Syngenta-Aktie von Gerüchten angetrieben

Seit Donnerstag gibt es wieder Berichte, wonach Syngenta und der US-Rivale Monsanto erneut Übernahmegespräche führen. Trotz skeptischen Analystenreaktionen legt die Aktie deutlich zu.
04.05.2015 11:21
Von Lorenz Burkhalter
Angeblich noch immer auf der Wunsch-Liste des US-Rivalen Monsanto: Die Basler Syngenta.
Angeblich noch immer auf der Wunsch-Liste des US-Rivalen Monsanto: Die Basler Syngenta.
Bild: ZVG

(Ergänzt um den Kommentar von Kepler Cheuvreux und den aktuellen Kurs)

Schon letzten Juni berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg davon, dass Monsanto Interesse am Agrochemiekonzern Syngenta bekunde. Damals hiess es allerdings, dass die Übernahme am Widerstand der Basler gescheitert sei. Heute, knapp ein Jahr später, will Bloomberg von einem erneuten Anlauf des amerikanischen Weltmarktführers für Spezialsaatgut wissen.

An der Schweizer Börse SIX reagiert die Syngenta-Aktie mit einem Kursfeuerwerk auf die Übernahmespekulationen. Mit einem Anstieg um 7,7 Prozent auf 338,70 Franken bleibt sie allerdings deutlich hinter der Parität von 363,50 Franken der in New York gehandelten Titel von Freitagnacht zurück. Der Grund liegt bei den sehr unterschiedlichen Reaktionen aus dem Analystenlager.

In einem Kommentar äussert der Experte der Credit Suisse die Vermutung, dass für Monsanto eine kostengünstigere Steuerstruktur im Vordergrund stehen könnte. Schliesslich liege die langfristige Zielgrösse von Syngenta für die Steuerquote bei 20 Prozent. In Kombination mit Synergieeffekten, welche bei der Grossbank auf 650 Millionen Dollar geschätzt werden, sei deshalb schon im ersten Jahr des Zusammenschlusses eine Gewinnverdichtung von rund 12 Prozent möglich.

Idee überzeugt längst nicht alle Analysten

Der Analyst rechnet mit regulatorischen Hürden, was einen möglichen Zusammenschluss von Monsanto und Syngenta anbetrifft. Solche sieht er insbesondere im Geschäft mit biotechnologisch verändertem Saatgut sowie im Schlüsselmarkt USA. Doch auch in der Schweiz sei mit Widerstand der Wettbewerbshüter zu rechnen, so schreibt er.

Diese Meinung teilt der Kollege der Deutschen Bank nicht. Seinen Berechnungen zufolge liegt der Marktanteil von Monsanto im Saatgutgeschäft zwar bei 25 Prozent. Jener von Syngenta sei mit gerademal 8 Prozent jedoch relativ gering. Dem Experten zufolge müsste sich das Basler Unternehmen vermutlich von einigen Produkten trennen, um in allen Schlüsselmärkten grünes Licht für eine Übernahme durch Monsanto zu erhalten. Die Aktie von Syngenta wird bei der Deutschen Bank weiterhin mit einem Kursziel von 370 Franken empfohlen und die Berichte rund um eine Kombination mit dem amerikanischen Rivalen begrüsst.

Kritisch äussert sich der für Bernstein Research arbeitende Analyst. Nicht ohne Grund, empfiehlt er die Aktie von Syngenta doch schon seit Monaten mit "Underperform" und einem optisch tiefen Kursziel von 250 Franken zum Verkauf. Auf den ersten Blick winkt bei einer Verschmelzung der beiden Agrochemiehersteller eine Gewinnverdichtung von rund 9 Prozent, so schreibt er. Dennoch hält der Experte unter Umständen sogar eine Gewinnverwässerung von bis zu 16 Prozent für möglich.

Gibt die Aktie die Kursgewinne wieder preis?

Aufgrund unüberbrückbarer strategischer und wettbewerbsrechtlicher Hürden sowie Fragen rund um die öffentliche Meinung glaubt er nicht an eine Übernahme von Syngenta durch Monsanto. Die Aktie werde ihre Kursgewinne deshalb wohl schon in den nächsten Tagen wieder preisgeben.

Obschon der Berufskollege von Kepler Cheuvreux die Aktie offiziell nur mit "Hold" und einem Kursziel von 330 Franken einstuft, rät er Anlegern von einem Verkauf ab. Da es sich bislang nur um Gerüchte handle, sei eine abwartende Haltung angebracht.

Zumindest in einem Punkt gibt der Analyst der Credit Suisse dem Experten von Bernstein Research Recht: Vor allem die von Monsanto mit der transatlantischen Übernahme angestrebte Steueroptimierung könnte sich als grösste Hürde erweisen. Nicht ohne Grund, hat sich in den USA über die letzten Monate doch bedeutender politischer Widerstand gegen solche Firmentransaktionen gebildet. Wie dem auch sei, die normalerweise wenig erfolgsverwöhnten Aktionäre von Syngenta dürfen sich zu Wochenbeginn wenigstens über ein Kursfeuerwerk freuen.