Swiss-Re-Aktie taucht trotz guten Zahlen

Der Quartalsgewinn von Swiss Re fällt weniger stark als von Analysten erwartet. Weil die jedoch Ergebnisqualität nicht ganz unumstritten ist, gerät die Aktie im frühen Handel unter Druck.
29.04.2016 10:45
Von Lorenz Burkhalter
Kann nach dem ersten Quartal zufrieden sein: Swiss-Re-Chef Michel Liès.
Kann nach dem ersten Quartal zufrieden sein: Swiss-Re-Chef Michel Liès.
Bild: cash

Einmal mehr erweist sich die Angst vor Druck auf die Rückversicherungsprämien als übertrieben. Der von Swiss Re für das erste Quartal veröffentlichte Zahlenkranz liegt sowohl beim Vorsteuergewinn als auch beim Reingewinn sehr deutlich über den Erwartungen.

Allerdings steckt der Teufel im Detail. Denn ein Teil der Differenz zwischen der effektiven Gewinnentwicklung und den Analystenschätzungen lässt sich mit realisierten Wertschriftengewinnen und anderen einmaligen Erträgen erklären.

An der Schweizer Börse SIX gibt die Aktie von Swiss Re deshalb die vorbörslichen Kursavancen wieder preis. Zur Stunde fällt sie sogar um 1,5 Prozent auf 87,10 Franken.

Eigenkapitalbasis verbessert sich weiter

Wie die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar schreibt, übertrifft der Reingewinn die Markterwartungen deutlich. Der Autor macht nicht zuletzt auch die gute Anlagerendite sowie umfangreiche Kapitalgewinne für das starke Ergebnis verantwortlich. Dazu kommt seines Erachtens ein Gewinneffekt aus der Übernahme der Guardian Finanical Services in Grossbritannien.

Der Abschluss zeige eine gute Entwicklung, so schreibt er. Als negativ bezeichnet er hingegen die beginnenden Reservestärkungen in der Nichtlebensversicherung. Dennoch erachtet er die operative Leistung als sehr vorteilhaft und die Eigenmittelausstattung als sehr solide. Der Analyst stuft die Aktie wie bis anhin mit "Marktgewichten" ein.

Nachreservierungen lassen aufhorchen

Ebenfalls Gefallen an der Entwicklung des Eigenkapitals findet der Berufskollege der Bank Vontobel. Trotz einem von Herausforderungen geprägten Umfeld seien Swiss Re diesbezüglich Fortschritte gelungen. Das erstmals kommunizierte Solvenz-Ratio-II betrage herausragende 312 Prozent, was eine gute Basis für weitere Aktienrückkäufe biete, so ergänzt er. Der Experte bekräftigt sowohl das "Hold" lautende Anlageurteil als auch das Kursziel von 94 Franken für die Aktie.

Für Gesprächsstoff sorgen hingegen offensichtliche Nachreservierungen im Nicht-Leben-Geschäft. In diesem Bereich sei das erste Quartal eher enttäuschend ausgefallen, so schreibt beispielsweise der für Baader Helvea tätige Analyst. Obschon er mit einer weiteren Kapitalrückführung an die Aktionäre rechnet, stuft er die Aktie aus den genannten Gründen nur mit "Hold" und einem Kursziel von 92 Franken ein.

In einem Kommentar aus dem Hause Bernstein Research wird Swiss Re der vorliegende Zahlenkranz sogar als negativ ausgelegt. Der Autor begründet dies mit der schwächeren Rentabilität im Nicht-Leben-Geschäft sowie mit den überraschenden Nachreservierungen. Diesbezüglich unterscheide sich das Ergebnis in negativer Weise von dem anderer europäischer Rückversicherer. Sein Anlageurteil lautet weiterhin "Market Perform" und das Kursziel 88 Franken.