Syngenta-Aktie nach Zahlen gesucht

Syngenta wartet mit einem überraschend soliden Zahlenkranz auf. Allerdings ist dieser in Analystenkreisen nicht unumstritten. Dennoch legt die Aktie dank aggressiven Deckungskäufen zu.
04.02.2015 11:45
Von Lorenz Burkhalter
CEO Mike Mack hat gut Lachen: Syngenta übertrifft die Prognosen.
CEO Mike Mack hat gut Lachen: Syngenta übertrifft die Prognosen.
Bild: ZVG

(Ergänzt um den Kommentar von JP Morgan und den aktuellen Aktienkurs)

Was die Spatzen am Hauptsitz von Syngenta schon seit Wochen von den Dächern pfeifen, ist seit dem frühen Mittwochmorgen bittere Gewissheit: Bei den Umsatz- und Margenzielen fürs neue Jahr müssen die Firmenverantwortlichen zurückstecken.

Allen Unkenrufen zum Trotz kann sich das Ergebnis des Basler Agrarchemieherstellers für das Geschäftsjahr 2014 allerdings sehen lassen. Die von vielen Analysten nach einer Gewinnwarnung des US-Partners DuPont befürchtete Enttäuschung bleibt aus und der Zahlenkranz liegt sowohl beim Umsatz als auch auf den Stufen EBITDA und Reingewinn über den Konsensschätzungen.

Auf Basis des vorliegenden Ausblicks werden Analysten ihre diesjährigen Gewinnschätzungen um bis zu 8 Prozent zusammenstreichen müssen. Für Gesprächsstoff sorgt auch ein Sondergewinn im Zusammenhang mit eingefrorenen Pensionsleistungen, welcher das letztjährige Ergebnis künstlich aufbläht.

Dennoch gewinnt die Syngenta-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 3,4 Prozent auf 310,50 Franken. Beobachter berichten dabei von aggressiven Deckungskäufen aus dem Ausland.

Einige Analysten auf dem falschen Fuss erwischt

Geht es nach dem für die Bank Vontobel tätigen Analysten, dann ist das Jahresergebnis leicht besser als erwartet ausgefallen. Geholfen habe insbesondere das Spezialsaatgut Elatus, welches sich nach der Markteinführung in Brasilien besser als erwartet verkauft habe. Die Margenentwicklung sei überraschend solide, liege allerdings dennoch unter dem Vorjahr zurück.

Der Analyst hatte im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung mit einem enttäuschenden Zahlenkranz gerechnet. Nun stösst er sich zumindest am Ausblick. Dieser lasse rückläufige Konsensschätzungen erwarten, so lässt der Analyst durchblicken. Längerfristig sieht er weiterhin die Gefahr, dass Syngenta die eigenen Zielsetzungen verfehlen könnte und rät der Anlagekundschaft bei der mit "Hold" und einem Kursziel von 300 Franken eingestuften Aktie an der Seitenlinie zu verharren.

Verhaltener Ausblick für 2015

Positive Worte findet sein für die Zürcher Kantonalbank tätiger Berufskollege. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen habe Syngenta ein ansprechendes Jahresergebnis vorgelegt, das die Konsensprognosen leicht übertroffen habe, so schreibt er in einem Kommentar. Der deutlich über den Markterwartungen liegende freie Cashflow vor Akquisitionen werde vermutlich positiv aufgenommen.

Aufgrund der kurzfristigen Belastung durch die Wechselkurse und des erst später sich kostenentlastend auswirkenden Ölpreisrückgangs sei der Ausblick für 2015 zwar eher verhalten. Die vor Jahresfrist eingeleiteten Restrukturierungs- und Effizienzsteigerungsmassnahmen sollten sich aber zunehmend margensteigernd auswirken, was auch das von Syngenta bestätigte mittelfristige Margenziel unterstütze, so zeigt sich der Analyst überzeugt. Er empfiehlt die Aktie mit "Übergewichten" zum Kauf.

Sonderfaktoren blähen Gewinn auf

Sehr viel vorsichtiger äussert man sich bei Bernstein Research. In einem Kommentar wird die letztjährige Umsatzentwicklung zwar als stark beurteilt. Der Gewinn sei allerdings nur aufgrund eingefrorener Pensionsleistungen höher als erwartet ausgefallen. Auf Stufe EBITDA habe dies das Ergebnis um 143 Millionen Dollar aufgebläht, was mehr oder weniger der Differenz zwischen den effektiven Zahlen und den Konsensschätzungen entspricht. Der Verfasser des Kommentar empfiehlt die Aktie deshalb weiterhin mit "Underperform" zum Verkauf.

In dieselbe Kerbe schlägt auch sein Berufskollege von der UBS Investmentbank. In seinem neusten Kommentar weist er auf dieselbe Problematik mit den Pensionsleistungen hin. Ansonsten findet er einzig an der signifikant besseren Absatzentwicklung in Europa Gefallen. Er hält vorerst sowohl am "Neutral" lautenden Anlageurteil als auch am 12-Monats-Kursziel von 280 Franken fest.

Bei JPMorgan wird der Zahlenkranz für das vergangene Jahr als gut beurteilt. Dennoch biete der Ausblick für das neue Jahr Raum für Enttäuschungen. Auch das Folgejahr werde von Herausforderungen geprägt sein, so der verantwortliche Analyst. Die Amerikaner empfehlen die Aktie mit "Underweight" und einem optisch tiefen Kursziel von 210 Franken zum Verkauf.