Swiss-Life-Chef Frost: «Aktie spiegelt unsere Gewinnqualität noch nicht»

Trotz guter Resultate ärgert Swiss-Life-Chef Patrick Frost die tiefe Bewertung der Aktie seines Unternehmens. Im cash-Interview erklärt er die höhere Dividendenprognose und sagt, ob der Versicherer bald eine Bank wird.
11.08.2016 13:49
Interview: Marc Forster
Patrick Frost ist seit Juli 2014 CEO der Swiss-Life-Gruppe.
Patrick Frost ist seit Juli 2014 CEO der Swiss-Life-Gruppe.
Bild: ZVG

Im ersten Halbjahr hat der Lebensversicherer und Vorsorgespezialist Swiss Life dank des nicht-traditionellen Geschäfts mehr verdient und die Gewinnerwartungen übertroffen. Patrick Frost, der die Gruppe seit Mitte 2014 leitet, will die Abhängigkeit vom angestammten Garantiegeschäft weiter reduzieren. Im Gespräch im cash sagt er, wo Herausforderungen bestehen und welche Geschäftszweige Erfolg versprechen.

cash: Das erste Halbjahr war einigermassen turbulent an den Finanzmärkten. Wie schafften Sie es, Swiss Life stabil zu halten und einen über Erwarten hohen Gewinn einzufahren?

Patrick Frost: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das Resultat des gebührenbasierten Geschäfts zu steigern und das ist uns gelungen. Die positive Entwicklung des operativen Gewinns ist primär durch das Geschäft mit diesen so  genannten 'Fees' zu erklären. Der Vorteil ist, dass wir damit weniger vom Anlageergebnis abhängig sind. Dieses ist netto und nicht annualisiert im ersten Halbjahr von 2 auf 1,6 Prozent zurückgekommen. Dies aufgrund tieferer Nettokapitalgewinne.

Wie setzt sich das Gebühren- oder Kommissionsgeschäft zusammen?

Es besteht aus drei Hauptquellen: Erstens das Asset Management, also die Vermögensverwaltung, zweitens der Vertrieb über Swiss Life Select. Diese beiden Bereiche entwickelten sich gut. Drittens erzielen wir auch Fees aus dem Versicherungsgeschäft, etwa durch Beratung. Und auch als Immobilienmakler haben wir unsere Stellung in der Schweiz deutlich ausgebaut.

Wie betreffen Swiss Life aktuell die Negativzinsen? Ganz schützen können Sie die Zinsmarge und die damit verbunden Risiken über das Bilanzmanagement und die Laufzeitenanpassung wohl nicht?

Ja, wir steuern die Zinsmarge über das Asset-Liability-Management, dies entspricht ja auch dem regulatorischen Standard und ist wirtschaftlich am sinnvollsten. Die Negativzinsen belasten natürlich unsere Wiederanlagerendite. Doch dank der langen Laufzeit unserer Anlagen müssen wir nur einen Teil der Vermögen, jeweils rund drei bis vier Prozent pro Jahr, auch tatsächlich wieder anlegen. Mit Dividenden, Coupons und Mieteinnahmen konnten wir dieses Halbjahr die direkte Anlagerendite konstant halten. Cash halten wir fast keines, da unser Geschäft auf Langfristigkeit ausgerichtet ist. Wir haben so bisher auch keine negativen Zinsen gezahlt. Aufgrund dieser konstanten direkten Anlageerträge und durch weiter Massnahmen wie Reservenverstärkungen und eines besseren Business-Mix ist es uns in den letzten Jahren gelungen, die Zinsmarge zu schützen – dies trotz fallender Zinsen. Darauf bin ich stolz.

Also treffen die Negativzinsen Swiss Life gar nicht so stark?

Am stärksten trifft es uns bei den Hedging-Kosten. Durch die Entscheidung der Nationalbank, den Zins auf -0,75 Prozent zu setzen, haben wir im Jahr um rund 250 Millionen Franken höhere Absicherungskosten. Wir spüren dies bei den Wechselkursabsicherungen. Und im Neugeschäft ist es mit Negativzinsen natürlich sehr viel schwieriger, Lebensversicherungsprodukte zu entwickeln, die sowohl dem Kunden dienen, aber auch unsere Margenziele zu erreichen helfen.

