Swisscom-Aktie fällt nach mässigen Zahlen

Swisscom legt einen durchzogenen Zahlenkranz vor, erhöht jedoch den Ausblick. Einigen Analysten ist das zu wenig, was der Aktie zusetzt.
19.08.2015 11:40
Von Lorenz Burkhalter
Stappelt Swisscom-CEO Urs Schaeppi absichtlich tief? Analysten hatten sich vom Ausblick mehr erhofft.

Eigentlich war klar, dass Swisscom die Halbjahresergebnispräsentation dazu nutzen wird, den Ausblick anzuheben. Für das gesamte Geschäftsjahr 2015 erwartet das in Bern beheimatete Telekommunikationsunternehmen neu bei einem Umsatz von über 11,5 Milliarden Franken einen operativen Gewinn (EBITDA) von "über" 4,2 Milliarden Franken. Bislang wurde den Aktionären ein Umsatz von über 11,4 Milliarden Franken sowie ein EBITDA von "rund" 4,2 Milliarden Franken in Aussicht gestellt.

Doch noch immer liegen die Analystenschätzungen über den firmeneigenen Jahresprognosen. Die Bank Vontobel geht beispielsweise von einem Umsatz von 4,7 Milliarden Franken und einem EBITDA von 4,3 Milliarden Franken aus.

Auch der Zahlenkranz für die ersten sechs Monate fällt eher uneinheitlich aus. Sowohl beim Umsatz als auch auf den Stufen EBITDA und EBIT werden die Markterwartungen leicht verfehlt. Nur beim Reingewinn werden diese übertroffen und das auch nur dank einmaliger Faktoren.

Die Swisscom-Aktie fällt am Mittwoch an der SIX um bis 1,8 Prozent auf 555,50 Franken. In den letzten zwölf Monaten hat der Titel 8 Prozent zugelegt.

Erste Jahreshälfte erfüllt die Erwartungen

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zieht der Autor insgesamt eine leicht positive Bilanz. Die Umsatzentwicklung habe die bankeigenen Schätzungen leicht verfehlt, so schreibt er. Seinen Berechnungen zufolge legte der Umsatz im zweiten Quartal organisch und währungsbereinigt um gerademal 0,6 Prozent zu.

Während der EBITDA dank einem starken Ergebnisbeitrag von Fastweb über den Erwartungen ausgefallen sei, hätten höhere Abschreibungen auf den EBIT gedrückt. Der Reingewinn sei nur dank geringeren Finanzierungskosten und einer tieferen Steuerrate besser als erwartet ausgefallen. Dennoch erachtet der Analyst die vorliegenden Eckdaten als leicht kursfördernd und empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit "Übergewichten" zum Kauf.

Ausblick absichtlich konservativ gehalten?

Auch sein für die Bank Vontobel tätiger Berufskollege findet mehrheitlich wohlwollende Worte. Um Sonderfaktoren bereinigt sei das Resultat im zweiten Quartal solide ausgefallen, so schreibt er. Er findet sichtlich Gefallen an der soliden Umsatzentwicklung, den neuen Produktoffensiven sowie an den Benutzerzahlen.

Der Analyst hält den Bewertungsaufschlag von 20 Prozent gegenüber der europäischen Konkurrenz für gerechtfertigt und stuft die Aktie von Swisscom vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 573 Franken ein.

Im Berufshandel wird der leicht angehobene Ausblick als leicht enttäuschend bezeichnet. Schliesslich habe den bisherigen firmeneigenen Prognosen die Euro-Franken-Parität zugrunde gelegen. Viele Analysten hätten sich vom Ausblick einiges mehr erhofft, so der Tenor.

Auch bei der UBS Investmentbank ist der Ausblick ein Thema. Die Grossbank weist darauf hin, dass die aktuellen Konsensschätzungen mit einem Umsatz von 11,6 Milliarden Franken und einem EBITDA von 4,3 Milliarden Franken noch immer über den firmeneigenen Zielsetzungen liegen. Die Aktie wird weiterhin mit "Neutral" und einem 545 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel eingestuft.