Aber den Umständen entsprechend entwickeln sie sich wieder besser. Fondsmanager Michael Clements von Syz Asset Management investiert als Contrarian unter anderem in die Swatch-Aktie. Mittlerweile sieht er Potential.

"Seit August ist der Aktienpreis von Swatch durch eine bessere Stimmung gegenüber Luxusgütern getrieben worden." Die Trends im Grosshandel und bei den Verkäufen an die Kunden legten nahe, dass die Uhrenbranche vor allem in Festlandchina das Schlimmste hinter sich habe. Der Bereich "hard luxury", also Uhren und Schmuck, könne noch positiv überraschen: Dieses Segment des Luxusmarktes reagiere spät auf Zyklen. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wiederum hat in November das Rating von Unter- auf Übergewichten geändert und erwartet Schub für die Aktie, sobald Swatch zum Umsatzwachstum zurückfindet. Die Margen dürften sich indessen im zweiten Halbjahr verbessern.

Beide Konzerne sparen

Geteilt wird der Optimismus von Syz oder der ZKB nicht von allen Analysten: Im laufenden Jahr haben Berenberg, Kepler, Natixis und Société General eine Verkaufsempfehlung ausstehen. Wobei auch die dortigen Anlagestrategen zum Teil schreiben, die Lage habe sich verbessert. Vontobel empfiehlt "Hold" und schreibt klar, der Uhrenmarkt bleibe schwierig.

Sowohl Swatch als auch Richemont verzichten trotz der schwierigen Lage darauf, in ihren stark umkämpften Märkten die Marketingkosten zu reduzieren. In ihrer Wahrnehmung über Swatch lägen aber viele Analysten und Anleger falsch, schreibt überdies die ZKB: Wohl aber treten sie andernorts auf die Kostenbremse – auch Swatch, wo zum Teil der Anschein besteht, es würden trotz Durststrecke keine Mitarbeiter entlassen. Richemont baut nach eigenen Angaben 350 Stellen ab, während laut der ZKB bei Swatch durch Boutiquenschliessungen schon 600 Stellen weggefallen seien.

Die Aktien von Richemont stehen bei Analysten besser im Kurs als Swatch, weswegen auch eine grössere Zahl Kaufempfehlungen ausgestellt sind. Richemont erzielt rund die Hälfte des Umsatzes mit Schmuck, der mit guten Margen verkauft werden kann und der sich weniger krisenanfällig gezeigt hat als Uhren (Swatch erzielt 90 Prozent des Umsatzes mit Uhren, wobei auch Billig- und Mittelpreis-Marken im Sortiment sind, während Richemont nur Luxusmarken führt).

Die Richemont-Aktie seit März 2016 (Grafik: cash.ch)

Richemont ist daher breiter abgestützt für eine Erholung insbesondere der asiatischen Geschäfte. Der Swatch-Aktie haftet trotz Kursanstiegs in den vergangenen sieben Monate hingegen immer noch das Kontrarian-Flair an, was heisst: Vieles muss sich noch verbessern, aber da die Lage sich aber zu stabilisieren scheint, liegt in der Aktie noch Potenzial.