Swisscom-Aktie nach Zahlen im Angebot

Der Zahlenkranz von Swisscom legt nahe, dass die Analysten im Vorfeld zu pessimistisch waren. Dennoch kann sich die Aktie dem schwächeren Gesamtmarkt im Handelsverlauf nicht entziehen.
06.05.2015 12:45
Von Lorenz Burkhalter
Unter CEO Urs Schaeppi wächst Swisscom auch im ersten Quartal.

Von wegen langweilig und träge: Der Telekommunikationskonzern Swisscom übertrifft die Analystenerwartungen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015 nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim operativen Gewinn (EBIT) teilweise deutlich. Einzig beim Reingewinn nach Minderheiten fällt das Ergebnis aufgrund von Sonderfaktoren etwas schwächer als erwartet aus.

Wenig überraschend hält das Unternehmen an den Anfang Februar kommunizierten Umsatz- und Ertragszielen für das Gesamtjahr fest. Den Zielen liegt allerdings ein aus heutiger Sicht tiefer Euro-Kurs von einem Franken zugrunde.

An der Schweizer Börse SIX verliert die Aktie von Swisscom in einem schwächeren Gesamtmarkt 0,3 Prozent auf 554 Franken. Händler berichten in der Nähe der Tagestiefstkurse von guten Käufen aus dem In- und Ausland.

Diese erstaunen nicht, fallen die Analystenreaktionen doch mehrheitlich positiv aus. Einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank ist zu entnehmen, dass die Umsatzentwicklung klar oberhalb der Erwartungen lag. Swisscom wuchs im Heimmarkt Schweiz organisch um 2,9 Prozent. Am grössten sei das Wachstum bei den Privatkunden sowie im neu geschaffenen Geschäftskundenbereich ausgefallen.

Wachstum zu Lasten der Margen

Auch der Gewinnbeitrag von Fastweb habe überzeugt, sei dieser doch trotz den Folgen des starken Frankens um 11 Prozent gewachsen. Deshalb seien die Erwartungen auch auf den Stufen EBITDA und EBIT übertroffen worden. Den etwas schwächeren Reingewinn erklärt sich der Verfasser des Kommentars mit negativen Effekten aus der Pensionskasse, dem etwas tieferen Finanzergebnis und der höheren Steuerbelastung. Er erachtet den Zahlenkranz als insgesamt positiv und stuft die Aktie von Swisscom weiterhin mit "Übergewichten" ein.

Etwas zurückhaltender äussert sich der Chefanalyst der Bank Vontobel. Er räumt zwar ein, dass Swisscom im ersten Quartal stärker als erwartet gewachsen sei. Das Unternehmen sei in einer guten Position, um den hohen Marktanteil im Heimmarkt Schweiz verteidigen zu können. Dies habe allerdings seinen Preis, sei wie schon im vorangegangenen Quartal Druck auf die Margen zu verspüren. Der Experte findet sichtlich Gefallen an den defensiven Qualitäten der Aktie und ihrer weiterhin attraktiven Dividendenrendite. Dennoch stuft er sie nur mit "Hold" und einem Kursziel von 570 Franken ein.

Umsatz dank Sonderfaktoren höher

Der Berufskollege von Nomura rechnet auf Basis des vorliegenden Quartalsergebnisses mit einer jährlichen Verbesserung des freien Cash Flows von 11 Prozent bis Ende 2017. Er empfiehlt die Aktie deshalb weiterhin mit einem Kursziel von 630 Franken zum Kauf und sieht ein Aufwärtspotenzial von 13 Prozent.

Mit einer eigenen Theorie wartet hingegen der Analyst von J.P. Mogan auf. Er erklärt sich den höher als erwarteten Quartalsumsatz mit einem höheren Absatz von Smartphones und ergänzenden Firmenzukäufen. Auch vom Umsatzrückgang bei der Tochter Fastweb zeigt sich der Experte wenig begeistert. Er stuft die Aktie unverändert mit "Underweight" und einem Kursziel von 530 Franken ein.

Stapelt Swisscom bei den Jahresprognosen tief?

Bei der UBS Investmentbank macht man den anhaltenden Erfolg mit den Infinity-Mobilfunktarifen und den Kombinationspaketen für die besser als erwartete Umsatzentwicklung verantwortlich. Der Umsatz habe die bankeigenen Schätzungen im ersten Quartal um 3 Prozent übertroffen. Beim operativen Gewinn seien die Erwartungen hingegen nur erfüllt worden. Dennoch glaubt der Analyst, dass Swisscom bei den Umsatz- und Ertragsprognosen für das Gesamtjahr möglicherweise absichtlich tiefstapelt. Allerdings weist er auch darauf hin, dass die Konsensschätzungen auf den Stufen Umsatz und operativer Gewinn (EBITDA) schon heute leicht über den firmeneigenen Zielsetzungen liegen. Die Aktie wird bei der UBS Investmentbank daher unverändert mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 530 Franken eingestuft.