Swiss Life überrascht mit Gewinnsprung

Der Lebensversicherer Swiss Life hat im ersten Halbjahr den Gewinn um fast 30 Prozent steigern können. Damit wurden die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen.
14.08.2013 07:30
Von Pascal Meisser
Swiss Life mit einem überraschend hohen Gewinn im ersten Halbjahr.

Swiss Life hat im ersten Halbjahr einen Reingewinn von 472 Millionen Franken erzielt. Erwartet wurde von den Analysten 369 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte der Lebensversicherer noch ein Plus von 361 Millionen Franken augewiesen. 

Ebenfalls besser als erwartet fiel das Betriebsergebnis aus. Erzielt wurden 688 Millionen Franken. Von den Investoren waren 531 Millionen Franken erwartet worden, etwas mehr als im Vorjahr (528 Millionen Franken). 

Das Geschäftsvolumen, bestehend aus Bruttoprämien, Policengebühren und erhaltene Einlagen wuchs um 5,4% auf 10,4 Mrd CHF. In Lokalwährungen belief sich das Wachstum gar auf 6%. Dabei hätten sämtliche Markteinheiten zugelegt, heisst es.

Das Eigenkapital betrug 8,8 Mrd CHF nach 10,2 Mrd Ende 2012. Die entsprechende Eigenkapitalrendite wird annualisiert und um nicht realisierte Kapitalgewinne mit 12,7% angegeben. Damit liegt dieser Wert über dem angestrebten Ziel einer Rendite von 8 bis 10%. Analysten hatten mit einem Eigenkapital von 9,39 Milliarden Franken gerechnet.

Die Solvabilitätsquote (ohne die nicht realisierten Gewinne/Verluste auf Anleihen) der Gruppe stieg seit Jahresbeginn auf 188% von 186%. Beim Swiss Solvency Test (SST) findet sich Swiss Life weiterhin im 'Grünen Bereich'. Mit den Kapitalanlagen hat die Gruppe im Halbjahr eine direkte Rendite von nicht annualisierten 1,7% nach 1,8% im Vorjahr erzielt.

Swiss Life habe im ersten Halbjahr 2013 die operative Schlagkraft weiter erhöht, wird Konzernchef Bruno Pfister in der Mitteilung zitiert. Dabei sei es mit einem strikten Margenmanagement und einem nochmals verbesserten Produktmix gelungen, die Neugeschäftsmarge auf 2% nach 1,4% Ende 2012 zu steigern. Mit dem Programm "Swiss Life 2015" sieht sich der Lebensversicherer auf Kurs.

Strategische Partnerschaft mit Valiant

An Montag hatte Swiss Life bekanntgegeben dass die Tochter Swiss Life Select (früher AWD) in Österreich mit dem Verein für Konsumenteninformation VKI die unter dem Begriff "Sammelklagen" hängigen Verfahren einvernehmlich beendet und damit einen Schlussstrich unter den seit Jahren laufenden Rechtsstreit gezogen hat. In diesem Verfahren wurde dem früheren Finanzdienstleister AWD von österreichischen Anlegern systematische Fehlberatung vorgeworfen. Die Vergleichssumme beläuft sich auf 11,1 Millionen Euro.

Mit der Bankengruppe Valiant ist die Swiss Life eine strategische Partnerschaft eingegangen. Ein entsprechender Rahmenvertrag soll bis im Herbst 2013 abgeschlossen werden, teilte Valiant Anfang August mit. Mit der Nutzung gemeinsamer Vertriebsstrukturen solle Valiant sowohl weitere Kosten senken können wie auch schweizweit weiter wachsen, sagte Valiant-VR-Präsident Jürg Bucher. Im Rahmen der Partnerschaft will Swiss Life auch eine "kleine Beteiligung an Valiant von unter 3 Prozent" übernehmen.

Die Kooperation kommt nicht ganz überraschend: Valiant hatte bereits im März über Gespräche bezüglich einer strategischen Kooperation berichtet, aber noch keine Namen genannt. Im Mai 2013 war dann der CEO der Swiss Life Schweiz, Ivo Furrer, in den Verwaltungsrat der Bankengruppe gewählt worden.

Der Kurs der Swiss Life-Valoren ist seit gut einem Jahr stetig am steigen und hat sich seither von unter 80 Franken auf über 175 Franken vorgearbeitet. Seit Jahresgewinn haben Swiss Life gut 45 Prozent dazugewonnen, während das Plus im Gesamtmarkt SMI rund 17 Prozent beträgt.

An der Börse sehen die Anleger in den Papieren des Lebensversicherers dank Wachstum, dem weniger zinssensitiven Geschäftsmodell sowie der Bereinigung um den Finanzdienstleister AWD weiteres Potential.

(mit Material von AWP)