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Syngenta-Aktie hat einen schweren Stand

Am Donnerstag wird Syngenta die Quartalsumsatzzahlen vorlegen. Die Kursentwicklung lässt eine Enttäuschung erahnen. Es gibt aber weitere Gründe, weshalb die Aktie schwierige Zeiten durchmacht.
14.10.2015 08:39
Von Lorenz Burkhalter
Bei der Aktie von Syngenta ist derzeit «der Wurm drin».
Bei der Aktie von Syngenta ist derzeit «der Wurm drin».
Bild: Bloomberg

Im Laufe des späten Dienstagnachmittags geriet die Aktie von Syngenta unter starken Verkaufsdruck. Abgaben aus Übersee liessen den Kurs erstmals seit Anfang Februar wieder unter 300 Franken fallen. Bei Handelsende resultierte ein satter Tagesverlust von 4,5 Prozent.

Über die Hintergründe für diese Formschwäche lässt sich nur spekulieren. Fakt ist: Der in Basel beheimatete Agrarchemiekonzern hat alleine in den vergangenen fünf Handelstagen knapp 10 Prozent seines Börsenwerts eingebüsst.

Am Donnerstag steht die Veröffentlichung der Umsatzzahlen für das zurückliegende dritte Quartal an. Da liegt die Vermutung nahe, dass das Unternehmen einmal mehr mit einer Enttäuschung aufwarten muss.

Monsanto und DuPont lassen grüssen

In den vergangenen Jahren bescherte Brasilien Syngenta zeitweise ein prozentual zweistelliges Wachstum. Diese Tage gehören allerdings der Vergangenheit an. Wirtschaftliche Probleme und der Zerfall der dortigen Währung haben den hohen Ergebnisbeitrag aus dem südamerikanischen Land längst zum Bumerang verkommen lassen. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Vergleichsbasis aus dem letzten Jahr befürchten Analysten in Brasilien einen organischen Umsatzrückgang zwischen 8 und 9 Prozent. Darüber hinaus dürften negative Wechselkursverschiebungen ihre Spuren hinterlassen haben.

In diese Richtung gehende Anhaltspunkte liefern auch die zuletzt von anderen Agrarchemieherstellern gemachten Aussagen. Aufgrund einer Nachfrageschwäche in den Absatzmärkten sah sich das amerikanische Partnerunternehmen DuPont kürzlich zu einer Reduktion der firmeneigenen Gewinnprognosen gezwungen. Nur wenige Tage später wartete der Rivale Monsanto mit einer Gewinnwarnung sowie mit einem umfassenden Stellenabbau auf.

Aktien bei Analysten nicht sehr beliebt

In der Folge warf der für Baader Helvea tätige Analyst auch bei Syngenta das Handtuch, stufte die Aktie des Basler Unternehmens von "Buy" auf "Hold" herunter und strich das Kursziel auf 326 (365) Franken zusammen.

Seit Monsanto den Versuch, Syngenta zu übernehmen erfolglos abgebrochen hat, hagelte es nur so an Rückstufungen. Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP empfehlen nur noch 7 von 19 Analysten die Aktie zum Kauf. Zwei Experten haben sogar Verkaufsempfehlungen ausstehend. Noch liegt das durchschnittliche Kursziel zwar bei rund 345 Franken. Nach der Veröffentlichung der Quartalsumsatzzahlen vom Donnerstag dürften jedoch viele Analysten ihre Kursziele mit dem Rotstift überarbeiten.

Syngenta-Aktionäre brauchen Geduld

Nachdem die Übernahmespekulationen der letzten Monate versandet sind, müssen sich die Aktionäre bei Syngenta wieder mit dem rauen Tagesgeschäft auseinandersetzen. Auf längere Sicht wird das Unternehmen von strukturellen Wachstumstreibern wie dem starken Bevölkerungswachstum, den nicht in beliebigem Umfang vorhandenen Anbauflächen und dem dadurch vorhandenen Druck zu Produktivitätsfortschritten in der Landwirtschaft sowie dem Trend in Richtung einer immer eiweissreicheren Ernährung profitieren.

Die eher ernüchternde Geschäftsentwicklung der vergangenen zwei Jahre lässt allerdings Zweifel am Erfolg der Integrationsstrategie aufkommen. Dazu kommt der vorübergehende Gegenwind in den Schwellenländern, welcher ebenfalls gegen eine rasche Kurserholung der Aktie spricht. Den Aktionären dürften deshalb auch weiterhin viel Geduld und gute Nerven abverlangt werden.