Werden die Kunden die Negativzinsen zu spüren bekommen? 

Man muss die Produktekonditionen anpassen, wenn die Zinsen so negativ sind. Langfristig müssten wir Produkte mit tiefen Kapitalgarantien, oder solche, die gar keine Kapitalgarantien enthalten, noch stärker in den Vordergrund stellen. Natürlich immer dann, wenn es dem Kunden Nutzen bringt. Viele dieser Produkte enthalten ja schon noch Garantien, aber diese liegen nur noch bei vielleicht 90 Prozent des Kapitals. Mit den Negativzinsen müssten wir diese Ratio noch weiter senken.

Sie wollen die Gewinnqualität verbessern. Wie bewerkstelligen Sie dies momentan?

Wir schauen natürlich, woher der Gewinn kommt. Die wichtigste Gewinnquelle ist immer noch das Sparresultat, also das Geschäft mit unserer Anlagekompetenz. Dies erfordert viel Kapitalunterlegung. Eine höhere Gewinnqualität haben das Fee-Geschäft und auch das Risiko-Resultat aus dem klassischen Leben-Geschäft. Diese sind wesentlich kapitaleffizienter und es ist sehr positiv, dass wir in diesen beiden Bereichen im ersten Halbjahr so gut unterwegs waren.

Der Aktienkurs ist seit Anfang Jahr um 15 Prozent gesunken. Wirkt sich die Verbesserung der Gewinnqualität auch bei den Investoren überhaupt positiv aus?

Swiss Life wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,8 Prozent bewertet. Meines Erachtens reflektiert dieses Level noch nicht die verbesserte Gewinnqualität und auch die Dividendenfähigkeit des Konzerns. Ich bin aber sicher, dass der Markt solide Arbeit auch honoriert.

Sind ihre Dividendenpläne noch intakt?

Gemäss der alten Strategie lag die Pay-Out-Ratio bei 20 bis 40 Prozent. Unsere letzte Dividende von 8,50 Franken pro Aktie bedeutete eine Aussschüttungsquote von leicht über 30 Prozent. In unserem neuen Unternehmensprogramm streben wir eine Pay-Out-Ratio von 30 bis 50 Prozent an. Wir haben angekündigt, dass die Dividende für dieses Jahr im unteren Bereich dieser Spanne zu liegen kommt.

Wäre auch ein Aktienrückkaufprogramm möglich?

Nein, davon haben wir uns immer distanziert. Wir wollen den Aktionären eine regelmässige und nachhaltige Dividende bieten. Ein Aktienrückkaufprogramm hat immer den Anstrich eines Einmal-Ereignisses.

Sie wollen als Wachstumsziel das Asset Management ausbauen. Ist Swiss Life irgendwann eine Bank?

Das Asset-Management-Geschäft ist ja kein klassisches Bankgeschäft, zumindest nicht im angelsächsischen Sinn. Wir haben im Asset Management etwa 80 Prozent grosse institutionelle Kunden, aber keine typischen Privatbank-Kunden, wie sie die Schweizer Banken haben. 20 Prozent des Asset-Management-Volumens wiederum richtet sich an Retail-Kunden, die wir im Aussendienst betreuen.

Eine Art Privatkunden haben Sie aber im internationalen Geschäft mit Versicherungsmänteln. Läuft dieses Geschäft mittlerweile profitabel?

Ja, es ist heute nachhaltig profitabel. Die Prämien sind leider deutlich zurückgegangen, wobei wir im Geschäft mit wohlhabenden Privatkunden eben nicht Volumen erzielen, sondern mehr Profitabilität erreichen wollen.

Sie gehen nun ins dritte Jahr als CEO der Swiss Life Group. Wollen Sie neue Ziele lancieren, Initiativen anstossen, Neuland betreten?

Wir konzentrieren uns auf die Umsetzung unserer Strategie 'Swiss Life 2018'. Hier stehen wir am Anfang und unsere Ziele sind ambitioniert. Weitere Initiativen würden uns nur unnötig ablenken.