Syngenta-Deal setzt Rivalen unter Druck

Der chinesische Staatskonzern Chemchina will Syngenta für mehr als 43 Milliarden Dollar schlucken. Kommt der Deal zustande, geraten vor allem zwei deutsche Rivalen unter Zugzwang.
03.02.2016 20:10
Versucht der deutsche Rivale BASF den Deal von Syngenta mit Chemchina zu torpedieren?
Versucht der deutsche Rivale BASF den Deal von Syngenta mit Chemchina zu torpedieren?
Bild: ZVG

Der in Basel ansässige Weltmarktführer unterstützt die Offerte aus dem Reich der Mitte, ein Angebot von Monsanto hatte der Schweizer Pflanzenschutzproduzenten im Sommer noch abgeblockt. Für Chemchina, das den Kaufpreis bar zahlen will, dürfte es nun ein klarer Durchmarsch werden - Gegenofferten sind nach Ansicht der meisten Experten nicht zu erwarten. "Ich sehe niemanden in der Agrarchemie, der vergleichbar viel bar zahlen kann", sagt Analyst Andreas Heine vom Finanzdienstleister Mainfirst.

In der Agrarchemiebranche nimmt das Fusionskarussell damit noch mehr Fahrt auf. Fallende Getreidepreise und instabile Märkte in den Schwellenländern haben den Unternehmen zugesetzt. Im Dezember hatten die US-Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont angekündigt, dass sie einen neuen Branchengiganten schmieden wollen. Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird mit Syngenta, Monsanto, Bayer, DuPont Pioneer, Dow Chemical und BASF nur von einer guten handvoll Unternehmen kontrolliert.

Mit dem jetzt absehbaren Deal geraten die beiden deutschen Spieler, Bayer und BASF, unter Zugzwang: beide wollen im Geschäft mit Chemieprodukten für die Landwirtschaft stärker werden. Nach Ansicht des Branchenexperten Markus Mayer von der Baader Bank ist Bayer besser positioniert als BASF. Er geht davon aus, dass BASF und Monsanto gemeinsam versuchen werden, Chemchina Steine in den Weg zu legen, um die Übernahme zu erschweren - etwa bei Behörden und der Politik. Dass sich Monsanto mit seinem Kooperationspartner zusammenschliesst, um Chemchina am Ende noch in die Parade zu fahren und den Deal zu verhindern, erwarten Fachleute hingegen nicht.

Bitter vor allem für Monsanto

Zu unterschiedlich sind die Interessen der beiden Konzerne: Monsanto brauche das Pflanzenschutz-Know-how, für BASF sei das Saatgutgeschäft interessant, da die Ludwigshafener bislang noch kein eigenes besitzen. Die Sparten bei einer Übernahme von Syngenta zu trennen sei aber ein extrem zeitaufwendiger und teurer Prozess, erläutert Analyst Christian Faitz von Kepler Cheuvreux. "Ich glaube nicht an eine Gegenofferte, nicht auf dem Niveau."

Bitter ist das erfolgreiche Werben von Chemchina vor allem für Monsanto. Syngenta hatte die Avancen der Amerikaner mehrfach unter anderem mit dem Argument abgeblockt, der Deal werde von den Kartellbehörden ohnehin nicht durchgewunken. Chemchina hat hier die besseren Karten, weil die Chinesen über ein wesentlich kleineres Agrochemiegeschäft verfügen. Darüber hinaus scheint der Syngenta-Verwaltungsrat den Chinesen deutlich wohlgesonnener zu sein als dem Rivalen. Während Chemchina-Chef Ren Jianxin von "freundlichen und konstruktiven" Verhandlungen spricht, herrschte zwischen Monsanto und Syngenta frostiges Klima.

"Wir haben 2011 nein gesagt, wir haben 2012 nein gesagt, wir haben 2015 nein gesagt. Welchen Teil von nein verstehen sie nicht?", hatte Syngentas Ex-Chef Mike Mack, der das Unternehmen inzwischen verlassen hat, Monsanto seinerzeit abgewatscht. Und Verwaltungsratspräsident Michel Demaré weigerte sich, mit dem unliebsamen US-Konkurrenten überhaupt an einem Tisch zu sitzen. Bei Chemchina-Chef Ren war das jetzt offenbar anders.

(Reuters)