Swiss Re und Munich Re - Wie sich Rückversicherer für Klimawandel-Schäden rüsten

Nach einer der bislang schlimmsten atlantischen Hurrikan-Saisons in der Geschichte sagen die grössten Versicherer der Welt, dass die Branche sich zusammenreissen muss, falls sie den Klimawandel überleben will.
18.11.2017 07:00
Der Hurrikan «Irma» über der Karibik.
Der Hurrikan «Irma» über der Karibik.
Bild: Nasa

Wetterbedingte Naturkatastrophen könnten für Haushalte und Unternehmen ein unerschwingliches Niveau erreichen, während der potenzielle Schaden so unvorhersehbar wird, dass es unmöglich sein kann, ihn in Modelle zu giessen - ein inakzeptables Risiko für die Versicherer.

"Irgendwann in der Zukunft wird es eine Situation geben, in der sich die Menschen keine Katastrophenversicherung mehr leisten können - das wollen wir vermeiden", sagt Ernst Rauch, Leiter des Corporate Climate Centers bei der Munich Re. Der grösste Rückversicherer der Welt erlitt einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro, nachdem die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria die Forderungen in die Höhe schnellen liessen.

Im Gegensatz zu Warren Buffetts Ansicht, dass der Klimawandel die Nachfrage nach Deckung ankurbeln und den Gewinn bei seinen Versicherungsgesellschaften steigern wird, besteht durchaus das Risiko, dass das Gegenteil eintritt - da sich verändernde Wettermuster die katastrophengefährdeten Gebiete unversicherbar machen.

Wenig Versicherungsschutz

Die Last, die Kosten des Wiederaufbaus nach Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Erdbeben zu tragen, fällt bereits überproportional auf die Regierungen zurück. Die Versicherer sind nach Angaben von AIR Worldwide für nur etwa 10 Prozent der Schäden in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar in Texas verantwortlich, die durch Überschwemmungen nach dem Hurrikan Harvey verursacht wurden.

Das liegt daran, dass die meisten Standard-US-Hausversicherungspolicen Überschwemmungen nicht abdecken. Ähnlich ist es in Fidschi, das im letzten Jahr von seinem schlimmsten Zyklon heimgesucht wurde und wo weniger als jeder zehnte Mensch eine Versicherung hat. "Es ist ein grosses Sorge der Swiss Re, dass es eine so grosse Kluft zwischen den wirtschaftlichen Verlusten und dem, was versichert ist, gibt", sagt Peter Zimmerli, der Leiter für atmosphärische Gefahren bei Swiss Re, dem zweitgrössten Rückversicherer. "Einige der Signale der globalen Erwärmung sind einfach da - sie können nicht mehr debattiert werden."

Die Versicherer haben nicht mit dem Wandel Schritt gehalten, weil sie immer noch das zukünftige Risiko basierend auf den Geschehnissen in der Vergangenheit einschätzen, meint Tom Herbstein. Er leitet ein von der Branche unterstütztes Versicherungsprojekt namens ClimateWise an der University of Cambridge. Da herkömmliche Versicherungen teurer werden, könnten sich die Gemeinden seiner Meinung nach dafür entscheiden, stattdessen in die Risikominderung zu investieren.

«Risiko wächst exponentiell»

"Wir leben in einer Welt, in der das Risiko exponentiell wächst", sagt Herbstein. "Der Klimawandel stellt eine fundamentale Herausforderung für das bestehende Versicherungsgeschäftsmodell dar." Schritte zur Anpassung an die neue Norm sind im Gange. Zimmerli von Swiss Re verweist auf die parametrische Versicherung, die im Katastrophenfall eine vorab bestimmte Summe ausschüttet, um Katastrophen-Versicherungen auf breiterer Front zugänglich zu machen. 

Swiss Re hat einen solchen Plan in China unterstützt, der es Menschen in Küstenprovinzen, die für Taifune anfällig sind, ermöglicht, einen Schutz auf ihren Mobiltelefonen zu kaufen, wodurch Verwaltungskosten entfallen. Nach einem Sturm müssen sie nur ein Foto des Schadens hochladen, um die Zahlung auszulösen.

Die US-Versicherer würden sich langsamer anpassen, weil das Thema so politisiert sei, erklärt Cynthia McHale, Versicherungsdirektorin bei Ceres, einer Interessenvertretung für Nachhaltigkeit in Boston. Präsident Donald Trump bestreitet, dass der Klimawandel existiert, und hat die USA aus dem Pariser Klimaabkommen herausgezogen.

(Bloomberg)