Swiss-Re-Aktie nach Zahlen unter Druck

Das Kerngeschäft enttäuscht und der Reingewinn liegt unter den Erwartungen, so das Verdikt der Analysten zum Quartalsausweis von Swiss Re. Verkäufe aus dem Ausland setzen die Aktie unter Druck.
06.08.2014 11:04
Von Lorenz Burkhalter
CEO Michel Liès hat für die erfolgsverwöhnten Aktionäre für einmal nicht so gute Nachrichten.
CEO Michel Liès hat für die erfolgsverwöhnten Aktionäre für einmal nicht so gute Nachrichten.
Bild: cash

Das hatten sich die erfolgsverwöhnten Aktionäre von Swiss Re vermutlich anders vorgestellt: Anstatt mit einer weiteren positiven Ergebnisüberraschung wartet der in Zürich beheimatete Rückversicherungskonzern für das zweite Quartal mit einem durchzogenen Zahlenkranz auf.

Während die verdienten Prämien und die Entwicklung des Eigenkapitals besser als erwartet ausfallen, bleibt der Reingewinn aufgrund einer höher als befürchteten Combined Ratio klar dahinter zurück. Auch die Aussagen der Firmenverantwortlichen zur Juli-Erneuerungsrunde fallen eher vorsichtig aus.

Nachdem die Aktie von Swiss Re schon im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung einen eher schweren Stand hatte, verliert sie zur Stunde an der Schweizer Börse SIX in einem sehr regen Handel 2,9 Prozent auf 74,90 Franken. Marktbeobachter berichten von grösseren Verkaufsaufträgen aus dem Ausland.

In einem Kommentar der UBS Investmentbank wird der Zahlenkranz als uneinheitlich bezeichnet. Trotz einem substanziell höher als erwarteten Beitrag aus dem Bereich Admin Re sei der Reingewinn hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Grund für dieses Verfehlen liege im Bereich Life Re. Aufgrund saisonaler Gegebenheiten sowie einer Verschlechterung bei der Prämienzusammensetzung sei jedoch auch der Beitrag aus dem Nichtleben-Geschäft schwächer als erhofft ausgefallen.

Raum für Dividendenerhöhungen weiterhin vorhanden

Unter Ausklammerung einmaliger Sondererträge im Bereich Admin Re sei die Differenz zwischen den effektiven Zahlen und den Konsensschätzungen sogar noch höher. Der Verfasser des Kommentars sieht auf Basis des vorliegenden Ergebnisses keinen Grund um in Euphorie zu verfallen und stuft die Aktie von Swiss Re weiterhin mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 82 Franken ein.

Etwas optimistischer äussert sich der für die Bank Vontobel tätige Berufskollege. Er beurteilt das zweite Quartal insgesamt als solide, auch wenn die Erwartungen hinsichtlich der Gewinngenerierung leicht verfehlt worden seien. Was die Wachstumsentwicklung und das Neugeschäft anbetreffe, sei der Zahlenkranz hingegen vielversprechend. Ausserdem hält der Analyst den finanziellen Spielraum für höhere Dividenden für intakt und eine weitere Sonderdividende für möglich. Er hält deshalb an seiner Kaufempfehlung sowie am Kursziel von 92 Franken fest.

Bei der Zürcher Kantonalbank stösst man sich hingegen an der enttäuschenden operativen Geschäftsentwicklung in den Bereichen Nichtlebensrückversicherung und Lebensrückversicherung. Diese sei aber durch ein gutes Anlageergebnis wieder weitgehend aufgewogen worden. Dennoch rechnet der für Swiss Re zuständige Analyst des etwas schwächer als erwarteten Abschlusses wegen eine negative Kursreaktion. Er stuft die Aktie unverändert mit "Marktgewichten" ein.

Der Berufskollege von J. Safra Sarasin verweist auf die Ende Juli veröffentlichten Halbjahreszahlen des Rivalen SCOR. Auch die Franzosen hätten im Kerngeschäft mit rückläufigen Prämienansätzen zu kämpfen gehabt. Der Analyst rät der eigenen Anlagekundschaft zu einer abwartenden Haltung, bis klar sei, wie sich die Katastrophenhäufigkeit und die Prämien entwickeln würden. Zudem bestehe die Möglichkeit überzahlter grösserer Firmenübernahmen. Er hält deshalb am "Neutral" lautenden Anlageurteil fest.