Taugt UBS-Schablone für die Credit Suisse?

Die Erwartungen an Tidjane Thiam, den neuen CEO der Credit Suisse (CS), sind hoch. Vor allem, was die Zukunft des Investmentbankings betrifft. Pro und Kontra, ob die CS den selben Weg wie die UBS gehen soll.
09.04.2015 01:05
Von Marc Forster

Das Investmentbanking ist schwankungsanfällig und dessen schlechte Resultate haben schon mehr als einmal ein Quartalsergebnis einer Grossbank verdorben. Die UBS hat 2012 harte Entscheidungen getroffen und ist dabei, vor allem das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren abzubauen.

Dadurch wird Kapital freigesetzt, und die Risiken in den Büchern werden weniger. Die UBS will zuerst eine Vermögensverwalterin sein, in der die verbleibenden Investmentbankeinheiten Anlagesprodukte und -strategien für reiche Privatkunden zusammenschneidern soll.

Die Credit Suisse hat die Handelssparte unter dem Investmentbanker Brady Dougan weniger stark zusammengestutzt. Einer Statistik von Goldman Sachs zufolge hat die CS die risikogewichteten Aktiven seit 2012 um 22 Prozent abgebaut, die UBS aber um 56 Prozent. Weil der neue CS-Chef Tidjane Thiam vom britischen Versicherer Prudential kommt und damit eher der Kultur des Asset Managements verbunden ist, erwarten viele einen Kurswechsel.

Ein deutliches Signal wäre es, wenn Thiam die Schablone der UBS nehmen und die CS neu zusammensetzen würde. Viele Investoren setzen darauf. Die CS-Aktie hat seit der Bekanntgabe des Chefwechsels am 10. März um 16 Prozent zugelegt, diejenige der UBS "bloss" 9 Prozent.

Aber soll die CS tatsächlich wirklich den Weg der UBS folgen? Es gibt Argumente dafür und dagegen.

PRO

Kapital: Zur Stärkung der vergleichsweise schwachen Kapitalbasis der CS wäre ein Zurückfahren des Investmentbankings ein Vorteil, denn die Handelsgeschäfte binden Mittel, und die verschärfte Regulierung unter dem Regelwerk Basel-III macht Investmentbanking noch kapitalintensiver. Analyst Andreas Venditti von der Bank Vontobel kann sich aber auch vorstellen, dass die CS statt einer Verkleinerung der Investmentbank eine Stärkung des übrigen Geschäfts anstrebt, etwa über Zukäufe. Ein Ausbau des Private Bankings zum Beispiel in den Schwellenmärkten könnte als Begründung für eine Kapitalerhöhung herhalten und die Schwäche der CS bei der Kapitalausstattung ausgleichen. Auch die Analysten von J.P. Morgan glauben, dass Thiam vor allem das Vermögensverwaltungsgeschäft in Asien vorantreiben will, mit Blick auf eine gute Eigenkapitalrendite.

Eigenkapitalrendite: 2014 lieferten die Vermögensverwaltung mit 12,6 Milliarden Franken und die Investmentbank mit 12,5 Milliarden Franken etwa gleich viel Ertrag. Die Märkte für das Investmentbanking sind aber mit Risiken behaftet. Goldman Sachs etwa schreibt, dass die CS mit einem schrittweisen Abbau der Investmentbank viel zu gewinnen hätte, denn im Vermögensverwaltungsgeschäft sei eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent möglich, was aber im Gesamtkonzern durch die Investmentbank verhindert werde. "Deswegen könnte ein strategischer Kurswechsel bei der CS wie bei der UBS mächtige Folgen haben", schreibt Goldman Sachs in einem Kommentar von Mitte März.

Volatilität: Das Umfeld für die Investmentbanken bliebt schwierig. Das Tiefzins-Umfeld prägt das Geschäft, wobei die Banken unterschiedlich betroffen sind. Immer ein Thema sind aber die Kosten, die insbesondere durch die Regulierung entstehen. Für die Deutsche Bank, wo über einen Ausstieg aus dem Privatkundengeschäft nachgedacht wird, sind ein Teil der Experten kritisch: Eine grössere Abhängigkeit von der Investmentsparte wäre für die Frankfurter Grossbank mit höheren Risiken verbunden. Einige senkten daher die Aktien-Empfehlung.

KONTRA

Gewinn: Der Gewinnbeitrag der Investmentbank innerhalb der CS ist beträchtlich. "Das Fixed Income ist bei der CS ein wichtiger Ertrags- und Gewinnbringer", sagt Venditti – bei der UBS sei das in dieser Form nicht der Fall gewesen. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren verfügt über zahlreiche Untersparten wie Obligationen, Rohstoffe, Währungen, Zinsen und die Zahlen dahinter werden üblicherweise nicht sehr transparent ausgewiesen. Zudem setzt sich bei jeder Bank die Investmentsparte anders zusammen, und die Stärken und Schwächen auf diesen Gebieten sind von Bank zu Bank verschieden.

Marktstellung: Der Ertrag von J.P. Morgan, dem führenden Player im Fixed Income, ist beinahe drei Mal so gross wie bei der CS. Dennoch kann sich die CS Chancen erhoffen, in diesem Geschäft weiter mitmischen zu können oder gar an Bedeutung zu gewinnen. Denn nicht nur die UBS, sondern auch die globalen Grossbanken Barclays oder Royal Bank of Scotland bauen Investmentbank-Geschäfte ab. "Die CS mag sich überlegen: Wenn andere gehen, dann wird der Markt attraktiver für die, die bleiben", sagt Venditti. 

Unternehmenskultur: Die CS ist historisch gesehen stark im Investmentbanking verwurzelt, was so für die UBS nicht zutrifft. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner hat einmal gesagt, die Investmentbank sei Teil der DNA der CS. Nicht nur in der Konzernführung, sondern auch im mittleren Managment sitzen bei der CS viele Investmentbanker, die die Kultur der Bank prägen und die Tidjane Thiam sicherlich nicht alle auswechseln können wird.

Wahrscheinlich ist, dass Thiam, sitzt er ab Mitte Jahr an den Schalthebeln der zweiten Schweizer Bank, weder dem UBS-Vorbild folgt noch die Bank weiterbestehen lässt, wie sie noch unter Dougan besteht. Daher ist es schwierig, welche strategische Richtung für den Aktienkurs der CS der richtige ist: Entscheidend wird dabei neben den Resultaten wohl sein, wie glaubwürdig der CS-Verwaltungsrat und der neue Konzernchef ihre Strategien kommunizieren und wie realistisch die Ziele gesehen werden.